Examensarbeit, 2012
67 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung – Hinführung zur zentralen Fragestellung
II. Hauptteil
1. Gattungstheoretische Einordnung
2. Die Abschnitte in gebundener Rede
2.1 Gebete und Gesänge während des Steinsegens
2.1.1 Romananalyse
2.1.2 Formale Versanalyse
2.1.3 Funktionsanalyse
2.2 Das Marschlied
2.2.1 Romananalyse
2.2.2 Formale Versanalyse
2.2.3 Funktionsanalyse
2.3 Gesänge während und nach der Bergkirchweih
2.3.1 Romananalyse
2.3.2 Formale Versanalyse
2.3.3 Funktionsanalyse
2.4 Die Begegnung zwischen Landarzt und Agathe
2.4.1 Romananalyse
2.4.2 Formale Versanalyse
2.4.3 Funktionsanalyse
2.5 Mutter Gissons Tod
2.5.1 Romananalyse
2.5.2 Formale Versanalyse
2.5.3 Funktionsanalyse
3. Funktionen der gebundenen Rede
3.1 Akzentuierung zentraler Textstellen
3.2 Charakterisierung der Figuren und Denkmodelle
3.3 Die lyrische Form und das metaphysische Konzept Brochs
III. Fazit
IV. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der in Hermann Brochs Roman Die Verzauberung eingebetteten lyrischen Abschnitte. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern diese Verse über ihre rein formale Gestaltung hinaus dazu beitragen, das komplexe, metaphysische Weltkonzept des Autors zu vermitteln und die Figurenkonstellation sowie die Erzählhaltung kritisch zu reflektieren.
2.1.2 Formale Versanalyse
Die erste Verseinlage des Kapitels ist die Begrüßungsstrophe, mit der Irmgard als Bergbraut den Pfarrer willkommen heißt:
I.
Gelobt sei Jesus Christ
Was im Berg gefangen ist
Durch ihn befreit werden solle
Vertrieben Satan und Unholde
Alles Böse weiche von dannen
In Jesu und Marien Namen.
Äußerlich auffällig an der Verseinlage ist zunächst die Abwesenheit von Satzzeichen, ein Merkmal, das in unregelmäßiger Weise auch bei anderen Verseinlagen auftritt. Nach Burdorf ist das Fehlen von Satzzeichen ein Indiz dafür, dass ein „Text [...] als Sprechvorlage, als eine Partitur, konzipiert“ ist. Innerhalb der drei Möglichkeiten der Umsetzung von gebundener Sprache – still gelesen, laut rezitiert oder gesungen – stellt diese Darstellungsform also eine Schwerpunktsetzung zur auditiven Umsetzung dar. Da der Gesamtroman jedoch offensichtlich nicht auf die Form der auditiven Umsetzung hin angelegt ist (dagegen spricht schon die bloße Länge sowie die an anderen Stellen übliche Interpunktion) handelt es sich offenbar um eine Besonderheit, die auf die Rezeptionswirkung abzielt. Die Assoziation des Lesers verursacht in dessen Vorstellung den Eindruck von vorgetragenen Versen, der natürlich fiktiv bleibt. Dieser in seinen Folgewirkungen phantasieanregende Formaspekt verringert die Distanz zwischen Leser und Text, da jene subjektive sprachliche Ausdeutung des Lesers an dieser Stelle miteinbezieht.
I. Einleitung – Hinführung zur zentralen Fragestellung: Das Kapitel erläutert die Rezeptionsgeschichte von Brochs Die Verzauberung und stellt die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung von Versen als Grenzerscheinungen zwischen Epik und Lyrik heraus.
1. Gattungstheoretische Einordnung: Hier werden die methodischen Grundlagen für die Analyse der im Roman vorkommenden gebundenen Rede im Kontext der Gattungslehre definiert.
2. Die Abschnitte in gebundener Rede: Dieser Hauptteil gliedert sich in fünf thematische Gruppen von Verseinlagen, die jeweils einer Romananalyse, einer formalen Versanalyse und einer Funktionsanalyse unterzogen werden.
3. Funktionen der gebundenen Rede: Dieses Kapitel fasst die in den Detailanalysen gewonnenen Erkenntnisse werkübergreifend zusammen und leitet zentrale Funktionen für das Gesamtkonzept des Romans ab.
III. Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Arbeit und nimmt eine kritische Einordnung der Ergebnisse im Hinblick auf bisherige Forschungsmeinungen vor.
IV. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Primär- und Sekundärliteratur.
Hermann Broch, Die Verzauberung, gebundene Rede, Lyrik im Roman, Metaphysik, Erzählstruktur, Romananalyse, Versanalyse, Moderne Literatur, Weltkonzept, Mythos, Logos, Sprachkritik, Gattungstheorie, Rezeptionsästhetik.
Die Arbeit untersucht die Funktion der eingestreuten lyrischen Passagen in Hermann Brochs Roman "Die Verzauberung" und deren Beitrag zum Verständnis des gesamten literarischen Werkes.
Zentral sind die Gattungsgrenzen zwischen Epik und Lyrik, das metaphysische Weltbild des Autors und die rhetorische Gestaltung der Verse im Roman.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Verse durch ihre besondere Form dazu dienen, das metaphysische Konzept des Romans zu stützen und die Erzählhaltung gegenüber den Figuren zu charakterisieren.
Es wird ein werkimmanenter Ansatz gewählt, der Romananalyse, formale Verslehre und Funktionsbestimmungen miteinander kombiniert.
Der Hauptteil analysiert systematisch fünf Gruppen von Verseinlagen, wobei jede Gruppe nach Inhalt, formalem Aufbau (Metrum, Reim) und ihrer erzähltechnischen Funktion untersucht wird.
Wichtige Begriffe sind Hermann Broch, Metaphysik, Lyrik im Roman, Romananalyse und Sprachstruktur.
Die Arbeit legt dar, dass die lyrischen Formen genutzt werden, um eine transzendente Ebene zu evozieren, die mit der rein rationalen Sprache der Prosa allein nur schwer darstellbar wäre.
Der Landarzt fungiert als eine erzählende Instanz, deren eigene Urteilsfähigkeit durch die lyrischen Einlagen und die Reflexion über diese in ein kritisches Licht gerückt wird.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Verse ein differenziertes Hintergrundwissen erfordern, um ihre volle Bedeutung und ihre Stützung des Gesamtdenkmodells entfalten zu können.
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