Bachelorarbeit, 2011
45 Seiten, Note: 2.0
1. Einleitung
2. Das Menschenbild im aufklärerischen 18. Jahrhundert
2.1 Bildung und Aufschwung des bürgerlichen Selbstbewusstseins
2.2 Familienideale und Moralvorstellungen
3. Humanistische Konstellationen im bürgerlichen Trauerspiel der Aufklärung
3.1 Tugend und Moral: eine utopische Gesellschaftsgestaltung?
3.2 Tugendbegriff und Frauendarstellung bei Lessing
4. Zu Lessings Miβ Sara Sampson
4.1 Streben nach väterlichen Prinzipien
4.2 Die zu erwartende Konfliktsituation
4.3 Die ,,wollüstige Marwood‘‘
4.4 Auswirkungen von Saras Tod
4.5 Die Verführung und das Böse als Antipoden der Tugend
5. Zu Lessings Emilia Galotti
5.1 Die Rolle der Claudia Galotti und der Orsina
5.2 Emilia Galotti, tugendhaft oder zwischen den Fronten?
5.3 Emanzipatorische Ansätze gegen strenge Idealvorstellungen
5.4 Emilias Tod als Flucht vor ihrem Tugendverlust
5.5 Das Scheitern als Merkmal des lasterhaften Menschen
6. Fazit
Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Entwicklung von Frauenfiguren in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichen Trauerspielen Miβ Sara Sampson und Emilia Galotti im Kontext der aufklärerischen Tugendideale. Ziel ist es, die innere Zerrissenheit der Protagonistinnen zwischen dem starren Festhalten an bürgerlichen Werten (Tugendrigorismus) und ihrem Streben nach Emanzipation zu analysieren, wobei auch die Rolle der Antagonistinnen kritisch beleuchtet wird.
3.1 Tugend und Moral: eine utopische Gesellschaftsgestaltung?
Ein weiteres Hauptthema des Trauerspiels ist die familiäre Geselligkeit. Inmitten der Häuslichkeit und der Wertschätzung der Familie steht der Tugendbegriff an wichtiger Stelle. Der häuslichen Idylle wird als antagonistischer Handlungsraum der Hof entgegengestellt, welcher sich vor allem durch Intrigen und Hinterlist auszeichnet. Dringt er in den Raum der Familie ein, wird das angestrebte Tugendideal in Frage gestellt und läuft Gefahr vernachlässigt zu werden. Durch die Lebensführung eines Menschen rücken Standesgrenzen in den Hintergrund. So definiert Wolfgang Schaer, dass man ,,einer Gesinnung‘‘ ist, ,,über die Standesgrenzen hinweg […] und daher eine ,Familie‘ ,bilden‘ kann‘‘. Charakteristisch für den bürgerlichen Menschen im Trauerspiel sind vor allem sein familiäres und häusliches Leben und die Zusammengehörigkeit der Familie. Somit ist der bürgerlich lebende Mensch ein helfender Familienmensch, der in der vertrauten Gemeinsamkeit eine unbeschwerte Zeit erlebt.
Das Bürgertum, das seinen eigenen Wert anerkennt und würdigt, hat es nicht nötig, sich bei anders lebenden Menschen anzubiedern; jeder ,,Stand‘‘ trägt seinen Wert in sich. […] Die ständische Ordnung wird als etwas Geheiligtes angesehen; sie allein garantiert Sicherheit und innerhäusliche und innerpolitische Ruhe; sie gilt als das Fundament jeglichen menschlichen Zusammenlebens. […] Bürger ist er dann, wenn er an der ihm gemäβen sozialen Stelle innerhalb der Gesellschaft steht; im Rahmen der gottgewollten Ordnung hat der Mensch seinen Platz auszufüllen.
Die mittelalterliche Definition des Einzelnen anhand einer Gruppen- oder Standeszugehörigkeit wird zusehends abgelehnt: Der Bürger zeichnet sich durch seinen Charakter und seine Einzigartigkeit aus und soll als Identifikation dienen.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Frauenfiguren bei Lessing ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Spannung zwischen Tugendrigorismus und Emanzipation dar.
2. Das Menschenbild im aufklärerischen 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen Grundlagen der Aufklärung und den Wandel des bürgerlichen Selbstverständnisses.
3. Humanistische Konstellationen im bürgerlichen Trauerspiel der Aufklärung: Hier wird der Begriff des bürgerlichen Trauerspiels definiert und die Bedeutung familiärer Werte sowie des Tugendideals theoretisch fundiert.
4. Zu Lessings Miβ Sara Sampson: Analyse der Tragödie im Hinblick auf väterliche Prinzipien, das Motiv der Verführung und die Dynamik zwischen den Figuren Sara, Mellefont und Marwood.
5. Zu Lessings Emilia Galotti: Untersuchung der Rollen von Claudia und Orsina sowie die Analyse von Emilias Emanzipationsansätzen und ihrer finalen Entscheidung zum Tod.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse über die Unvereinbarkeit von absolutem Tugendanspruch und menschlicher Realität in den untersuchten Dramen.
Aufklärung, Lessing, bürgerliches Trauerspiel, Tugendrigorismus, Emanzipation, Frauenbild, Miβ Sara Sampson, Emilia Galotti, Tugend, Moral, Verführung, Familiäre Geselligkeit, Vater-Tochter-Beziehung, Laster, Selbstopfer.
Die Arbeit untersucht, wie Gotthold Ephraim Lessing Frauenfiguren in seinen Dramen Miβ Sara Sampson und Emilia Galotti darstellt und in welches Spannungsfeld zwischen aufklärerischer Moral und dem Wunsch nach persönlicher Emanzipation sie geraten.
Zentrale Themen sind der Tugendbegriff des 18. Jahrhunderts, die Rolle der Familie als moralische Instanz, der Einfluss von Verführung durch Antagonisten sowie die Dualität von menschlicher Vernunft und triebhafter Sinnlichkeit.
Die Arbeit analysiert, inwiefern die Frauenfiguren den Sittlichkeitsauffassungen der Zeit folgen und inwiefern sie gleichzeitig versuchen, individuelle Wege zu gehen, wobei besonders die Funktion des Todes im Konflikt mit dem Tugendideal untersucht wird.
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sie primäre Textstellen der Dramen mit literaturgeschichtlichen und philosophischen Theorien der Epoche verknüpft, um das Handeln der Figuren zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über die Aufklärung und das bürgerliche Trauerspiel sowie zwei detaillierte Analysen der Dramen Miβ Sara Sampson und Emilia Galotti inklusive der Rolle der Antagonistinnen.
Wichtige Begriffe sind Tugendrigorismus, Emanzipation, bürgerliches Trauerspiel, Verführung, Moralität, familiäre Geselligkeit und das dualistische Menschenbild.
Sie fungieren als Projektionsflächen für das Laster und die Verführung. Durch ihr intrigantes Handeln zwingen sie die Protagonistinnen in Konfliktsituationen, die deren Tugendhaftigkeit auf die Probe stellen und schließlich zum tragischen Ausgang führen.
Der Tod wird als letzter Ausweg gesehen, um die eigene Unschuld und Tugendhaftigkeit zu bewahren, da die Figuren keinen Weg sehen, ihre menschlichen Triebe mit den strengen moralischen Anforderungen ihrer Zeit in Einklang zu bringen.
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