Masterarbeit, 2012
109 Seiten, Note: 1,7
2 Einleitung
3 Religion – Definitionen und Formen
3.1 Definitionen
3.1.1 Spiritualität
3.1.2 Glauben
3.1.3 Rituale/Riten
3.1.4 Religion
3.1.5 Religiosität
3.1.6 Moral
3.1.7 Ethik
3.1.8 Konfession
3.2 Welche Formen der Religion werden betrachtet?
3.2.1 Hauptlinie: Christentum, Judentum, Islam
3.2.2 Buddhismus, Hinduismus und weitere
3.2.3 Begrenztheit der Aussagekraft
4 Religion und Soziologie
4.1 Ausgewählte religionssoziologische Theorien und Modelle
4.2 Privatisierung und Individualisierung der Ernährung als implizite Handlungsform einer unsichtbaren Religion
4.3 Wie kommt die Religion zum Menschen?
5 Eine Soziologie des religiös motivierten Essens
5.1 Die gesellschaftlichen Ebenen
5.1.1 Die Makroebene
5.1.2 Die Meso-Ebene
5.1.3 Die Mikroebene
5.2 Eine allgemeine Soziologie des Essens und der Ernährungssozialisation
5.3 Die Soziologie des religiös motivierten Essens
5.3.1 Geschmack
5.3.2 Kapital und Einkommen
5.3.3 Verfügbarkeit, Institutionalisierung und Sozialbeziehungen
5.3.4 Vorstellungen von Reinheit und Heiligkeit
5.3.5 Sinn
5.3.6 Systeme, Subsysteme und Funktionen
5.3.7 Grundlagen religiös motivierter Ernährung
6 Die religiösen Vorstellungen vom richtigen Essen und richtigen Speisen
6.1 Beispiele der Formen des religiös motivierten Essens und der Speisenbereitung
6.2 Der Produktionsprozess
6.3 Verbindendes und Trennendes
6.4 Askese und Fasten
6.5 Speisengebote
6.6 Speiseverbote
6.7 Die Folgen von Missachtung der religiös motivierten Ernährungsregeln
7 Hin und wieder zurück – die Bedeutung der Ernährungs- und Speiseregeln in der postkonfessionellen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts
7.1 Ein Kurzabriss der historischen und gegenwärtigen Entwicklung von Ernährungs- und Speiseregeln
7.1.1 Ein Reflektion der Zivilisations- und Reformprozesse
7.2 Grobe Linien der Veränderung der Ernährungsformen und Speisezubereitungen im 20. Jahrhundert
7.2.1 Religiöse Speisezubereitung im Umfeld von Fast-Food und Rationalisierungsprozessen
7.2.2 Essen in der Stadt und auf Reisen
7.2.3 Das Internet und die Versorgung mit speziellen Nahrungsmitteln
7.3 Veränderung der konfessionellen Zusammensetzung von Gesellschaften durch Zuwanderungen und Abwanderungen am Beispiel von Deutschland im 20. Jahrhundert
7.4 Religion ohne Bedeutung der Ernährung – oder Ernährung ohne Bedeutung der Religion?
7.4.1 Absinken von Ernährungs- und Speiseregeln in Alltagshandlungen ohne religiösen Bezug - Aufsteigen von Ernährungs- und Speiseregeln zu Pseudo-religiösen Normen
7.4.2 Neo- und pseudo-religiöse Formen der Ernährung oder: Was isst, wer an nichts glaubt?
8 Schlussbetrachtungen und Ausblick
Diese Master-Abschlussarbeit untersucht die Soziologie der religiös motivierten Ernährung in der deutschen Gegenwartsgesellschaft, mit dem Ziel, das bislang wenig erforschte Feld der religiös geprägten alimentären Praxis theoretisch zu erschließen und als soziales Phänomen zu analysieren.
3.1.5 Religiosität
Als Religiosität kann die mit emotionalen Empfindungen und geistiger Beschäftigung angereicherte, gelebte Religion bezeichnet werden. Religiosität bezeichnet somit auch die Bereitschaft, die vorgegebenen Glaubenssätze zu übernehmen, Rituale auszuführen und die Glaubensinhalte zu tradieren. Die Religiosität kann als ‚Grad der Religionsausübung’ empirisch klassifiziert und kategorisiert werden. Die individualisierte Form der Religionspraxis (individuelle Religiosität) ist Ausdrucksmittel für den Inhalt und die Intensität, wie auch die Zielrichtung der jeweils geglaubten Religionsform. Oder wenn mit LUCKMANN zuvor „die Weltansicht als eine universale gesellschaftliche Form der Religion definiert“ wurde, so kann „entsprechend die persönliche Identität als eine universale Form der individuellen Religiosität“ betrachtet werden.
