Diplomarbeit, 2002
74 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Sonderpädagogik
2.1. Das neue Bremer Schulgesetz in Hinblick auf Sonderpädagogische Förderung
2.2. Geänderte Anforderungen an Schule
2.3. Schule als Institution
3. Kurzer Abriss der Psychoanalyse
3.1. Entwicklung
3.2. Gemeinsame Grundüberzeugungen der verschiedenen Schulrichtungen
3.3. Theoretische Grundbegriffe und Verfahren der Psychoanalyse als Therapie
3.4. Die analytische Situation
3.5. Indikation
3.6. Ausbildung der Analytiker
4. Psychoanalytische Pädagogik
4.1. Definition
4.2. Geschichte und Entwicklung der Psychoanalytischen Pädagogik
4.3. Standortfrage
5. Veränderungserfordernisse an die integrative Pädagogik
5.1. Ausbildung der Lehrer
5.2. Die Schüler- Lehrer Beziehung
5.3. Supervision
6. Exemplarisches Fallbeispiel zum Umgang mit auffälligem Verhalten
6.1. Betreuung des Schülers Murat
6.2. Schuleintritt als Konfliktsituation in der Sozialisation der Kinder von türkischen Migranten
6.3. Einbeziehung des familiären Umfeldes
6.4. Symptomverständnis
6.5. Beziehungsgestaltung
6.6. Gewalt und Aggression
6.7. Vorgehen
6.8. Handlungskompetenz
6.9. Teamarbeit
7. Schlussbemerkung
Die Diplomarbeit untersucht die Anwendung psychoanalytischer Ansätze als pädagogische Verstehenshilfe im Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern in Grundschulen. Ziel ist es, durch eine vertiefte Analyse unbewusster Konflikt- und Interaktionsmuster die Handlungskompetenz von Pädagogen zu erweitern und alternative, kindzentrierte Interventionsstrategien zu entwickeln.
Die Schüler – Pädagoge Beziehung
Die berufliche Situation eines Menschen setzt sich zunächst aus den persönlichen, den individuellen Anteilen, aus seiner Aufgabe, seinem Beruf und schließlich auch aus seiner Institution, seinem Bezugssystem zusammen. Dazu kommen, bei erweiterter Sichtweise, auch Einflüsse aus dem sozio-ökonomischen Rahmensystem. Also steht nicht die Person des Lehrers allein im Interesse, sondern ebenso seine Aufgabe und die Organisation, also die Schule, an der er arbeitet, oder die Institution Schule an sich und natürlich die vielfältigen Beziehungen, die sich innerhalb dieses Systems ergeben.
Funktionales Handeln in einer Organisation soll der Systemerhaltung und Zielerreichung dienen. Bleibt es über längere Zeit stabil, verfestigen sich Handlungsweisen innerhalb des Systems zu spezifischem Rollenhandeln. Dadurch ist die jeweils tatsächlich anzutreffende pädagogische Beziehung durch eine Reihe von außersubjektiven Faktoren bestimmt. Vor allem vom Zweck der Institution und vom soziokulturellen Milieu, dem die Partner angehören. Sie ist demnach eine kollektive Gegebenheit.
Sobald der einzelne Mitglied in einer sozialen Organisation geworden ist, wird er bestimmte systemimmanente und funktional determinierte Verhaltensweisen akzeptieren müssen: seine >Mitgliedsrolle<. Damit ist er aber nach Luhmann (1964) auch austauschbar geworden. Demnach ist für das Schulsystem nicht die Person des Lehrers oder Schülers entscheidend, sondern allein die Funktion, die von ihnen entsprechend der sozialen Funktion im Schulsystem erfüllt wird (Luhmann 1964 S. 39). Die mannigfaltigen libidinösen Beziehungen innerhalb der Familie sind in der Schule durch sublimierte ersetzt.
1. Einleitung: Die Arbeit problematisiert die Überforderung von Pädagogen mit verhaltensauffälligen Schülern und plädiert für die Psychoanalyse als diagnostisches und pädagogisches Werkzeug.
2. Sonderpädagogik: Dieses Kapitel erläutert den Wandel der Sonderpädagogik vom institutionellen Sonderschulwesen hin zur individualisierten, förderorientierten Integration.
3. Kurzer Abriss der Psychoanalyse: Es erfolgt eine theoretische Einführung in die Grundlagen, Verfahren und die methodische Haltung der Psychoanalyse inklusive der Bedeutung von Übertragung und Gegenübertragung.
4. Psychoanalytische Pädagogik: Hier wird der Transfer psychoanalytischer Verstehensweisen in die Pädagogik definiert und deren geschichtliche Entwicklung sowie der aktuelle theoretische Standort dargelegt.
5. Veränderungserfordernisse an die integrative Pädagogik: Das Kapitel fordert eine Neugestaltung der Lehrerausbildung und Supervision, um die Beziehungsqualität in Integrationsklassen nachhaltig zu verbessern.
6. Exemplarisches Fallbeispiel zum Umgang mit auffälligem Verhalten: Anhand des Schülers Murat wird konkret demonstriert, wie psychoanalytische Reflexion zur Problemlösung in Teamarbeit und Elternarbeit beitragen kann.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine Pädagogik der Vielfalt eine tiefere Einsicht in unbewusste Beziehungsentwürfe benötigt, um Separation durch echte Förderung zu ersetzen.
Psychoanalytische Pädagogik, Verhaltensauffälligkeit, Sonderpädagogische Förderung, Übertragung, Gegenübertragung, Supervision, Integrative Pädagogik, Tiefenhermeneutik, Subjektivität, Beziehungsgestaltung, Kind-Umfeld-Analyse, Handlungskompetenz, Sozialisation, Psychodynamik, Identitätsbildung.
Die Diplomarbeit untersucht, wie pädagogische Fachkräfte psychoanalytische Erkenntnisse nutzen können, um das Verhalten von Kindern in Grundschulen besser zu verstehen und professioneller auf Schwierigkeiten zu reagieren.
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Verhaltensauffälligkeiten, die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung, die psychodynamische Reflexion des eigenen Handelns und die integrative Gestaltung von Schule.
Das Ziel ist es, eine Brücke zwischen Psychoanalyse und Pädagogik zu schlagen, damit Lehrer Auffälligkeiten nicht nur als Störung betrachten, sondern als sinnvolle Botschaft, deren Hintergrund durch gezielte Reflexion verstehbar wird.
Die Arbeit stützt sich auf die psychoanalytische Theoriebildung, eine Analyse der aktuellen sonderpädagogischen Gesetzgebung sowie eine tiefenhermeneutische Falldarstellung.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Psychoanalyse für den pädagogischen Kontext, die Darstellung von Veränderungserfordernissen in der Lehrerausbildung und die praktische Anwendung an einem Fallbeispiel.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Psychoanalytische Pädagogik, Übertragung, Supervision, Handlungskompetenz und Verhaltensauffälligkeit definiert.
Supervision dient als notwendiger „Ort“ der Reflexion, an dem Pädagogen ihre unbewusste Gegenübertragung auf Schüler erkennen können, um so dem „Ausagieren“ feindseliger Impulse entgegenzuwirken.
Anstatt nur Fehlverhalten durch Disziplinarmaßnahmen zu korrigieren, sucht die Autorin nach dem Sinn der Störung im Kontext von Murats Familiengeschichte und Migrationserfahrung, um eine tragfähige, neue Beziehungsbasis zu schaffen.
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