Bachelorarbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1
1. Einführung
2.1 Der Titel ‚Traumnovelle‘
2.2 Erzähltechnik
3. Albertines Traum und Fridolins Erlebnisse
4. Das sechste Kapitel
5. Ein glückliches Ende?
6.1 Vor- oder Nachkriegswerk?
6.2 Der zweite Tag als Bild der Neuen Republik
Die vorliegende Arbeit untersucht Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ unter einem bisher weniger beachteten Fokus: Statt die erotischen Triebmotive in den Vordergrund zu stellen, analysiert der Autor die Novelle als ein Werk, das primär ethische und humanistische Fragestellungen sowie gesellschaftskritische Kommentare zur untergehenden Donaumonarchie und zur entstehenden Ersten Republik Österreich thematisiert.
2.1 Der Titel ‚Traumnovelle‘
Der Titel Traumnovelle gibt unmittelbare Assoziationen zu Sigmund Freuds Traumdeutung und dessen Fokussierung auf einen erotischen Inhalt der Träume. Die Geschichte beinhaltet aber nur einen Traum, und die Frage liegt nahe, warum Schnitzler in dieser Weise den einzigen vorkommenden Traum hervorhebt. Weiter weist die Geschichte unmittelbar die Merkmale einer Novelle auf, und auch hier könnte man sich fragen, warum es Schnitzler so wichtig war, die Gattung im Titel zu erwähnen. Schnitzlers Tagesbuchaufzeichnungen zufolge ist er spätestens 1907 mit dieser erst 1925/26 erschienenen Novelle angefangen. Zunächst war der Arbeitstitel „Doppelgeschichte“, dann „Doppelnovelle“ und erst 1924 bekam die Novelle den Titel „Traumnovelle“. Schnitzler hat also erst “Doppel” durch “Traum” ersetzt, nachdem er 1922 seine Gespräche mit Sigmund Freud angefangen hat. Warum hat Schnitzler den Arbeitstitel so spät geändert?
Um den Titel zu erklären, schlägt Krotkoff vor, dass Schnitzler, der eine gewisse Skepsis der Psychoanalyse gegenüber hegte, vielleicht durch die im Titel explizit erwähnte Novellengattung davor warnen wollte, den Text als einen freudianischen Fall zu lesen. Es gehe in der Novelle um keine Wiedergabe eines realen Traums, sondern um einen literarisch konstruierten Traum, und er müsse als solcher analysiert werden. Man muss sich also bewusst machen, ob man Albertines Traum als literarisches Produkt oder als wirklichen Traum analysiert.
1. Einführung: Der Autor stellt die These auf, dass die „Traumnovelle“ stärker von ethischen und humanistischen Motiven als von bloßer Erotik geprägt ist.
2.1 Der Titel ‚Traumnovelle‘: Die Analyse der Titeländerung legt nahe, dass Schnitzler eine rein psychoanalytische Deutung durch Freud vermeiden wollte.
2.2 Erzähltechnik: Durch den Verzicht auf einen allwissenden Erzähler und die gezielte Wahl von Wirkmitteln wie erlebter Rede bleibt Fridolin als Figur ambivalent und interpretationsbedürftig.
3. Albertines Traum und Fridolins Erlebnisse: Der Traum wird als literarische Konstruktion begriffen, in der religiöse und ethische Motive (Sünde, Sühne, Kreuzigung) das Handeln des Protagonisten bestimmen.
4. Das sechste Kapitel: Fridolins vermeintliches Rachewerk am zweiten Tag erweist sich bei näherer Betrachtung eher als Sühneversuch und ethische Auseinandersetzung.
5. Ein glückliches Ende?: Die verschiedenen Interpretationsansätze zum Schluss der Novelle verdeutlichen die Instabilität der wiederhergestellten Ehe und die Unklarheit über die Zukunft.
6.1 Vor- oder Nachkriegswerk?: Die Einordnung der Novelle als Vor- oder Nachkriegswerk ist zweitrangig, da sie über den Krieg hinaus zeitlose Probleme der Wiener Gesellschaft behandelt.
6.2 Der zweite Tag als Bild der Neuen Republik: Schnitzlers kritische Haltung gegenüber der Ersten Republik spiegelt sich in Fridolins Entfremdung von seinem Heim wider.
Traumnovelle, Arthur Schnitzler, Ethik, Humanismus, Psychoanalyse, Donaumonarchie, Erste Republik, Erzähltechnik, Sühne, Schuld, Gesellschaftskritik, Identität, Interpretation, Symbolik.
Die Arbeit untersucht Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ unter einem ethisch-humanistischen Blickwinkel und hinterfragt, inwieweit nicht-erotische Motive das Werk und die Handlungen des Protagonisten prägen.
Zu den zentralen Themen gehören das Spannungsfeld zwischen Ethik und Trieb, die gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit der Donaumonarchie sowie die Identitätssuche des Einzelnen in einem politischen Umbruch.
Das Ziel ist es, die einseitige Fokussierung der Forschung auf die erotischen Aspekte zu erweitern und die Novelle als Kommentar zu ethischen Werten und zur gesellschaftlichen Realität Österreichs zu deuten.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die erzähltechnische Mittel untersucht und intertextuelle Bezüge sowie zeitgenössische literaturwissenschaftliche Positionen kritisch einbezieht.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Titelgebung, der Erzähltechnik, der Bedeutung des Traums, der Deutung von Fridolins Erlebnissen am zweiten Tag und der kritischen Würdigung des Schlusskapitels.
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Traumnovelle, Ethik, Humanismus, Gesellschaftskritik, Psychoanalyse und Identität charakterisieren.
Während klassische Ansätze den Traum primär freudianisch-erotisch lesen, betont diese Arbeit den literarisch konstruierten Charakter des Traums, der gezielt religiöse und ethische Symbole nutzt.
Der Autor argumentiert, dass die Erlebnisse Fridolins vor dem Traum als Kommentar zum dekadenten System der Donaumonarchie zu verstehen sind, während die Erlebnisse nach dem Traum die Neue Republik widerspiegeln.
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