Bachelorarbeit, 2012
49 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
2. Das KZ-System Mittelbau
2.1 Die Herausbildung der Außenlager
2.2 Die Bedingungen in den Außenlagern
3. Das Außenlager Rottleberode
3.1 Gründung im Kontext der Untertageverlagerung
3.2 Die Lebensbedingungen der Häftlinge
3.2.1 Organisation und Auswirkungen auf die Lebenswelt
3.2.1.1 Unterkunft und Ernährung
3.2.1.2 Medizinische Versorgung
3.2.2 Verschlechterung der Bedingungen durch Abschiebepraxis - das Nebenlager Stempeda
3.3 Beziehungen zum Stammlager
3.3.1 Häftlingstransporte
3.3.2 Handlungsräume der SS- Lagerführung
4. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Strukturen des Außenlagers Rottleberode innerhalb des KZ-Systems Mittelbau-Dora und analysiert, inwieweit das Außenlager eigenständige Entwicklungen aufwies oder vollständig vom Stammlager abhängig war. Dabei stehen insbesondere die Arbeits- und Lebensbedingungen der Häftlinge sowie die Einflussnahme der SS und der Rüstungsindustrie im Mittelpunkt.
3.2.1.1 Unterkunft und Ernährung
Ein wichtiger Einflussfaktor auf die Lebenswelt der Häftlinge in Rottleberode stellt ihre Unterbringung dar, denn diese hatte schon aufgrund ihrer Beschaffenheit Auswirkungen auf die Bedingungen im Außenlager. Die Unterbringung der Häftlinge geschah nicht, wie bei diesen Bauprojekten üblich, in Baracken neben der Baustelle, sondern fand in einem massiven, dreistöckigen Gebäude der Porzellanfabrik Schuck statt, welches von der Produktionsstätte ca. 3 km entfernt war. Das Gebäude wurde von der Firma Junkers angemietet, was gemäß der Arbeitsteilung der SS und der Wirtschaftsbetrieben bei der Errichtung von Außenlagern zur Zwangsarbeit vorgesehen war. Dies macht deutlich, dass im Fall Rottleberode der Konzern Junkers für die Form der Unterbringung der Häftlinge verantwortlich war und demzufolge auch Einfluss auf die Existenzbedingungen im Außenlager hatte. Allein die Unterbringung in einem massiven Bau bot bessere Bedingungen für die Häftlinge, im Gegensatz zu der Feuchtigkeit und Kälte in einfachen Holzbaracken. Allerdings hatten die von Junkers angemieteten Räume kaum Verbesserungen im Vergleich zu Unterkünften in anderen Lagern. Carre gibt an, dass sich im Erdgeschoss zwar Gemeinschaftsräume wie Magazin, Wasserstelle und Waschräume mit Duschen befanden, diese allerdings unbeheizt und im Winter eiskalt waren.
Wolfgang Sofsky charakterisiert die Unterbringung im Konzentrationslager als Zerlegung der Häftlingsgesellschaft in Segmente, als einen Ort der sozialen Kontrolle, sowie der sozialen Ungleichheit. Diese Funktion der Differenzierung hatte auch die Unterbringung in Rottleberode. Im ersten Stockwerk wurden die Bauhäftlinge des Kommandos Stempeda untergebracht, dort gab es Etagenbetten in denen je 3-4 Häftlinge schliefen, insgesamt waren etwa 200-250 Bauhäftlinge dort untergebracht. In der zweiten Etage wurden die Produktionshäftlinge des Thyrawerks untergebracht. Dort gab es allerdings bessere Betten und insgesamt auch mehr Platz für die Gefangenen. Die räumliche Trennung der verschiedenen Häftlingskategorien und die geringfügigen Unterschiede in der Qualität der Unterbringung weisen auf den unterschiedlichen Wert der Häftlingsgruppen für die Lagerführung hin. Obwohl die Unterbringung der Häftlinge den Bedingungen im Stammlager gleicht, entzieht sie sich doch jeder Einflussnahme durch die Verwaltung. Vielmehr wirkt hier die soziale Kontrolle innerhalb des Lagers, die durch Funktionshäftlinge bestimmt ist und daher ein Merkmal der Selbstverwaltung darstellt.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Forschungsvorhaben, das Außenlager Rottleberode im Kontext des KZ-Systems Mittelbau-Dora als potenziell selbstständigen Mikrokosmos zu untersuchen.
