Magisterarbeit, 1994
59 Seiten, Note: 1,7
0. Einleitung
1. Methodische Vorüberlegungen
1.1 Beschreibungsebenen
1.2 Begriffsklärung: 'Genre'
1.3 Rezeptionsgeschichte der Italo-Western: Nichtbeachtung, Ausgrenzung, Provinzialismus
1.4 Auswahl der Filme
2. Fabula
2.1 Die konzeptuelle Struktur
2.1.1 Die oppositionale Wertstruktur des Western - der Italo-Western als Anti-Western
2.1.1.1 'inside society'/'outside society' im Italo-Western
2.1.1.2 'wilderness'/'civilization' im Italo-Western
2.1.1.3 'strong'/'weak' im Italo-Western
2.1.1.4 'good'/'bad' im Italo-Western
2.2 Die Plot-Struktur
2.2.1 Wrights Analyse des amerikanischen Western: Methode
2.2.1.1 Die Subgenres des amerikanischen Western nach Wright
2.2.2 Das Problem der Integration des Italo-Western in das Wrightsche Schema
2.2.2.1 Fraylings 'Italian Plot': methodische Unsauberkeit
2.2.3 Der Italo-Plot: 'Ein Diener zweier Herren' als Tiefenstruktur
2.2.3.1 Die dramatis personae des Italo-Western
2.2.3.2 Der Italo-Western: ein Funktionenmodell
2.2.3.3 Erläuterungen und Illustrationen zu den einzelnen Funktionen
2.2.3.4 Abweichungen vom 'Italo-Plot'
2.2.3.5 Zwei Beispiele
3. Story
3.1 Die Zeitstruktur der Italo-Western
3.2 Die Raumstruktur der Italo-Western
3.3 Das Setting der Italo-Western
3.4 Die Figurenkonzeption der Italo-Western
3.4.1 Der Bösewicht
3.4.2 Der Held
3.4.2.1 Seine Moral
3.4.2.2 Sein Aussehen
3.4.2.3 Sein Innenleben
3.4.2.4 Die Sympathielenkung
3.4.2.5 Seine Wurzeln
4. Text: die erzählerische Vermittlung
4.1 Thematische Besonderheiten
4.1.1 Brutalität als Gütesiegel
4.1.2 Neuentdeckte Körperlichkeit: Homophobie und Vulgarität
4.1.3 Blasphemie
4.2 Mediumspezifische Techniken
4.2.1 Detailaufnahmen
4.2.2 Subjektive Kamera
4.2.3 Montage
4.2.4 Soundtrack
5. Schlussbemerkung
Diese Arbeit untersucht die genrespezifischen narrativen Aspekte des Italo-Western, um zu belegen, dass diese Filme den traditionellen Westernmythos revolutionär umgewälzt haben. Ziel ist es, die strukturellen und stilistischen Eigenheiten des Genres systematisch zu erfassen und aufzuzeigen, wie sie sich von den klassischen amerikanischen Vorbildern abheben und eine eigene filmische Sprache etablieren.
3.4.2.2 Sein Aussehen
Joe (der Held aus Handvoll) trägt neben den üblichen Accessoires des Westerners einen mexikanischen Poncho, was seine programmatische Außenseiterposition symbolisiert: durch seine Kleidung verweigert er die Festlegung auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe im Grenzgebiet. Django und Keoma aus den gleichnamigen Filmen tragen lange Haare, die sie als Außenseiter kenntlich machen. Obwohl Bädekerl behauptet, dass "das Aussehen des Helden kaum als Hommage an eine jugendliche Protestbewegung zu werten ist" (600), fällt doch auf, dass die drei oben genannten Helden für die sechziger Jahre hochmodisch ausgestattet sind. Ebenso ist es sicher das Verdienst der Italo-Western, den Dreitagebart als 'cool' salonfähig gemacht zu haben.
