Magisterarbeit, 2012
168 Seiten, Note: 1,3
1 Zur theoretischen Einordnung in der biographischen Forschung
1.1 Identität als narrative Konstruktion in der Postmoderne
1.2 Berufliche Biographie als Teil der modernen Patchwork-Identität
1.2.1 Hochschulsozialisation und die Ausbildung eines fachlichen Habitus
1.2.2 Beruf, Profession und berufliche Identität
1.2.3 Identität im Beruf und Erkenntnisse für die biographische Erzählung
1.3 Biographieanalyse
1.3.1 Objektive Rekonstruktion: Fremdverstehen durch kontrollierte Methodik
1.3.2 Subjektive Sinnkonstruktionen: Biographische Selbstreflexion
1.3.3 Kommunikative Besonderheiten biographischer Erzählungen
2 Absolventen- und Verbleibstudien: Definition, Aufbau und Aussagekraft
3 Von der Biographieforschung zur Absolventenstudie: Zusammenführung
4 Methodisches Design und Auswertung
4.1 Offene Fragestellungen als qualitatives Online-Erhebungsinstrument
4.1.1 Die Datenerhebung mittels sozialer Netzwerke, Emails und Foren
4.1.2 Verbreitung der Studie mithilfe des Schneeballsystems
4.2 Durchführung der Studie
4.3 Die Beschreibung der Untersuchungsgruppe
5 Auswertung der qualitativen Daten
5.1 Sozialwissenschaftliche Hermeneutik als leitendes Konzept vom Verstehen
5.2 Die „Grounded Theory“ Methode als Auswertungsinstrument
6 Über die Schwierigkeit einer Entscheidung in der Multioptionsgesellschaft
6.1 Die retrospektive Rationalisierung einer biographischen Entscheidung
6.1.1 Die retrospektive Bewertung der Studienentscheidung
6.1.2 Die retrospektive Evaluation der Ergebnisse dieser Entscheidungswahl
6.2 Fazit: Erkenntnisse für die Berufspersönlichkeit
7 Erfahrungen aus dem Studium aus arbeitsweltlicher Sichtweise
7.1 Innerfachliche Sozialisation: Erträge aus dem Studium
7.2 Außerfachliche Sozialisation: „Das Gefühl, Student und frei zu sein“
7.3 Fazit: Erkenntnisse für die Berufspersönlichkeit und die berufliche Identität
8 Nach dem Studium ist vor dem Beruf: der Übergang
8.1 „Glück gehabt“: Unsicherheit bei der Einschätzung des eigenen Marktwertes
8.1.1 Bestrebungen nach rascher Berufseinmündung
8.1.2 Eigenwahrnehmung der erlernten Kompetenzen
8.1.3 Fremdwahrnehmung aus Sicht der Soziologie-Absolventen
8.2 Fazit: Auswirkungen der Unsicherheiten auf die berufliche Identität
9 Die Augsburger Soziologen in der Arbeitswelt
9.1 Soziologie als Beruf? Fehlende Identifizierung von Berufsbildern
9.2 Berufsbiographien der Augsburger Soziologen
9.2.1 Berufliche Tätigkeitsprofile der Augsburger Absolventen
9.2.2 Bühne frei für die erfolgreiche Berufsbiographie
9.3 Anwendungsmöglichkeiten soziologischen Wissens in der Praxis
9.4 Fazit: Konsequenzen für die berufliche Identität
10 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Berufsbiographien ehemaliger Studierender des Magisterstudiengangs Soziologie der Universität Augsburg zu analysieren und dabei die Verknüpfung von Studium und Berufsalltag sowie die Entstehung einer beruflichen Identität aus lebensweltlich-subjektiver Perspektive zu untersuchen.
Die veränderte Sichtweise der Absolventen auf ihre vergangene Entscheidung
Verallgemeinernd sollen einige Beispiele verdeutlichen, dass die Befragten durch ihre Art und Weise der Beantwortung versuchen, den Leser vor allem davon zu überzeugen, dass sich ihre Studienwahl vernünftig begründen lässt und sie sich dabei nicht ihrem aktuellen Erfahrungsschatz entledigen können und daher eine retrospektiv Weise der Beantwortung vorzufinden ist.
