Bachelorarbeit, 2012
52 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Spinoza Exzerpte
2.1 Aufbau der Skripten
2.2 Büchners Übersetzung und Kommentierung des ersten Buches der Ethik Spinozas
3 Dantons Tod
3.1 Die Philosophieszene
3.2 Tugend und Glückseligkeit
3.2.1 Betrachtung der Exzerpte Tennemanns
3.2.1.1 Die Philosophie Epikurs
3.2.1.2 Die Philosophie der Stoiker
3.2.2 Tugend und Glückseligkeit im „Danton“
3.2.2.1 Die Lehre Epikurs in Verbindung mit den Dantonisten
3.2.2.2 Der „Tugendhafte“ Robespierre
3.3 Die Bedeutung der Philosophie im Gesamtwerk
4 Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht Georg Büchners philosophische Ansichten, insbesondere seine Auseinandersetzung mit Baruch de Spinozas Ethik, und deren Transfer auf sein Drama „Dantons Tod“. Dabei wird hinterfragt, inwieweit Büchner als Philosoph zu verstehen ist und welche Funktion die Philosophie, auch unter Einbeziehung von Immanuel Kant, für die Interpretation seines literarischen Werkes einnimmt.
3.1 Die Philosophieszene
Innerhalb des vieraktigen Dramas wird der für die vorliegende Arbeit zentralen ‚Philosophieszene’ häufig wenig Bedeutung für die Gesamtinterpretation des Werkes zugestanden. Osawa spricht in diesem Zusammenhang von „einem kurzen Ausflug in die Philosophie“ und auch Glebke hält ein „Philosophieren über Gott und die Welt“ als Intention der ersten Szene im dritten Akt fest. Vermutlich ebenso im Sinne dieser geringen Wertschätzung wird sie in der derzeitigen Theateraufführung am Berliner Ensemble als fragmentarische Einzelepisode vollkommen missachtet. Die Szene spielt im Pariser Palais du Luxembourg, welches während der ‚Terreur’ als Gefängnis dient. Angeregt durch den an seinem Atheismus zweifelnden Chaumette will Payne den Mitgefangenen katechisieren.
Dieser Thomas Payne verweist auf den politischen Schriftsteller Thomas Paine (1737 – 1809). Mit seinem Werk The Common Sense (1776) und zahlreichen Artikeln über The American Crisis setzte er sich für die amerikanische Unabhängigkeit ein. Nachdem er in The Rights of Man (1791/1792) die Ideen der französischen Revolution verteidigt, erhält er im selben Jahr die französische Staatsbürgerschaft und wird als Anhänger der Girondisten in den Nationalkonvent gewählt. Da er sich gegen die Exekution Ludwig XVI ausspricht, wird er schließlich am 28.Dezember festgenommen. Erst im November 1794 wird er auf Initiative der amerikanischen Regierung freigelassen und erneut in den Konvent berufen.
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die ambivalente Deutungsgeschichte Georg Büchners zwischen Sozialrevolutionär und Philosoph und formuliert das Ziel der Arbeit, einen parteilich unabhängigen Blick auf seine Philosophie zu werfen.
2 Spinoza Exzerpte: Das Kapitel analysiert Büchners umfangreiche Studien zu Spinoza und Descartes, wobei der Schwerpunkt auf seiner methodischen Kritik an der „Ethik“ und deren Bedeutung für sein Denken liegt.
3 Dantons Tod: Hier wird der philosophische Kontext des Dramas untersucht, insbesondere die „Philosophieszene“ und die dialektische Gegenüberstellung von Tugend und Glückseligkeit.
4 Schlussbemerkungen: Das Fazit resümiert, dass Büchner nicht auf einseitige atheistische oder materialistische Schubladen zu reduzieren ist und betont die Bedeutung einer transzendentalen Kraft im Werk.
Georg Büchner, Dantons Tod, Spinoza, Ethik, Philosophie, Tugend, Glückseligkeit, Epikur, Stoa, Immanuel Kant, Materialismus, Atheismus, Aufklärung, Revolutionsdrama, Substanzbegriff.
Die Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen im Denken Georg Büchners und deren Anwendung auf sein Drama „Dantons Tod“.
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit Spinozas Philosophie, der Gegensatz von Tugend und Glückseligkeit sowie die Rolle der Moral im revolutionären Kontext.
Das Ziel ist es, eine neue Sicht auf Büchner als eigenständigen Denker zu gewinnen, der sich nicht in die gängigen Schubladen wie „Materialist“ oder „Atheist“ pressen lässt.
Die Arbeit basiert auf einer philosophiehistorischen Analyse der Büchnerschen Skripten und einer textnahen Interpretation des Dramas unter Einbeziehung philosophischer Primär- und Sekundärliteratur.
Der Hauptteil analysiert Büchners Exzerpte zu Spinoza, die „Philosophieszene“ im dritten Akt des Dramas sowie die Auswirkungen epikuräischer und stoischer Lehren auf die Dantonisten.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Büchners Spinoza-Rezeption, der Tugendbegriff bei Kant und die Dialektik von Glückseligkeit und moralischem Handeln.
Kant dient als wichtiger, wenn auch oft vernachlässigter Hintergrund, um die moralische Argumentation und das „argumentum ethonomicum“ (moralischer Gottesbeweis) im Drama besser zu verstehen.
Sie gilt als inhaltlicher Ankerpunkt, in dem zentrale philosophische Debatten des Dramas kondensiert auftreten, was der Einschätzung als bloßer „Ausflug“ widerspricht.
Danton wird als Epikureer dargestellt, der das Leben in seiner Sinnenhaftigkeit sucht, während Robespierre als (gescheiterter) Stoiker fungiert, der seine Herrschaft mit einem starren Tugendbegriff legitimieren will.
Die Liebe wird als notwendig erachtet, um das Individuum vor dem absoluten Nihilismus und dem „Chaos“ der Welt zu retten, wobei sie eine transzendentale Rettungsmöglichkeit im Drama eröffnet.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

