Masterarbeit, 2012
89 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Die Notwendigkeit eines multilateralen Handelsabkommens
2.1 Terms-of-Trade-Theorie und das Gleichgewichtsmodell
2.2 Terms-of-Trade-Theorie und die Politökonomie
2.3 Handelsabkommen als politisches Bindungsinstrument
3 Empirische Evidenz der Theorien
4 Effekte der WTO-Mitgliedschaft auf den Handel
4.1 Interpretation der Ergebnisse des Gravitationsmodells von Rose
4.2 Kritik an Rose’s Berechnungen
5 Alternative Interpretation der empirischen Erkenntnisse von Rose
6 Messung der Handelspolitik
7 Verhaltensmuster in internationalen Wirtschaftsbeziehungen
7.1 Kooperation als evolutionärer Prozess
7.2 Populationsdynamik und evolutionäre Stabilität
7.3 Kritische Masse und Kooperation
8 Kooperationsprobleme und institutionelle Lösungsmöglichkeiten
8.1 Institutionen in einem anarchischen Umfeld
8.2 Rolle der Institutionen bei politischem Marktversagen
8.3 Haftungspflichten, Transaktionskosten und asymmetrische Informationen
8.4 Freifahrerverhalten und Verhandlungsprobleme
8.5 Zwischenfazit
9 Entwicklung des Welthandelssystems
9.1 Regeln und Prinzipien des GATT und der WTO
9.2 Besonderheiten der Verhandlungsrunden unter GATT
9.3 Probleme der WTO
10 Der Two-Level-Ansatz der internationalen Verhandlungen
11 Asymmetrie der Liberalisierung unter GATT
12 Die Rolle des Streitschlichtungsverfahrens in der Handelsliberalisierung
13 Abschlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Welthandelsorganisation (WTO) für die Liberalisierung des Welthandels vor dem Hintergrund kontroverser empirischer Ergebnisse. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, ob die multilaterale Schirmherrschaft der WTO für die Effektivität des Welthandelssystems notwendig ist oder ob sich internationale Kooperation in einem anarchischen System auch eigendynamisch entwickeln kann.
2.1 Terms-of-Trade-Theorie und das Gleichgewichtsmodell
Erkenntnisse aus der Spieltheorie, insb. aus den nicht-kooperativen Spielen, finden breite Anwendung in der internationalen Handelspolitik. Ein Spieler kann im Gefangenendilemma-Setting seinen individuellen Nutzen maximieren, wenn er den anderen Spieler „ausbeutet“. Im handelspolitischen Jargon ist ein autarkes Vorgehen als „Beggar-thy-Neighbour-policy“ bekannt und führt dazu, dass ein Teil des erreichten Nutzens auf Kosten eines anderen Staates erfolgt. Während ein soziales Optimum darin besteht, eine Freihandelspolitik zu betreiben, hat jeder Staat den Anreiz, einen positiven Zoll zu setzen. Dieser Anreiz besteht, solange der Nutzen der defektierenden Partei aus der Verschiebung des Terms-of-Trade-Gleichgewichts erhöht werden kann. Der Opponent erwartet seinerseits solches Vorgehen und wird dementsprechend den eigenen Importzoll reziprok erhöhen. Schlussendlich werden beide Länder schlechter dastehen als unter dem Freihandel. Ein Handelsabkommen ist daher notwendig, um ein effizientes Ergebnis herbeizuführen.
In „The Economics of World Trading System“ bieten Bagwell und Staiger ein Modell an, bekannt als The Traditional Economic Approach, das unabhängig von polit-ökonomischen Mechanismen in der Lage ist, die Effekte der Externalitäten, resultierend aus dem sog. Terms-of-Trade-driven Prisoners‘ Dilemma, zu beschreiben. In einem 2x2 Gleichgewichtsmodell, unter vollkommener Konkurrenz, handeln zwei Länder die Güter x und y, wobei x das Gut ist, das üblicherweise importiert wird.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den aktuellen Druck auf die WTO durch gescheiterte Verhandlungsrunden und stellt die kontroverse empirische Debatte zur Rolle der Organisation für den Welthandel vor.
2 Die Notwendigkeit eines multilateralen Handelsabkommens: Dieses Kapitel stellt theoretische Modelle (Terms-of-Trade- und Commitment-Ansätze) vor, die erklären, warum unilaterale Handelsentscheidungen zu ineffizienten Ergebnissen führen können.
