Bachelorarbeit, 2012
43 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Was ist ein Diskurs?
3. Die Gouvernementalität als Möglichkeit Regierungsrationalitäten zu untersuchen
3.1. Die Funktionalität von Macht und Wissen
3.2. Eine Genealogie der Macht – Von der Souveränitätsordnung zur Bio-Macht
3.3. Wirkung von Bio-Macht und Rassismus auf Körper und Leben
3.4. Die Gouvernementalität – Regierung der Subjekte mithilfe der Freiheit
3.5. Zusammenhang von Bio-Macht und Gouvernementalität
4. Gouvernementale Implikationen im Diskurs über den Organmangel
4.1. Modelle zur Behebung des Organmangels
4.2. Vorsorge- oder Fürsorgerationalität in den Modellen
4.3. Anrufung der Subjekte als OrganspenderInnen und deren Rationalitäten
4.3.1. Anrufungen in Zeitungsartikeln und im Internet
4.3.2. Anrufungen in der Schule
4.3.3. Anrufungen in Werbekampangen
5. Fazit - Zusammenfassung und Ausblick
6. Anhang
6.1. Abbildung 1
6.2. Abbildung 2
6.3. Abbildung 3
6.5. Abbildung 4
7. Quellenverzeichnis
7.1. Literaturverzeichnis
7.2. Internetquellen
7.3. Abbildungsverzeichnis
Die Arbeit untersucht den Diskurs über den Organmangel unter Anwendung des Konzepts der Gouvernementalität nach Michel Foucault. Ziel ist es zu analysieren, nach welchen Rationalitäten Individuen zur Organspende aufgerufen werden und wie sich Subjekte im Rahmen biopolitischer Technologien selbst oder fremd regieren.
3.1. Die Funktionalität von Macht und Wissen
Von besonderer Bedeutung für das Verständnis der Analysen Foucaults ist sein Verständnis von Macht. Foucaults Begriff der Macht weicht von dem gewöhnlichen Verständnis im Sprachgebrauch ab, in welchem Macht als etwas Negatives begriffen wird, gegen das gekämpft werden muss. Macht ist hier etwas Produktives und Allgegenwärtiges.
Foucault dagegen geht es darum zu untersuchen, wie Macht ausgeübt wird, „also was da geschieht“ (Foucault, 2005b, 251). Er benötigt für sein Verständnis von Subjekt und Gesellschaft Werkzeuge, um Macht auch außerhalb der rechtlichen und institutionellen Modelle zu untersuchen (vgl. Foucault, 2005b, 241). Unser alltägliches Verständnis von Macht im Sinne von Recht und Institutionen würde sich in Bezug auf die Organspendepraxis auf die Parteien und Gesetze beziehen, welche die Organisation der Organspende übernehmen. Ein Beispiel dafür ist die Regelung, dass die Familie im Falle eines Nicht-Vorhandenseins eines Organspendeausweises für denjenigen entscheiden soll, der Hirntod ist. Oder die Pharmakonzerne, welche durch den Geldfluss Macht besitzen, um die Organspende zu ihrem Vorteil zu organisieren. Foucault distanziert sich von einem solchen Machtbegriff als „staatliches Oben“ bzw. als Besitz an Produktionsmitteln.
Es ist die „Vielfältigkeit von Kräfteverhältnissen“ (Foucault, 1977, 93), die Pluralität der Macht, welche über staatliche Institutionen hinaus wirkt. Machtverhältnisse sind zwischen allen Subjekten, Gruppen, Institutionen, Akteuren und Objekten zu finden, da sie nicht von einer Gruppe oder Person besessen werden können. Macht findet in den Meinungen der Individuen über Organspende statt und wie sie diese untereinander vertreten. Sie findet sich in Werbekampangen, in Zeitungsartikeln, in den Familien, in öffentlichen Diskussionen des Ethikrates, von Medizinern, Juristen und allen Subjekten wieder, welche den Diskurs des Organmangels mitprägen. Sie ist ein Beziehungsgeflecht, welches von allen Punkten aus wirkt und den Objekten und Subjekten verinnerlich ist. Es existiert kein isolierter Ort, an welchem sie existiert oder nicht existiert. Macht ist omnipräsent; jede/r übt sie aus und sie ist überall. Es lassen sich Absichten und Zielsetzungen der Macht ausfindig machen, aber die Ergebnisse sind nicht Produkt eines handelnden Subjekts.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Organspende in Deutschland ein und verknüpft diese mit dem theoretischen Rahmen von Michel Foucault, um die Rationalitäten des Regierens zu untersuchen.
