Masterarbeit, 2011
223 Seiten, Note: 1
Vorwort: Menschenbild, Körper, Körperkultur und (Schönheits-)Ideale
Einleitung
Teil I – Theorie zum Krankheitsbild
1. Begriffserläuterung zur Eingrenzung des Untersuchungsthemas Essstörungen und (Leistungs-)Sport
1.1 (Leistungs-)Sport
1.2 Der BMI: Erfassung von Über-, Unter- und Normalgewicht - Untergewicht
1.3 Gestörtes Essverhalten
1.4 Essstörungen
2. Anorexia nervosa (Magersucht)
2.1 Definition und Symptomatik
2.2 Epidemiologie
2.2.1 Geschlechterverteilung
2.2.2 Prävalenz
2.2.3 Erkrankungsalter
2.2.4 Sozioökonomische Verbreitung
2.2.5 Risikogruppen
2.3 Diagnosekriterien: ICD-10
2.3.1 Persönlichkeit: Typische Charaktereigenschaften und Verhaltensmerkmale
2.3.2 Körperwahrnehmungsstörung
2.3.3 Ständiges Kreisen der Gedanken um Gewicht, Nahrung und Körper
2.3.4 Körperliche Veränderungen
2.3.5 Fehlende Krankheitseinsicht
2.4 Ursachen/Ätiologie: Die Suche nach dem Schuldigen
2.4.1 Soziokulturelle Faktoren
2.4.2 Psychosoziale Faktoren
2.4.3 Genetische und biologische Faktoren
2.4.4 Verschiedene weitere Faktoren
3. Anorexia athletica
3.1 Definition
3.2 Kennzeichen und Symptomatik
3.3 Persönlicher Kommentar: Gegenüberstellung der Kriterien der Anorexia nervosa mit denen der Anorexia athletica
3.4 Unterschiede und Gemeinsamkeiten: Anorexia athletica und der Anorexia nervosa
3.4.1 Unterschiede
3.4.2 Gemeinsamkeiten: (Spar-)Stoffwechsel bei andauerndem Hungerzustand
3.5 Kritik am Begriff „Anorexia athletica“
3.6 Sportsucht (Primäre und sekundäre Sportsucht)
4. Magersucht und Sport: Warum erkranken so viele Sportlerinnen an der Anorexia nervosa?
4.1 Epidemiologie: Studien zu den Risikogruppen nach Sundgot-Borgen
4.1.1 Gegenüberstellung: Essgestörte Sportlerinnen versus Nicht-Sportlerinnen
4.1.2 Gegenüberstellung verschiedener Sportarten - Risikosportarten versus Nicht- Risikosportarten
4.2 Spezielle Risikofaktoren bei Sportlerinnen zur Entwicklung einer Anorexia nervosa
4.2.1 Soziokulturelle Risikofaktoren: Trainer/in? - Erwartungen? - Medien?
4.2.2 Psychische Risikofaktoren
4.2.3 Früher Start in den Leistungssport
4.2.4 Persönlichkeit, Charakter und Verhaltensmerkmale
5. Hungern und Sport - Magersucht und Sportsucht
5.1 Komorbidität psychischer Krankheiten nach Clarkin und Kendall (1992)
5.2 Exzessives Sporttreiben (Laufen) - Eine Art Anorexia nervosa?
5.3 Persönlicher Kommentar zur Begriffsvielfalt und deren Zusammenhänge
5.3.1 „Anorexia athletica“ und „Konkurrenzläuferin“
5.3.2 Beziehung zwischen Sportsucht und Magersucht
5.4 Magersucht und Sport: Eine besonders tödliche Kombination?
5.5 Magersucht und Sportsucht: Stoffungebundene Verhaltenssüchte
5.5.1 Allgemeines zur Verhaltenssucht
5.5.2 Magersucht als Verhaltenssucht
5.5.3 Sportsucht als Verhaltenssucht
5.5.4 Persönlicher Kommentar: Magersucht, Sportsucht und das Sucht-Modell
6. Erkenntnisse aus Teil I
Teil II - Biographienforschung
7. Eingrenzung der forschungsrelevanten Begriffe
7.1 Qualitative Sozialforschung: Abgrenzung von quantitativen Methoden
7.2 Biographienforschung - (Auto-)Biographie
8. Das narrative Interview als Möglichkeit zur biographischen Fallrekonstruktion
8.1 Allgemeine Bemerkungen zum Forschungsverfahren - „Narratives Interview“
8.2 Der Ablauf bzw. die Erhebung des „narrativen Interviews“
9. Die Interviews
9.1 Persönliche Datenerhebung: Auswahl der Probanden sowie Durchführung und Rahmenbedingungen der Interviews
9.2 Datenauswertung
9.2.1 Kohorteninterne Typenbildung
9.2.2 Verallgemeinerung der Ergebnisse
9.2.3 Abduktion - Bildung einer Hypothese
9.2.4 Begründung der Methodenauswahl und Erläuterung der Forschungsinteressen sowie der Fragestellung(en)
10. Präsentation der empirischen Erhebung - Die drei Biographien
10.1 UTE: Leistungssport und Hungern - Biographische Identität