3 Empirische Evidenz der Theorien: Hier werden quantitative Versuche zur Überprüfung der theoretischen Annahmen, insbesondere hinsichtlich der Bindungsfunktion des GATT, diskutiert.
4 Effekte der WTO-Mitgliedschaft auf den Handel: Das Kapitel analysiert die einflussreiche Studie von Andrew Rose, die infrage stellt, ob die WTO-Mitgliedschaft tatsächlich einen signifikanten Einfluss auf Handelsströme hat.
5 Alternative Interpretation der empirischen Erkenntnisse von Rose: Es werden methodische Einwände gegen die Analyse von Rose vorgebracht und eine alternative Sichtweise auf die WTO als Produzent globaler öffentlicher Güter eingenommen.
6 Messung der Handelspolitik: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Indikatoren zur Messung der Handelsoffenheit und diskutiert deren Vor- und Nachteile.
7 Verhaltensmuster in internationalen Wirtschaftsbeziehungen: Basierend auf der evolutionären Spieltheorie wird untersucht, wie Kooperation unter anarchischen Bedingungen ohne zentrale Instanz entstehen kann.
8 Kooperationsprobleme und institutionelle Lösungsmöglichkeiten: Hier werden institutionelle Ansätze diskutiert, wie durch Transparenz und Sanktionen Kooperationsanreize in einem komplexen internationalen Umfeld geschaffen werden können.
9 Entwicklung des Welthandelssystems: Das Kapitel beschreibt die historische Genese von GATT und WTO sowie deren grundlegende Regeln wie Reziprozität und Nichtdiskriminierung.
10 Der Two-Level-Ansatz der internationalen Verhandlungen: Hier wird der Prozess internationaler Verhandlungen als Zusammenspiel von innen- und außenpolitischen Zwängen erläutert.
11 Asymmetrie der Liberalisierung unter GATT: Es wird analysiert, warum die Liberalisierungsfortschritte zwischen Industrie- und Entwicklungsländern ungleichmäßig verlaufen sind.
12 Die Rolle des Streitschlichtungsverfahrens in der Handelsliberalisierung: Dieses Kapitel untersucht, ob eine häufigere Nutzung des Streitschlichtungsmechanismus positiv mit der Liberalisierung der Handelspolitik korreliert.
13 Abschlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und diskutiert die künftige Rolle der WTO als evolutionärer Kooperationsvermittler.
Welthandelsorganisation, WTO, GATT, Welthandel, Liberalisierung, Spieltheorie, Gefangenendilemma, Terms-of-Trade, Commitment Approach, Streitschlichtung, Protektionismus, Evolutionäre Spieltheorie, Reziprozität, Institutionenökonomik, Handelsabkommen.
Die Arbeit untersucht die Effektivität der Welthandelsorganisation (WTO) bei der Liberalisierung des internationalen Handels und hinterfragt kritisch, ob deren Rolle für den Erfolg des globalen Handels überbewertet wird.
Die Untersuchung umfasst die ökonomische Theorie von Handelsabkommen, empirische Analysen von Handelsströmen (insbesondere mittels Gravitationsmodellen), spieltheoretische Erklärungen für internationale Kooperation und die Rolle von Institutionen bei der Bewältigung von Marktversagen.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der theoretischen Notwendigkeit einer multilateralen Institution wie der WTO und den empirischen Ergebnissen aufzuarbeiten, die keinen signifikanten Handelsschub durch die Mitgliedschaft feststellen konnten.
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse der ökonomischen Theorie, die Auswertung von Gravitationsmodellen und die Anwendung der evolutionären Spieltheorie auf internationale Politik, ergänzt um die Interpretation von Handelsindikatoren.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Begründungen für Handelsabkommen, eine kritische Auseinandersetzung mit der empirischen Forschung von Andrew Rose sowie eine detaillierte spieltheoretische Betrachtung der Entstehung von Kooperation und Reputation in einem anarchischen internationalen System.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Welthandelsorganisation (WTO), Spieltheorie, Gefangenendilemma, Liberalisierung, Terms-of-Trade und institutionelle Ökonomik definieren.
Das Gefangenendilemma dient dazu, das Problem individueller Anreize zum Protektionismus in einer anarchischen Weltstruktur zu verdeutlichen, in der die kurzfristige Nutzenmaximierung oft zu langfristig ineffizienten Ergebnissen führt.
Die empirische Analyse deutet darauf hin, dass die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Streitschlichtungsmechanismen positiv mit einer liberaleren Handelspolitik korreliert, was für die unterstützende Rolle von Institutionen bei der Etablierung kooperativer Normen spricht.
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