2. Das KZ-System Mittelbau: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des KZ Mittelbau als Rüstungszentrum und die Rolle der Außenlager im Rahmen der Untertageverlagerung.
3. Das Außenlager Rottleberode: Dieser Teil bildet das Herzstück der Arbeit und analysiert detailliert die Gründung, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Häftlinge, die Rolle der SS sowie die Vernetzung mit dem Stammlager.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert die Ergebnisse und beurteilt den Grad der Verselbständigung des Außenlagers Rottleberode als eine "Abkehr von der Zentralisierung" bei gleichzeitiger Abhängigkeit vom Stammlager.
Außenlager Rottleberode, KZ Mittelbau-Dora, Zwangsarbeit, Untertageverlagerung, Thyrawerk, Junkers-Konzern, Häftlingsalltag, SS-Lagerführung, Funktionshäftlinge, Stempeda, Verselbständigung, Nationalsozialismus, Lagergesellschaft, Konzentrationslager, Terrorherrschaft
Die Arbeit analysiert die spezifischen Strukturen des KZ-Außenlagers Rottleberode, das während des Zweiten Weltkriegs für die Rüstungsindustrie (Junkers-Werke) errichtet wurde, und prüft, inwiefern dieses Außenlager eine eigenständige Dynamik innerhalb des KZ-Systems entwickelte.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Entstehungsgeschichte des Lagers, die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Häftlinge, die Rolle der SS-Lagerführung sowie die Interdependenzen zwischen Außenlager, Stammlager und der Rüstungsindustrie.
Die zentrale Fragestellung zielt darauf ab, zu bestimmen, inwiefern das Außenlager Rottleberode über selbstständige Strukturen verfügte oder ob es sich lediglich um ein unselbstständiges Glied im KZ-System handelte.
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse von Primär- und Sekundärquellen, darunter Archivdokumente der Dokumentationsstelle Mittelbau-Dora sowie Erinnerungsberichte und Zeugenaussagen ehemaliger Häftlinge und Täter.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Kontextualisierung des KZ-Systems Mittelbau sowie eine detaillierte Untersuchung des Außenlagers Rottleberode, wobei Themen wie Unterkunft, medizinische Versorgung, Gewaltstrukturen und das Verhältnis zum Nebenlager Stempeda vertieft werden.
Zu den zentralen Begriffen zählen Außenlager, Zwangsarbeit, Untertageverlagerung, Rottleberode, Mittelbau-Dora, Selbstverwaltung und Verselbständigung.
Der Junkers-Konzern war maßgeblich für die Ansiedlung des Außenlagers verantwortlich, um die Produktion von Flugzeugteilen in unterirdische Räumlichkeiten zu verlagern, was die Arbeitsbedingungen der Häftlinge und die Logistik vor Ort direkt beeinflusste.
Stempeda fungierte als ein dem Außenlager Rottleberode untergeordnetes "Abschiebelager", in das körperlich erschöpfte oder kranke Häftlinge verlegt wurden, was die hierarchische Gliederung des Systems der Ausbeutung verdeutlicht.
Die SS-Lagerführung, insbesondere unter Erhard Brauny, besaß aufgrund der räumlichen Distanz zum Stammlager einen weiten Handlungsspielraum, den sie für eine brutale und ideologisch geprägte Terrorherrschaft, insbesondere gegenüber jüdischen Häftlingen, nutzte.
Die medizinische Versorgung war mangelhaft und provisorisch; obwohl ein eigenes Krankenrevier existierte, war dieses unterversorgt, und schwer erkrankte Häftlinge wurden oft ohne adäquate Behandlung zur Arbeit gezwungen oder zur Einäscherung ins Stammlager transportiert.
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