10.2 SARAH: Hungern und Sport - Biographische Identität
10.3 MAREN: Hungern und Sport - Biographische Identität
11. Auswertung der Interviews - Gegenüberstellung der Interviews
11.1 Lebensperspektive und Selbstverwirklichung: Traditionelles Rollenverständnis versus „Rastlosigkeit“
11.2 Persönlicher Kommentar: Beziehung von Sport und Hungern und die dazugehörigen Krankheitsbilder
11.2.1 Übergang von der Anorexia athletica zur Anorexia nervosa
11.2.2 „Verwechslung“ von Anorexia nervosa mit Anorexia athletica
11.2.3 Komorbidität zwischen Hungern und Sport
11.3 Typenbildung: Abduktion - Loslösung von den Interviews
11.3.1 Typendimensionen - „Biographische Identität“ durch Sport und Hungern
11.3.2 Die drei Typen - „Biographische Identität“
11.3.3 Verallgemeinerung der Typenbildung - Darstellung der Hypothese
12 Einbettung der Hypothese in Erkenntnisse der wissenschaftlichen Literatur
12.1 Philosophischer Exkurs: Entwicklung von Identität - Die Suche nach dem Sinn des Lebens
12.1.1 Das Körperbild - Entwicklung von Identität
12.1.2 Bedürfnisse nach Maslow: Selbstwirksamkeit – Die Suche nach dem Sinn des Lebens
12.1.3 Selbstachtung: Werte, Überzeugungen und der pathologische Kritiker
12.2 Anthropologischer Exkurs
12.2.1 Stoffungebundene Verhaltenssucht als Kompensationsmöglichkeit einer gescheiterten Individualisierung und Persönlichkeitsentwicklung
12.2.2 Autoaggression als Kompensationsmöglichkeit einer gescheiterten Individualisierung und Persönlichkeitsentwicklung - Der Angriff auf sich selbst
12.2.3 Instrumentalisierung des Körpers als Kompensationsmöglichkeit einer gescheiterten Individualisierung und Persönlichkeitsentwicklung
Abschlussdiskussion: Fazit und Ergebnissicherung
Schaubild: Die Krankheitsverläufe und Krankheitsbilder im Überblick
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Anorexia nervosa und Anorexia athletica als individuelle Bewältigungsmechanismen für Lebenskrisen und psychische Belastungen, insbesondere im Kontext des Leistungssports. Durch eine qualitative biographische Forschung wird analysiert, welche persönlichen Funktionen diese Krankheitsbilder erfüllen und inwiefern zwischen den Verhaltensweisen "Hungern" und "Sport" fließende Übergänge existieren.
2. Anorexia nervosa (Magersucht)
Immer mehr Menschen, vor allem junge Frauen (s. Kapitel 2.2), ignorieren heutzutage eines der banalsten Grundbedürfnisse der Menschheit, nämlich das der Nahrungsaufnahme. Sie verweigern das Essen (mehr oder weniger) und Hungern zum Teil so lange, bis sie ihr Gewicht auf ein Minimum reduziert haben oder aufgrund der Unterernährung bzw. dessen Folgen sterben (vgl. Zweek, 2008, S. 10).
„Die Bezeichnung „Anorexia“ bedeutet so viel wie Appetitlosigkeit. Der Zusatz „nervosa“ weist auf psychische Ursachen des Phänomens hin“ (Sorge & Schwarze, 2006, S. 25). Wörtlich betrachtet, bedeutet Anorexia nervosa somit „Appetitmangel nervöser Art“. Beschäftigt man sich ausführlicher mit dem Erscheinungsbild der Anorexia nervosa, so stellt man sehr schnell fest, dass diese Übersetzung irreführend ist (vgl. Swyter, 2007, S. 14). Anstatt unter einem Mangel an Hunger oder einem fehlenden Verlangen nach Nahrung zu leiden, wie der Begriff der Appetitlosigkeit vorgaukelt, verzichten Anorektikerinnen trotz vorhandenem Appetit bewusst auf das Essen (vgl. Sorge & Schwarze, 2006, S. 25). Oftmals ist das Interesse an Nahrungsmitteln gesteigert und die Auseinandersetzung mit Speisen, die sich u.a. in der Leidenschaft für das Bekochen anderer zeigt, kann sogar zwanghafte Züge annehmen (vgl. ebd., S. 25). „Magersüchtige sind süchtig nach Hunger“ (Hoffmann, 2009, S. 3). Die Beschäftigung mit dem Körpergewicht und dem Hungern steht oftmals im Mittelpunkt des Lebens der Erkrankten.