2. Was ist ein Diskurs?: Dieses Kapitel definiert Foucaults Verständnis von Diskurs als ein System von Wissen und Macht, das bestimmt, was zu einem historischen Zeitpunkt als wahr oder falsch gilt.
3. Die Gouvernementalität als Möglichkeit Regierungsrationalitäten zu untersuchen: Der Abschnitt erläutert zentrale Konzepte wie Bio-Macht, Wissen und Gouvernementalität, die als Analysewerkzeuge für das Verhalten und die Steuerung von Subjekten dienen.
4. Gouvernementale Implikationen im Diskurs über den Organmangel: Hier werden konkrete Modelle und Anrufungspraktiken (Medien, Kampagnen, Schule) analysiert, um aufzuzeigen, wie Individuen zur Organspende motiviert werden.
5. Fazit - Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert, wie Organspende als biopolitischer Prozess fungiert, der auf moralischer Selbstregulierung basiert.
6. Anhang: Der Anhang enthält visuelle Materialien (Abbildungen), die zur Veranschaulichung der analysierten Machttechniken und Werbekampagnen dienen.
7. Quellenverzeichnis: Dies umfasst das Literaturverzeichnis, die verwendeten Internetquellen sowie das Abbildungsverzeichnis.
Organspende, Gouvernementalität, Foucault, Biopolitik, Macht, Wissen, Diskursanalyse, Hirntod, Regierungsrationalitäten, Subjektivierung, Organspendeausweis, Bioethik, Organspende-Kampagnen, Fürsorge, Vorsorge
Die Arbeit untersucht, wie das Thema Organspende in Deutschland diskursiv gerahmt wird und welche Machtmechanismen sowie Regierungsrationalitäten dabei zur Anwendung kommen.
Die Themenfelder umfassen Foucaults Theorien zu Macht und Diskurs, die Biopolitik des menschlichen Körpers sowie die Analyse aktueller Kampagnen und Debatten zur Organspende.
Die Arbeit prüft, nach welchen Rationalitäten die Bevölkerung regiert wird und ob Subjekte durch biopolitische Technologien zur Selbstregulierung im Sinne der Organspende angehalten werden.
Es wird eine diskursanalytische Vorgehensweise gewählt, die sich auf die Konzepte von Michel Foucault stützt, um mediale Texte, politische Debatten und Werbekampagnen zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Gouvernementalität sowie die konkreten Anrufungspraktiken und Modelle, die im Diskurs über den Organmangel vorherrschend sind.
Die zentralen Begriffe sind Gouvernementalität, Bio-Macht, Biopolitik, Diskurs, Anrufung, Subjektivierung und Organspendepraxis.
Zeitungsartikel, Internetkampagnen und Informationsmaterialien dienen als konkrete Beispiele für diskursive Praktiken, die Subjekte zur Organspende anrufen und moralisch bewerten.
Der Hirntod wird als eine notwendige „Wahrheit“ der Bio-Macht identifiziert, die den Körper objektivierbar und damit für die Transplantationsmedizin verfügbar macht.
Anrufung bezeichnet hier die Techniken (Medien, Kampagnen, Slogans), die Individuen als potenzielle Organspender adressieren und sie dazu bewegen sollen, sich selbst in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen.
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