Diplomarbeit, 2003
146 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
I Theoretischer Teil
2 Aktuelle Lage im Pflegekinderwesen
2.1 Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII
3 Warum ein Kind zum Pflegekind wird
3.1 Gefährdung des Kindeswohls nach § 1666 BGB
4 Bindungstheorie
4.1 Innere Arbeitsmodelle von Bindung
4.1.1 Das sichere Modell
4.1.2 Das unsicher- ambivalente Modell
4.1.3 Das unsicher- vermeidende Modell
4.1.4 Das unsicher- desorganisierte Modell
4.2 Deprivation
5 Die Integration des Kindes in die Pflegefamilie
5.1 Bedingung für eine Förderung von Integration
5.1.1 Die Pflegeeltern
5.1.2 Die Geschwisterkonstellation
5.1.3 Die Herkunftseltern
5.1.4 Pflegekind
5.2 Phasen der Integration
5.2.1 Die Anpassungsphase
5.2.2 Die Übertragungsphase
5.2.3 Die Regressionsphase
6 Die Sozialpädagogische Arbeit im Pflegekinderwesen
6.1 Die Arbeit mit dem Kind
6.2 Die Arbeit mit der Herkunftsfamilie
6.3 Die Arbeit mit den Pflegeeltern
II Empirischer Teil
7 Die Methode des narrativen Interviews
7.1 Die Erhebung des Datenmaterials
7.2 Die Analyse
7.3 Forschungsfragen
8 Vollständige Fallrekonstruktion der Interviews mit Elke und Bastian
8.1 Vorfeldanalyse: Kontaktaufnahme und Interviewsituation mit Elke
8.2 Struktur der erzählte Lebensgeschichte
8.3 Struktur der erlebten Lebensgeschichte
8.4 Kontrastierung: „Auf der Suche nach einer Mutter“
8.5 Vorfeldanalyse: Kontaktaufnahme und Interviewsituation mit Bastian
8.6 Struktur der erzählten Lebensgeschichte
8.7 Struktur der erlebten Lebensgeschichte
8.8 Kontrastierung: „Auf der Suche nach einer Familie“
9 Globalanalyse der Interviews mit Melda und Janina
9.1 Vorfeldanalyse: Kontaktaufnahme und Interviewsituation mit Melda
9.2 Struktur der erzählten Lebensgeschichte
9.3 Struktur der erlebten Lebensgeschichte
9.4 Vorfeldanalyse: Kontaktaufnahme und Interviewsituation mit Janina
9.5 Struktur der erzählten Lebensgeschichte
9.6 Struktur der erlebten Lebensgeschichte
10 Die Ergebnisse unserer Biographieforschung in einer Gegenüberstellung
III Schlussbetrachtung
11 Die Bedeutung unserer Biographieforschung für die Soziale Arbeit
12 Die Bedeutung der allgemeinen Biographieforschung für die Soziale Arbeit
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Lebens- und Familiengeschichten von ehemaligen Pflegekindern biographisch zu untersuchen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, welche Erfahrungen diese Kinder gemacht haben, wie sie ihre Entwicklung bewerten und wie sie ihre Bindungen sowie ihre Integration in die Ersatzfamilie rückblickend interpretieren.
Die Regressionsphase
Das Kind zeigt in dieser Phase Regressionen, dass heißt es treten Verhaltensweisen zutage, die einer viel früheren Entwicklungsstufe zuzurechnen sind und nicht zu seinem tatsächlichen Alter passen. Regressionen dienen dem Kind zum einen zur Angstabwehr und Vermeidung von Unlust und zum anderen der Sicherung von Bedürfnissen und dem Aufbau von Beziehungen. So sind Regressionen beim Kind zu beobachten, wenn es sich in seiner seelischen Balance verunsichert oder bedroht fühlt. Die Regression kann einem Kind z.B. helfen Angst und Unsicherheit abzuwehren wenn seine Eltern ein zweites Kind bekommen. Das erstgeborene Kind hat dann häufig das Gefühl durch dieses Geschwisterkind weniger Liebe und Zuwendung zu bekommen. Es beginnt wieder in einer Babysprache zu sprechen oder nässt ein um von der Mutter gewickelt und wie ein Baby behandelt zu werden. Es kommt zu einem gesenkten Anpassungsniveau, denn dieses gibt dem Kind „.eine sichere Startbasis“.
