Diplomarbeit, 2010
98 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung/Fragestellung
2. Die Befreiungspädagogik Paulo Freires
2.1 Zur Person Paulo Freires
2.2 Gesellschafts- und Menschenbild
2.3 Widerspruch zwischen Unterdrückern und Unterdrückten
2.3.1 „Bankiers-Methode“ als Form unterdrückerischer Bildungsarbeit
2.3.2 „Kultur des Schweigens“
2.3.3 „Kulturelle Invasion“
2.4 Problemformulierende Methode
2.4.1 Aufhebung des Widerspruchs zwischen Lehrer und Schüler
2.4.2 Bewusstseinsmachungsprozess als Enthüllung der Wirklichkeit
2.4.3 Dialog als Form der Bewusstseinswerdung
2.4.4 Verhältnis revolutionärer Führer zum Volk
2.4.5 Methodisches Vorgehen
2.4.6 Anwendung der Befreiungspädagogik in den Entwicklungsländern
2.5 Zusammenfassung antidialogische und dialogische Aktion
3. Zur Übertragbarkeit der Konzeption Paulo Freires auf die Erste Welt
3.1 Unterschiede zwischen Erster und Dritter Welt
3.1.1 Ökonomie
3.1.2 Politik
3.1.3 Sozialstruktur
3.2 Gemeinsamkeiten zwischen Erster und Dritter Welt
3.2.1 Ökonomie
3.2.2 Politik
3.2.3 Sozialstruktur
3.3 Projekte und praktische Übertragungsversuche
3.3.1 Die „Freiburger StrassenSchule“ als Projekt der Straßenpädagogik
3.3.2 Theaterpädagogische Projekte
3.3.2.1 Europäische Projekte des „Theaters der Unterdrückten“ nach Augusto Boal
3.3.2.2 Das Theaterprojekt „Klatschmohn“
3.3.3 Projekte im Bereich der Erwachsenenbildung
3.3.3.1 Sprachkursprogramme mit ausländischen Arbeitern
3.3.3.2 Adaptionsversuche der Freire'schen Methodik in der Elternbildung
3.3.4 Projekte im Bereich der Gemeinwesenarbeit
3.3.5 Der Ansatz IRFED als schulorientiertes Projekt
4. Fazit/Schlusswort
Die Arbeit untersucht, ob Paulo Freires Befreiungspädagogik, ursprünglich für die prekären Lebensverhältnisse in Brasilien entwickelt, erfolgreich auf die Soziale Arbeit in Industriegesellschaften wie Deutschland und Europa übertragen werden kann.
2.3.1 „Bankiers-Methode“ als Form unterdrückerischer Bildungsarbeit
Paulo Freire betont in seinen Schriften immer wieder, dass Erziehungsarbeit oder Pädagogik niemals neutral sein kann. Was drückt Freire in seinen Schriften damit aus? Ernst Lange zitiert Freire im Vorwort des Buches „Pädagogik der Unterdrückten“: „Erziehung kann niemals neutral sein. Entweder ist sie ein Instrument zur Befreiung des Menschen, oder sie ist ein Instrument seiner Domestizierung, seiner Abrichtung für die Unterdrückung.“
Die in diesem Kapitel von Freire beschriebene sogenannte „Bankiers-Erziehung“ dient letzterem Ziel. Deshalb ist Freire der Meinung, dass sich jeder Lehrende entscheiden muss, für welche Seite er lehrt und wessen Interesse er dient. Das Wort „Bankier“ erscheint in diesem Begriff deshalb, weil aus seiner Sicht die Lernenden vom Lehrer zu füllende Objekte sind oder leere Konten, in die eine Spareinlage gemacht wird. Diese Methodik hebt den Lehrer-Schüler-Widerspruch deutlich hervor, denn „im Bankiers-Konzept der Erziehung ist Erkenntnis eine Gabe, die von denen, die sich selbst als Wissende betrachten, an die ausgeteilt wird, die sie als solche betrachten, die nichts wissen.“ Eine befreiende Bildungsarbeit ist nach Ansicht Freires mit der „Bankiers-Methode“ nicht zu erreichen und hält mit folgender Gegenüberstellung die Praktiken und Einstellungen aufrecht, die eine Gesellschaft im Sinne des Unterdrückers ausmachen:
a) Der Lehrer lehrt, und die Schüler werden belehrt.
b) Der Lehrer weiß alles, und die Schüler wissen nichts.