1. Begriffserläuterung zur Eingrenzung des Untersuchungsthemas Essstörungen und (Leistungs-)Sport: Definiert zentrale Begriffe wie Sport, BMI und gestörtes Essverhalten, um das Themenfeld der Essstörungen wissenschaftlich einzugrenzen.
2. Anorexia nervosa (Magersucht): Analysiert Definition, Epidemiologie und Ursachen der Anorexia nervosa sowie die Diagnosekriterien gemäß ICD-10.
3. Anorexia athletica: Untersucht das spezifische, sportinduzierte Krankheitsbild, stellt es der klassischen Magersucht gegenüber und kritisiert den Begriff.
4. Magersucht und Sport: Warum erkranken so viele Sportlerinnen an der Anorexia nervosa?: Beleuchtet spezifische Risikofaktoren im Leistungssport und analysiert Studien zu gefährdeten Sportarten.
5. Hungern und Sport - Magersucht und Sportsucht: Diskutiert die Komorbidität von Hungern und exzessivem Sport und ordnet beide als stoffungebundene Verhaltenssüchte ein.
6. Erkenntnisse aus Teil I: Fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und bereitet den Übergang zur empirischen Untersuchung vor.
7. Eingrenzung der forschungsrelevanten Begriffe: Begründet die Wahl der qualitativen Sozialforschung und Biographienforschung für die vorliegende Arbeit.
8. Das narrative Interview als Möglichkeit zur biographischen Fallrekonstruktion: Erläutert die methodische Vorgehensweise narrativer Interviews zur Erhebung biographischer Daten.
9. Die Interviews: Beschreibt die praktische Datenerhebung, Probandenauswahl und die Methoden der Datenauswertung.
10. Präsentation der empirischen Erhebung - Die drei Biographien: Stellt die individuellen Lebensläufe von Ute, Sarah und Maren dar.
11. Auswertung der Interviews - Gegenüberstellung der Interviews: Vergleicht die Biographien, bildet Typen und stellt Hypothesen zum Zusammenhang von Sport und Identität auf.
12 Einbettung der Hypothese in Erkenntnisse der wissenschaftlichen Literatur: Verknüpft die empirischen Ergebnisse mit philosophischen und anthropologischen Exkursen zur Identitätsentwicklung.
Anorexia nervosa, Anorexia athletica, Leistungssport, Magersucht, Sportsucht, Essstörungen, Identitätsentwicklung, Biographienforschung, Körperbild, Instrumentalisierung, Verhaltenssucht, Selbstwertgefühl, Leistungsdruck, Körperkult, Kompensationsmechanismen
Die Arbeit untersucht die psychischen und sozialen Hintergründe von Essstörungen (Magersucht) bei Sportlerinnen und beleuchtet das komplexe Verhältnis zwischen Leistungssport, Körperbild und Identität.
Die zentralen Themen umfassen die Unterscheidung von Anorexia nervosa und athletica, die Suchtproblematik im Sport, sowie die biographische Aufarbeitung von Erkrankungswegen bei Leistungssportlerinnen.
Das Ziel ist es, Funktionen und Beweggründe für die Entwicklung von Essstörungen im Kontext des Leistungssports zu identifizieren und den persönlichen Sinn zu ergründen, den Betroffene in der Krankheit sehen.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer qualitativen biographischen Forschung, die auf narrativen Interviews mit drei betroffenen Frauen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Krankheitsbilder und einen empirischen Teil, in dem die Lebensgeschichten von drei Athletinnen rekonstruiert und typologisch ausgewertet werden.
Die wichtigsten Begriffe sind Magersucht, Sportsucht, Leistungssport, Biographienforschung, Identität und Kompensationsmechanismen.
Die Autorin stellt fest, dass die Anorexia athletica oft als "anorektische Reaktion" oder Leistungsstrategie im Sport beginnt, während die Anorexia nervosa eine tieferliegende psychische Erkrankung darstellt, bei der die Kontrolle über das Essverhalten verloren geht.
Der pathologische Kritiker ist ein Konzept, das die negative innere Stimme der Betroffenen beschreibt, die unerreichbare Perfektionsmaßstäbe anlegt und so zur Aufrechterhaltung des gestörten Essverhaltens beiträgt.
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