Sowohl diese als auch die meisten anderen Helden fallen durch ihre zum Teil extreme Schmuddeligkeit auf. Wenn sie staubbedeckt und dreckverkrustet aus der Wüste auftauchen, ist dies noch als normale Begleiterscheinung eines langen Rittes gerechtfertigt. Jedoch selbst, wenn sie die Möglichkeit haben, sich zu waschen, nutzen sie sie kaum. Django steigt zwar in einem Hotel ab, sein Äußeres ändert sich aber den ganzen Film hindurch nicht. Joe steigt morgens gar komplett angezogen aus dem Bett. Auf des Wirtes Naserümpfen antwortet er nur: "Don't worry, this way I didn't dirty the sheets", was fürchterliche Ahnungen wachruft, was wohl unter seiner Kleidung verborgen sein mag. Halunken erklärt diese Scheu vor dem Bad: kaum sitzt Tuco in der Badewanne, wird er auch schon von einem Killer angegriffen. Dass die Figuren des Italo-Western als "inkarnierte Perversion jenes strahlenden, immer adrett gekleideten...amerikanischen Westerners" (Mengershausen 20) auftreten, ist also in einer Welt, in der überall Gefahren lauern, als Realismus zu deuten.
0. Einleitung: Die Arbeit führt in die Definition des Italo-Western als 'Trivial'-Kino ein und postuliert dessen revolutionäre Umwälzung der Western-Kinogeschichte.
1. Methodische Vorüberlegungen: Einführung des Schichtenmodells nach Bal zur strukturierten Analyse und Klärung des Genre-Begriffs unter konstruktivistischer Perspektive.
2. Fabula: Untersuchung der konzeptuellen und Plot-Strukturen, wobei der Italo-Western als Anti-Western identifiziert und ein eigenes Funktionenmodell entwickelt wird.
3. Story: Analyse der Zeit- und Raumstruktur sowie der Figurenkonzeption, insbesondere der Typologie von Held und Bösewicht.
4. Text: die erzählerische Vermittlung: Beleuchtung der thematischen Besonderheiten und medien-spezifischen Techniken, wie Detailaufnahmen, Montage und musikalischer Soundtrack.
5. Schlussbemerkung: Resümee über die Ergebnisse der Untersuchung, die den Italo-Western als Genre der bewussten Provokation und formalen Neuerung definiert.
Italo-Western, Westernmythos, Plotstruktur, Filmanalyse, Sergio Leone, Sergio Corbucci, narrative Struktur, Heldenkonzeption, Filmtheorie, Genrestudien, Schichtenmodell, Cinematografie, Ennio Morricone, Anti-Western, Genre.
Die Publikation analysiert die formalen und narrativen Merkmale des Italo-Western und ordnet ihn als eine revolutionäre Abkehr vom klassischen amerikanischen Western ein.
Die Schwerpunkte liegen auf der Wertstruktur, der Plot-Entwicklung, der Figurenzeichnung sowie der filmsprachlichen Gestaltung (Kamera, Schnitt, Musik).
Das Ziel ist es, durch einen systematischen Analyseapparat nachzuweisen, dass Italo-Western ein kohärentes Subgenre mit eigenständigen 'Spielregeln' bilden.
Die Arbeit nutzt ein narratologisches Schichtenmodell nach Mieke Bal, um die Erzählebenen Fabula, Story und Text voneinander zu trennen und systematisch zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der abstrakten Fabula-Ebenen (oppositionale Wertstrukturen, Plot-Modelle) und die konkrete Story-Ebene (Figurenkonzeption) sowie die filmtextliche Vermittlung.
Wesentliche Begriffe sind Italo-Western, narrative Struktur, Plot-Analyse, Filmästhetik und die Auseinandersetzung mit dem traditionellen Westernmythos.
Der Held im Italo-Western zeichnet sich durch moralische Ambiguität, Schmuddeligkeit und den Status eines skrupellosen Killers aus, anstatt als strahlender Moralapostel zu fungieren.
Diese Konstellation wird als grundlegendes Merkmal des Italo-Plots angesehen, da sie die bipolare Gut-Böse-Struktur des klassischen Westerns aufbricht und komplexe, oft opportunistische Interessenkonflikte ermöglicht.
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