Religiosität als Inhalt und Ausprägungsmerkmal ist damit grundsätzlich messbar. Und zwar hinsichtlich des bloßen Kennens von religiösen Ritualen, Praktiken oder Normen, deren Bedeutungsgrad für den jeweiligen Menschen (absolut unwichtig bis sehr wichtig), der Häufigkeit der Praxis und der Bedeutung der institutionalisierten Anwendung bzw. der praktizierten Sozialform (privat, alleine, im Familienkreis, mit Freunden, Kirche/Moschee/Synagoge, etc.) oder Gemeinschaftsformen, wie beispielsweise Lebens- und Interessengemeinschaften. Der Grad der Religiosität lässt sich beispielsweise unterteilen in: „hochreligiös“, „religiös“ und „nicht-religiös“.
Inhalte dieser Art wurden teils im Religionsmonitor bereits betrachtet, die Ernährung als Merkmal gehörte jedoch nicht dazu. Religiöse Speisevorschriften können also spezialisierter Ausdruck der individualisierten Religiosität sein. Was wissen die Gläubigen über diese Speisevorschriften? Wie wichtig sind sie für sie? Wie genau werden diese eingehalten? Welche Vorstellungsmuster verbinden sich damit? Dienen sie der Handlungsorientierung? Gibt es Personen, für die Handlungsleitungen besonders wichtig sind? usw. Bislang liegen zu den Speisevorschriften entsprechende Studien noch nicht vor.
2 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas ein, begründet durch die wachsende Bedeutung interreligiöser Begegnungen im Alltag, und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit.
3 Religion – Definitionen und Formen: Dieses Kapitel klärt grundlegende Begriffe wie Spiritualität, Religion, Religiosität und Ethik und definiert den Rahmen für die Betrachtung der drei abrahamitischen Religionen im weiteren Verlauf der Arbeit.
4 Religion und Soziologie: Hier werden zentrale theoretische Konzepte der Religionssoziologie (u.a. von Simmel, Luckmann und Bourdieu) erläutert, um die Brücke zum soziologischen Verständnis der Ernährung zu schlagen.
5 Eine Soziologie des religiös motivierten Essens: In diesem Kapitel werden die theoretischen Ansätze auf das Ernährungsverhalten angewandt, untergliedert in Makro-, Meso- und Mikroebene der Gesellschaft.
6 Die religiösen Vorstellungen vom richtigen Essen und richtigen Speisen: Dieses Kapitel bietet einen detaillierten Vergleich der Speisevorschriften (Gebote und Verbote) von Judentum, Islam und Christentum und beleuchtet die Praxis der Speisenbereitung.
7 Hin und wieder zurück – die Bedeutung der Ernährungs- und Speiseregeln in der postkonfessionellen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts: Hier werden die historischen Entwicklungen und die heutige Bedeutung von Speiseregeln in einer säkularisierten Gesellschaft analysiert, einschließlich der Herausforderungen durch moderne Konsumgewohnheiten.
8 Schlussbetrachtungen und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und weist auf die Notwendigkeit weiterführender empirischer Forschung hin.
Religiöse Ernährung, Soziologie des Essens, Religionssoziologie, Speisevorschriften, Identität, Sozialisation, Judentum, Islam, Christentum, Fasten, Kaschrut, Halal, Ernährungskultur, Privatisierung, Säkularisierung.
Die Arbeit untersucht die soziologische Bedeutung religiös motivierter Ernährungsgewohnheiten in der heutigen Gesellschaft, indem sie erforscht, wie religiöse Normen und Speiseregeln das Handeln von Menschen im Alltag beeinflussen.
Die zentralen Felder umfassen die Religionssoziologie, die Soziologie der Ernährung, historische Traditionen von Speiseregeln in den abrahamitischen Religionen sowie die modernen Einflüsse durch Migration und Globalisierung auf die Esskultur.
Das primäre Ziel ist es, das Forschungsfeld der Soziologie des religiös motivierten Essens zu erschließen und aufzuzeigen, inwiefern religiöse Ernährungsnormen trotz postkonfessioneller Einflüsse weiterhin als soziale Tatsachen wirken.
Die Arbeit basiert auf einer theoriegeleiteten, literaturbezogenen Analyse, die soziologische Modelle (z.B. Feldtheorie nach Bourdieu, Sozialkonstruktivismus) auf das Feld der Ernährungssoziologie anwendet.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen des Religionsbegriffs, die gesellschaftlichen Ebenen der Ernährungssozialisation, einen direkten Vergleich von Speisevorschriften der drei abrahamitischen Religionen sowie die Bedeutung von Speiseregeln im 21. Jahrhundert.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Religiöse Ernährung, Soziologie des Essens, Kaschrut, Halal, soziale Identität, Ernährungssozialisation und die Transformation religiöser Praxis im privaten und öffentlichen Raum.
Weil die Untersuchung religiöser Ernährung sowohl die inneren, inhaltlichen Regeln (substantialistisch) als auch die soziale Funktion der Ernährung für den Zusammenhalt oder die Identität (funktionalistisch) berücksichtigen muss, um das Phänomen vollständig zu erfassen.
Migration führt zu einer stärkeren Vielfalt religiöser Ernährungskulturen in Deutschland, was die Institutionen der Gesellschaft (z.B. Gemeinschaftsverpflegung) vor neue Herausforderungen bei der Integration dieser unterschiedlichen Bedürfnisse stellt.
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