Examensarbeit, 2012
80 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Schnitzler und Freud: Doppel- oder doch Einzelgänger?
2.1 Die Beziehung Schnitzler – Freud
2.2 Analysen zur menschlichen Psyche
2.2.1 Freuds Psychoanalyse
2.2.2 Schnitzlers Einwände
2.3 Traumdeutung
2.3.1 Traumdeutung nach Freud
2.3.2 Schnitzler und der Traum
2.4 Zwischenfazit: Schnitzler & Freud
3. Wirklichkeitsebenen in Arthur Schnitzlers Traumnovelle
3.1 Das Leben ein Traum
3.2 Der Traum ein Leben
3.3 Das Dazwischen
3.4 Zwischenfazit
4. Der Traum als Medium der Erkenntnis? – Funktionen des Spiels mit Wirklichkeit in Schnitzlers Traumnovelle
4.1 Hervorbringen unbewusster Wahrheiten
4.1.1 Unterdrückte Wünsche und deren Erfüllung
4.1.2 Rache
4.1.3 Trieb – und Begierdenaufdeckung
4.1.4 Der Traum als Ausrede
4.2 Bewusstmachung der Wirklichkeit
4.2.1 Spiegelung der Charaktere der Protagonisten
4.2.2 Vervollständigung der Realität
4.3 Kompensation des Alltags und Abtun der gesellschaftlichen Zwänge
4.4 Kreation alternativer Lebensentwürfe
4.5 Verarbeitung und Bewältigung
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die verschiedenen Wirklichkeitsebenen in Arthur Schnitzlers Traumnovelle vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Psychoanalyse. Das Ziel ist es, die fließenden Übergänge zwischen Traum und Realität sowie deren erzählerische Funktionen zu analysieren und zu klären, inwieweit Schnitzler als Dichter eigene psychologische Erkenntnisse in sein Werk einbrachte, die unabhängig von oder im kritischen Dialog zu Sigmund Freuds Theorien stehen.
3.1 Das Leben ein Traum
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Ebene der Wahrnehmung, die als Wirklichkeit oder reales Geschehen bezeichnet wird. Man könnte annehmen, dass diese Ebene am einfachsten zu bestimmen ist, doch die wahren Geschehnisse eindeutig von den verzerrten, unklaren, diesigen Momenten abzugrenzen, ist ein komplexes Spiel mit Wahrscheinlichkeit und Subjektivität. Wie es die Traumnovelle vorgibt, beschäftigt sich dieses Kapitel zum Großteil mit den Abschnitten, die sich auf Fridolin fixieren. Seine Erlebnisse finden, glaubt man Lantin, im „realen Raum“ statt, er ordnet sie mehrheitlich der „Alltags- und Wachwelt“ zu. Trotzdem haben sie zunehmend faszinierenden, traumhaften Charakter, was sein „Leben“ in der Traumnovelle zum „Traum“ werden lässt, die Grenze zwischen diesen Wirklichkeitsebenen also überschreitet.
Die Traumnovelle, die durch die Gutenachtgeschichte für die gemeinsame Tochter Fridolins und Albertines schon einen fantastischen Einstieg erhält, wird sogleich wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die Formulierung „Das Kind sah auf wie ertappt“ legt nahe, dass mit dem Kind auch der Leser, der die Lektüre vielleicht mit einer träumerischen Gedankenspielerei begonnen hat, nun bereit sein soll, aufzuwachen und das wirkliche Geschehen der Traumnovelle zu begreifen. Ein Wechsel von der unbewussten bzw. halbbewussten Gedankenebene zur Ebene des bewussten Wahrnehmens wird also gleich zu Beginn vollzogen.
Obwohl das nachfolgende Gespräch der Ehepartner durch äußere Einwirkungen allmählich an Realitätscharakter verliert, findet der Gesprächsaustausch selbst doch auf überzeugend realem Grund statt. Das Ehepaar entsinnt sich der Geschehnisse der letzten Nacht, an der sie einem „enttäuschend banalen Maskenspiel entronnen“ waren. Die Attribute des Maskenspiels wirken bodenständig und nicht im Ansatz illusionär.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Wirklichkeitsebenen in der Traumnovelle und der Kontext zu den Schriften von Schnitzler und Freud.