Begründungen und Erklärungen, warum man diese und nicht eine andere Wahl getroffen hat, finden sich in vielen Lebensbereichen wieder. Der Entscheidungsträger unterliegt bei seinem Verhalten einer sozialen Rechtfertigungspflicht, einer gewissen Begründungsnot. Ein formelles Beispiel, bei welchem rationale Begründungen besonderer Bedeutung zugedacht werden, ist das ‚Anschreiben‘ als eine unverzichtbare Anlage im Bewerbungsschreiben für eine Erwerbstätigkeit: „Seit langem rankt sich um diese Beilage zu einem Bewerbungsschreiben ein System von Regeln für Form, Inhalt und für angemessene Gestaltung (…). Auch wenn sie in Absatzform abgefasst sind, haben sie keine Erzählstruktur, sondern sind in bürokratischer Berichtsform geschrieben“ (Fuchs-Heinritz, 2000, S. 32). Ziel des Anschreibens einer Bewerbung ist es, sein Gegenüber von der Fähigkeit, das eigene Leben vernünftig und durchdacht gestalten zu können, überzeugen. Der Leser soll nicht den Eindruck erhalten, Entscheidungen und Handlungen seien willkürlich getroffen worden, sondern rational aufeinander abgestimmt und gelebt. Die folgenden exemplarischen Begründungen einiger Absolventen könnten sich in einem formellen Anschreiben einer Bewerbung wiederfinden, sie sind gekennzeichnet durch eine formale Sprache und lassen wohlüberlegte Begründungen erkennen. So wird in diesen Zitaten der Fokus nicht auf den Inhalt, sondern vor allem auf die Ausdrucksweise und den Versuch, den Leser von der Rationalität der eigenen Entscheidung zu überzeugen, gesetzt. Einige Soziologie-Absolventen schreiben:
„Ich mich in der Schule mit großem Interesse mit der Neueren und Neuesten Geschichte beschäftigt, insbesondere mit der Sozialgeschichte – da war für mich klar, dass ich (…) Soziologie studiere“ (Fall 1)
„Das Studium der Soziologie hat sich bei mir aus einem starken Interesse an der Thematik und insbesondere an den damit verbundenen politisch-theoretischen Konzepten ergeben“ (Fall 5)
Zur theoretischen Einordnung in der biographischen Forschung: Dieses Kapitel erörtert die biographische Forschung als interpretatives Paradigma, um die lebensweltlichen Hintergründe der Absolventen theoretisch einordnen zu können.
Absolventen- und Verbleibstudien: Definition, Aufbau und Aussagekraft: Es wird ein Überblick über den Forschungsstand quantitativer Studien zu Studienabschlüssen und beruflichem Verbleib gegeben und deren Relevanz diskutiert.
Von der Biographieforschung zur Absolventenstudie: Zusammenführung: Hier wird die methodische Verknüpfung der quantitativen Absolventenstudie mit der qualitativen biographischen Forschung dargelegt.
Methodisches Design und Auswertung: Dieses Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign der Augsburger Studie sowie die angewandten Methoden der Datenerhebung und -auswertung.
Auswertung der qualitativen Daten: Die methodischen Prämissen der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik und der Grounded Theory als Werkzeuge für die Datenanalyse werden vorgestellt.
Über die Schwierigkeit einer Entscheidung in der Multioptionsgesellschaft: Der erste Ergebnis-Teil analysiert, wie Absolventen retrospektiv ihre damalige Studienentscheidung bewerten und rationalisieren.
Erfahrungen aus dem Studium aus arbeitsweltlicher Sichtweise: Hier geht es um die innerfachlichen und außerfachlichen Erfahrungen der Absolventen während ihrer Studienzeit in Augsburg.
Nach dem Studium ist vor dem Beruf: der Übergang: Das Kapitel befasst sich mit der Phase des Berufseinstiegs und den dabei auftretenden Unsicherheiten und Ängsten.
Die Augsburger Soziologen in der Arbeitswelt: Der letzte Ergebnisteil widmet sich der Identifizierung mit dem Beruf sowie der Anwendung soziologischer Qualifikationen in der Praxis.
Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse werden im Modell des "homo augsburgus" synthetisiert und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die soziologische Ausbildung reflektiert.
Soziologie, Absolventenstudie, Berufsbiographie, Biographieforschung, Identität, Sozialisation, Berufseinstieg, Arbeitswelt, Grounded Theory, qualitative Forschung, berufliche Identität, Studium, Hochschule, Entsoziologisierung, Schlüsselqualifikationen.
Die Arbeit untersucht berufsbiographische Erzählungen ehemaliger Studierender des Magisterstudiengangs Soziologie der Universität Augsburg, um deren Werdegang, Identitätsbildung und Berufsverständnis zu beleuchten.
Die Themen umfassen die retrospektive Bewertung der Studienwahl, Erfahrungen während des Studiums, den Übergang in das Berufsleben sowie die Anwendung soziologischer Kenntnisse in der Praxis.
Ziel ist es zu ergründen, wie ehemalige Augsburger Soziologie-Studierende ihren beruflichen Verbleib interpretieren und ob sie eine stabile soziologische berufliche Identität entwickelt haben.
Die Arbeit basiert auf einem empirisch-qualitativen Forschungsdesign, das Methoden der Grounded Theory und der sozialwissenschaftlichen Hermeneutik zur Auswertung der gesammelten Erzählungen nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Hinführungen, das methodische Vorgehen und die empirischen Ergebnisse, die chronologisch vom Studium über den Berufseinstieg bis hin zum aktuellen Berufsalltag führen.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Berufsbiographie, Identität, Sozialisation, Berufseinmündung, Entsoziologisierung und Schlüsselqualifikationen.
Die meisten Absolventen rationalisieren ihre Studienwahl nachträglich als wohlüberlegten Schritt, wobei sie betonen, dass sie schon immer ein Interesse an soziologischen Themen hatten, selbst wenn dies zum damaligen Zeitpunkt weniger bewusst war.
Viele Absolventen schreiben ihren erfolgreichen Berufseinstieg eher dem Zufall oder "Glück" zu, anstatt ihre erlernten soziologischen Kompetenzen als ausschlaggebenden Grund für ihren Erfolg anzuerkennen.
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