Diese Art von angstabwehrender Regression tritt auch zu Beginn der Pflegebeziehung auf, wenn z.B. die Pflegeeltern die Distanz zu ihrem Pflegekind verringern, so erleben sie dies häufig als Bedrohung. Denn viele von ihnen haben in der Ursprungsfamilie schreckliche Erfahrungen sammeln müssen und haben Angst vor Widerholungen. Ein Kind kann sich dann zur Angstabwehr z.B. winzig klein machen und mit einer hohen, piepsenden Kinderstimme reagieren. Hier dient das regressive Verhalten als Anpassung an eine beängstigende Situation. Dieses regressive kleinkindliche Verhalten erfährt gewöhnlich eine bestimmte Resonanz, so wird auch das ältere Kind entsprechend seiner regressiven Signale, Gesten und Worte von seiner Pflegemutter bemuttert. Dieses „Kindchenschema“ worauf eine Mutter unwillkürlich mit Brutpflegeverhalten antwortet, wird durch das Babyverhalten ersetzt.
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die thematische Hinführung zum Pflegekinderwesen und legt das methodische Vorgehen der Biographieforschung dar.
2 Aktuelle Lage im Pflegekinderwesen: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über statistische Daten und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII.
3 Warum ein Kind zum Pflegekind wird: Es werden die häufigsten Gründe für eine Inpflegegabe sowie die gesetzlichen Voraussetzungen einer Kindeswohlgefährdung gemäß § 1666 BGB erörtert.
4 Bindungstheorie: Die theoretischen Grundlagen der Bindungstheorie nach John Bowlby sowie die Bedeutung der inneren Arbeitsmodelle und das Konzept der Deprivation werden detailliert beschrieben.
5 Die Integration des Kindes in die Pflegefamilie: Das Kapitel behandelt die Bedingungen für eine gelungene Integration sowie die Phasen des Eingliederungsprozesses.
6 Die Sozialpädagogische Arbeit im Pflegekinderwesen: Es wird die Rolle des Sozialpädagogen bei der Begleitung von Kind, Herkunfts- und Pflegefamilie vor und während der Inobhutnahme beleuchtet.
7 Die Methode des narrativen Interviews: Die methodologische Basis der qualitativen Biographieforschung sowie die Schritte der Fallanalyse werden erläutert.
8 Vollständige Fallrekonstruktion der Interviews mit Elke und Bastian: Anwendung der rekonstruktiven Fallanalyse auf zwei konkrete Biographien zur Darstellung ihrer Lebensgeschichten.
9 Globalanalyse der Interviews mit Melda und Janina: Anwendung der Globalanalyse auf zwei weitere Fälle zur Identifikation biographischer Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
10 Die Ergebnisse unserer Biographieforschung in einer Gegenüberstellung: Eine kontrastive Gegenüberstellung aller untersuchten Fälle zur Synthese der zentralen Erkenntnisse.
11 Die Bedeutung unserer Biographieforschung für die Soziale Arbeit: Diskussion der Konsequenzen für die pädagogische Praxis, insbesondere bezüglich Vor- und Nachbetreuung.
12 Die Bedeutung der allgemeinen Biographieforschung für die Soziale Arbeit: Zusammenfassende Reflexion über den Stellenwert narrativer Ansätze im professionellen Beratungskontext.
Pflegekinderwesen, Bindungstheorie, Biographieforschung, narrative Interviews, Integration, Sozialpädagogik, Deprivation, Vollzeitpflege, Fallrekonstruktion, Kindeswohl, Ersatzfamilie, Herkunftsfamilie, pädagogische Diagnostik, Übergangsphasen, Identitätsentwicklung.
Die Arbeit befasst sich mit den Lebenswegen ehemaliger Pflegekinder und untersucht, wie diese ihre Kindheit und die Integration in ihre Ersatzfamilien rückblickend reflektieren.
Zu den Schwerpunkten zählen die Bindungstheorie nach Bowlby, die Phasen der Integration in eine Pflegefamilie, die Rolle der Herkunftsfamilie sowie die sozialpädagogische Begleitung dieser Prozesse.
Die Arbeit zielt darauf ab, die subjektiven Erfahrungen und die Bedeutung der Biographieforschung für das Verständnis der Identitätsentwicklung bei Pflegekindern zu entschlüsseln.
Die Autoren nutzen die Methode des biographisch-narrativen Interviews nach Fritz Schütze sowie Techniken der Fallrekonstruktion und Globalanalyse für die Auswertung.
Neben theoretischen Grundlagen (Bindung, Deprivation, Integration) stehen die detaillierten Fallanalysen (Fallrekonstruktion von Elke und Bastian, Globalanalyse von Melda und Janina) im Zentrum.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Pflegekinderwesen, Bindung, Biographieforschung, Integration und die Bedeutung der Sozialen Arbeit.
Die Analyse verdeutlicht, dass beide, obwohl sie früh in Pflegefamilien kamen, einen starken Leidensdruck durch das Geheimhalten ihrer Herkunft und den Konkurrenzkampf mit leiblichen Kindern erlebten.
Diese Unterscheidung ist zentral, um die Mechanismen zu verstehen, wie Biographen ihre Vergangenheit präsentieren, um sich vor schmerzhaften Erinnerungen oder negativer Selbstdarstellung zu schützen.
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