c) Der Lehrer denkt, und über die Schüler wird gedacht.
d) Der Lehrer redet, und die Schüler hören brav zu.
e) Der Lehrer züchtigt, und die Schüler werden gezüchtigt.
f) Der Lehrer wählt aus und setzt seine Wahl durch, und die Schüler stimmen ihm zu.
g) Der Lehrer handelt, und die Schüler haben die Illusion zu handeln durch das Handeln des Lehrers.
h) Der Lehrer wählt den Lehrplan aus, und die Schüler (die nicht gefragt werden) passen sich ihm an.
i) Der Lehrer vermischt die Autorität des Wissens mit seiner eigenen professionellen Autorität, die er in Widerspruch setzt zur Freiheit der Schüler.
j) Der Lehrer ist das Subjekt des Lernprozesses, während die Schüler bloße Objekte sind.
1. Einleitung/Fragestellung: Das Kapitel verortet die Relevanz von Freires Pädagogik im Kontext zunehmender Ökonomisierung und sozialer Ungleichheit in Industrienationen und formuliert die Forschungsfrage der Übertragbarkeit.
2. Die Befreiungspädagogik Paulo Freires: Hier werden das Menschenbild, die Kritik an der "Bankiers-Methode" und die dialogische "problemformulierende Methode" als Kernbestandteile von Freires Theorie systematisch dargelegt.
3. Zur Übertragbarkeit der Konzeption Paulo Freires auf die Erste Welt: Dieses Kapitel vergleicht die Strukturen von Erster und Dritter Welt und untersucht konkrete europäische Projekte in den Bereichen Straßenpädagogik, Theaterpädagogik, Erwachsenenbildung und Gemeinwesenarbeit auf ihre Anwendbarkeit.
4. Fazit/Schlusswort: Das Kapitel resümiert, dass eine direkte Übertragung schwierig ist, aber grundlegende Prinzipien und methodische Ansätze als wertvolle Orientierung für eine menschenzentrierte Soziale Arbeit dienen können.
Befreiungspädagogik, Paulo Freire, Pädagogik der Unterdrückten, Bankiers-Methode, Problemformulierende Methode, Conscientização, Soziale Arbeit, Empowerment, Theater der Unterdrückten, Dialog, Erwachsenenbildung, Bewusstseinsbildung, Gemeinwesenarbeit, Erste Welt, Dritte Welt.
Die Arbeit analysiert das Konzept der Befreiungspädagogik von Paulo Freire und untersucht, inwieweit dessen theoretische Grundlagen und methodische Ansätze auf die Soziale Arbeit in Deutschland und Europa übertragen werden können.
Die zentralen Themen umfassen die Bildungskritik an traditionellen Modellen, die Bedeutung von Dialog und kritischem Bewusstsein sowie die Analyse soziopolitischer Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Ersten und der Dritten Welt.
Das Ziel ist es, zu ergründen, ob Freires Pädagogik als Instrument der Befreiung in Industriegesellschaften fungieren kann, trotz struktureller Unterschiede gegenüber seinem ursprünglichen Wirkungsfeld in Brasilien.
Die Arbeit nutzt eine Literatur- und Konzeptanalyse, um Freires pädagogische Theorie aufzuarbeiten, und stellt diese durch eine vergleichende Perspektive in den Kontext aktueller Projekte der europäischen Sozialen Arbeit.
Im Hauptteil werden Freires theoretische Konzepte (z.B. Bankiers-Methode vs. dialogische Aktion) detailliert dargestellt und mit verschiedenen Praxisprojekten in Europa (z.B. Freiburger StrassenSchule, Theater der Unterdrückten) verknüpft.
Wesentliche Begriffe sind die problemformulierende Methode, kritische Bewusstseinsbildung (Conscientização), Machtkritik, Empowerment, der Dialog als existentielle Notwendigkeit und die Übertragbarkeit pädagogischer Praxis.
Die "Bankiers-Methode" zielt auf die passive Einlagerung von Wissen und Aufrechterhaltung von Hierarchien ab, während die problemformulierende Methode den Lernenden zum aktiven Subjekt macht, das seine Wirklichkeit kritisch hinterfragt und mitgestaltet.
Es bezieht sich auf das Spannungsfeld, in dem Sozialarbeiter agieren: Sie müssen einerseits die Interessen der Institution/des Staates vertreten und sich andererseits bedingungslos dem Wohl und der Emanzipation ihrer Klienten verpflichten.
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