Bachelorarbeit, 2012
51 Seiten, Note: 1,3/1,7
1 Einleitung
2 Begriffserläuterungen
2.1 Was ist ehrbezogene Gewalt?
2.1.1 Der Ehrbegriff im „türkischen“ Verständnis
2.1.2 Der Ehrbegriff im „deutschen“ Verständnis
2.2 Die türkisch patriarchalische Diaspora in Deutschland
3 Funktionen und Organisationsstrukturen patriarchalischer Familien
3.1 Die Erziehung der immigrierten Generation und das Festhalten an Werten und Normen in der Aufnahmegesellschaft
3.2 Innere Konflikte der jüngsten Generation
4 Kernerklärungsansätze für delinquentes Verhalten in Form von ehrbezogener Gewalt
4.1 Psychologische und sozialpsychologische Kriminalitätstheorien
4.2 Soziologisch orientierte Kriminalitätstheorien
5 Netzwerkarbeit - themenbezogener Umgang der sozialen Arbeit
5. 1 Was kann die soziale Arbeit mit dieser Erkenntnis verbessern?
5.2 Checkliste Handlungsoptionen
5.3 Kurzcheckliste
6 Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die ehrbezogene Gewalt innerhalb der türkisch patriarchalischen Diaspora in Deutschland und analysiert die Notwendigkeit einer verbesserten institutionellen Netzwerkarbeit, um dieser Gewalt präventiv und intervenierend zu begegnen.
3.1 Die Erziehung der immigrierten Generation und das Festhalten an Werten und Normen in der Aufnahmegesellschaft
In Familien mit patriarchalischen Strukturen ist das wichtigste Erziehungsziel die konsequente An- und Einpassung eines Kindes an bzw. in das Autoritätsgefüge. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, die Kinder zum Gehorsam zu erziehen. So sind die Reaktion auf Befehl und Anweisung sowie Respekt und Achtung vor dem Ranghöherem das zentrale Erziehungsziel. Kizilhan beschreibt Achtung als „in ihrer Äußerung an die Einhaltung bestimmter formalisierter Verhaltensweisen - insbesondere dem Vater gegenüber - gebunden, wie z.B. den Älteren nicht zu widersprechen.“ Er stellt außerdem klar, dass die Nichteinhaltung dieser Verhaltensweisen als Missachtung seitens des jeweiligen Kindes sowie die fehlende Autorität des Vaters, der ein solches Verhalten duldet, interpretiert wird (Kizilhan 2006, 34).
Der Vater ist im System der Haushaltsvorstand und hat die zentrale Aufgabe das Verhalten der Familienangehörigen in ihren jeweiligen Rollen zu kontrollieren und seine Kinder bei inakzeptablem Verhalten zu sanktionieren bzw. zu maßregeln. Heute gewinnt jedoch die Tatsache der Entwertung der Väter in zahlreichen patriarchalischen Migrantenfamilien, und der damit verbundene Achtungsverlust von Söhnen gegenüber ihren Vätern an großer Bedeutung.
Auch wenn der Vater aus unterschiedlichen Gründen nicht anwesend ist, obliegen seine Aufgabe dem jeweiligen ältesten Familienmitglied, insbesondere den männlichen. Kizilhan weiß, dass in Ausnahmefällen auch andere Söhne oder Frauen unter Umgehung der traditionellen Rangfolge auf Grund von Talent und Persönlichkeit den Haushaltsvorstand übernehmen können (Kilzihan 2006, 34).
1 Einleitung: Die Einleitung legt den Gegenstand der Arbeit dar und begründet das Interesse an der institutionellen Netzwerkarbeit zur Bekämpfung ehrbezogener Gewalt.
2 Begriffserläuterungen: In diesem Kapitel werden die zentralen Begriffe, wie ehrbezogene Gewalt sowie der Ehrbegriff in türkischer und deutscher Ausprägung, definiert.
3 Funktionen und Organisationsstrukturen patriarchalischer Familien: Dieses Kapitel befasst sich mit der Erziehung in patriarchalischen Migrantenfamilien und den daraus resultierenden inneren Konflikten der jüngeren Generation.
4 Kernerklärungsansätze für delinquentes Verhalten in Form von ehrbezogener Gewalt: Hier werden psychologische, sozialpsychologische und soziologische Kriminalitätstheorien herangezogen, um das Phänomen der ehrbezogenen Gewalt zu erklären.
5 Netzwerkarbeit - themenbezogener Umgang der sozialen Arbeit: Das Kapitel diskutiert, wie die soziale Arbeit durch gezielte Netzwerkarbeit und Handlungsoptionen zur Prävention und Intervention beitragen kann.
6 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Bedeutung einer strukturierten Netzwerkarbeit für die soziale Praxis.
Ehrbezogene Gewalt, Ehrenmord, Patriarchat, türkische Diaspora, Netzwerkarbeit, Soziale Arbeit, Erziehung, Migration, Integrationsprobleme, Kriminalitätstheorien, Identitätskonflikte, Prävention, Handlungsoptionen, Diskriminierung, Familienehre.
Die Arbeit behandelt die ehrbezogene Gewalt in der türkisch patriarchalischen Diaspora in Deutschland und die Rolle der sozialen Arbeit dabei.
Die zentralen Felder sind patriarchale Familienstrukturen, das Verständnis von Ehre, Integrationsprozesse von Migranten sowie kriminologische Erklärungsansätze für ehrbezogene Gewalt.
Das primäre Ziel ist es, Handlungsempfehlungen für Sozialarbeiter und andere Fachkräfte zu entwickeln, um durch verbesserte institutionelle Netzwerkarbeit ehrbezogener Gewalt vorzubeugen.
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche, die Einbindung theoretischer Kriminalitätsansätze sowie die Reflexion eigener Praxiserfahrungen.
Im Hauptteil werden Begriffsdefinitionen, patriarchale Erziehungsziele, soziologische und psychologische Erklärungsmodelle sowie konkrete Ansätze für die Netzwerkarbeit in der sozialen Praxis detailliert analysiert.
Schlüsselwörter sind unter anderem ehrbezogene Gewalt, Ehrenmord, Netzwerkarbeit, Soziale Arbeit, patriarchale Strukturen und Migrationsgeschichte.
Während der Ehrbegriff im türkischen Verständnis stark mit der sexuellen Reinheit der Frau und dem Ruf der Familie verbunden ist, wird Ehre im deutschen Verständnis stärker an individuelle Achtungswürdigkeit und das Gemeinwohl geknüpft.
Da betroffene Personen oft komplexe Gefahrensituationen durchleben, ist eine systemübergreifende Kommunikation und Kooperation verschiedener Institutionen (wie Polizei, Jugendamt und Beratungsstellen) essenziell, um effektiv helfen zu können.
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