2. Schnitzler und Freud: Doppel- oder doch Einzelgänger?: Untersuchung der persönlichen und theoretischen Beziehung zwischen Schnitzler und Freud sowie deren divergierende Auffassungen zur Psyche.
3. Wirklichkeitsebenen in Arthur Schnitzlers Traumnovelle: Analyse der Struktur von Leben, Traum und dem Dazwischen als wesentliche Ebenen der Novelle.
4. Der Traum als Medium der Erkenntnis? – Funktionen des Spiels mit Wirklichkeit in Schnitzlers Traumnovelle: Beleuchtung der erzählerischen Funktionen des Traums, wie das Aufdecken unbewusster Wahrheiten und die Bewältigung gesellschaftlicher Zwänge.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnis, dass eine Trennung von Traum und Wirklichkeit in der Novelle unmöglich ist und die Psyche als ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Bewusstseinsebenen zu verstehen ist.
Arthur Schnitzler, Traumnovelle, Sigmund Freud, Unbewusstes, Wirklichkeitsebenen, Traumdeutung, Psychologie, Mittelbewusstsein, Surrealismus, literarische Moderne, Bewusstsein, Wunscherfüllung, Identität, Triebverzicht, Selbsterkenntnis.
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit – Traum, Wachwelt und den Übergangsbereich – in Arthur Schnitzlers Novelle Traumnovelle und setzt diese in Beziehung zur zeitgenössischen Psychoanalyse.
Im Zentrum stehen die Interaktion zwischen Schnitzlers literarischem Schaffen und Sigmund Freuds Traumdeutung, die Analyse des „Mittelbewusstseins“ bei Schnitzler sowie die Frage nach der Funktion des Traums als Medium der psychologischen Erkenntnis für die Romanfiguren.
Das Hauptziel besteht darin zu ergründen, ob eine klare Abgrenzung von Realität und Traum in der Erzählstruktur möglich ist oder ob Schnitzler bewusst eine Mehrdeutigkeit einsetzt, die den Leser permanent zwischen diesen Sphären schwanken lässt.
Die Autorin wählt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der primär auf einer Textanalyse basiert. Dabei werden sowohl Schnitzlers eigene Aphorismen und Tagebucheinträge als auch psychoanalytische Theorien von Freud herangezogen, um die literarischen Konstruktionen im Werk zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Beziehung Schnitzler-Freud, eine strukturierte Untersuchung der Wirklichkeitsebenen (Leben, Traum, Dazwischen) sowie eine detaillierte Analyse der Funktionen, die der Traum im Werk einnimmt, etwa als Ventil für unterdrückte Wünsche.
Neben dem zentralen Werk Traumnovelle und den Namen Schnitzler/Freud sind Begriffe wie Wirklichkeitsebenen, Unbewusstes, Mittelbewusstsein und Selbsterkenntnis entscheidend für das Verständnis der Arbeit.
Dies dient dazu, Schnitzlers eigenständige theoretische Position gegenüber Freud zu verdeutlichen. Schnitzler argumentierte gegen einen zu schnellen "Abstieg" in das vollkommene Unterbewusste und sah im Mittelbewusstsein einen aktiven Bereich, der individuelles Handeln und Bewusstwerdung stärker beeinflusst als ein rein unbewusster Trieb.
Sie werden als Symbole für die Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Fassade und individuellem Triebverzicht gedeutet. Das Ablegen oder Behalten der Maske fungiert im Text als Zeichen für den Übergang zwischen Traum, Spiel und der Konfrontation mit der eigenen Identität.
Das Fazit betont, dass die Novelle mit einer bewussten Unbestimmtheit endet. Es gibt keine klare Auflösung, ob die Protagonisten tatsächlich "erwacht" sind oder ob sie in einer dauerhaften Vermischung von Traum und Wirklichkeit verbleiben; die Definition von Wirklichkeit bleibt ein offener Prozess.
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