Bachelorarbeit, 2009
44 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Das Spiel mit den Gattungen. Theoretische Betrachtung
2.1 Allgemeines
2.2 Thomas Bernhard: Der Keller
2.3 Franz Kafka: Das Urteil
3. Die väterlichen Autoritäten – Wie das Erlebte werkimmanent beschrieben wird
3.1 Hermann Kafka
3.2 Johannes Freumbichler
3.3 Emil Fabjan und Alois Zuckerstätter - keine väterlichen Autoritäten
4. Missbrauch der Macht – Die Schuld der väterlichen Autoritäten
4.1 Das Urteil
4.2 Der Keller
5. Nestwärme im autoritären System
5.1 Die Frage nach der Existenz von Nestwärme
5.2 Warum Georg scheiterte
5.3 Warum Bernhard sich entwickelte
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Verarbeitung väterlicher Autorität in Franz Kafkas "Das Urteil" und Thomas Bernhards "Der Keller" unter besonderer Berücksichtigung autobiografischer Aspekte und der Machtstrukturen in Vater-Sohn-Beziehungen.
3.1 Hermann Kafka
In der Erzählung folgt der Leser Georg Bendemann nach dem Verfassen und Versiegeln des Briefes an den Petersburger Freund beim Gang in das Zimmer seines Vaters. Der Raum ist „dunkel“ (Das Urteil. S. 55), es wird betont, dass der Vater beim Zeitungslesen „irgendeine Augenschwäche auszugleichen suchte“ (Das Urteil. S. 55), wodurch beim Rezipienten des Textes sofort der Eindruck erweckt wird, als trete hier eine väterliche Figur auf, die in beziehungsweise durch ihre Schwäche als harmlos eingestuft werden könne. Georgs Eindruck unterscheidet sich jedoch wesentlich davon, denn sein Gedanke beim Anblick des Vater ist: „[...] 'mein Vater ist noch immer ein Riese [...] Im Geschäft ist er doch ganz anders [...] wie er hier breit sitzt und die Arme über der Brust kreuzt“ (Das Urteil. S. 56). Diese Diskrepanz zwischen dem durch den Erzähler Beschriebenen und dem vom Protagonisten Gedachten wirft gleich zu Beginn ein verschobenes Doppelbild des Vaters auf. Vielleicht war es Kafkas Intention, damit zum Ausdruck zu bringen, dass das Bild, dass Hermann Kafka außerhalb seiner eigenen Familie in Gesellschaft abgab, ein friedlicheres und harmloseres war und dass nur der uns Familienleben Involvierte die wahre Macht des Vaters sehen konnte – und mithin das Riesenhafte, das Verängstigende. Das lässt sich zwar nicht mit Sicherheit sagen, da Kafkas Gedanken dazu nicht rekonstruierbar sind; was aber bei der interpretatorischen Annäherung an das Werk hilft, ist das Dokument, das bereits zur Klärung der biographischen Relevanz der Erzählung herangezogen wurde.
1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Verarbeitung väterlicher Einflüsse in der Literatur.
2. Das Spiel mit den Gattungen. Theoretische Betrachtung: Diskussion des Verhältnisses von Fiktion und Autobiografie bei Bernhard und Kafka unter Rückgriff auf Lejeune.
3. Die väterlichen Autoritäten – Wie das Erlebte werkimmanent beschrieben wird: Untersuchung der spezifischen Vaterfiguren und deren Rolle in den gewählten Erzählungen.
4. Missbrauch der Macht – Die Schuld der väterlichen Autoritäten: Analyse der Machtverhältnisse und der Schuldfrage innerhalb der Vater-Sohn-Beziehungen.
5. Nestwärme im autoritären System: Auseinandersetzung mit der psychologischen Bedeutung von Nestwärme und der unterschiedlichen Entwicklung der Protagonisten.
6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Beantwortung der Frage nach der Bedeutung des Autors im Werk.
Väterliche Autorität, Thomas Bernhard, Franz Kafka, Autobiografie, Machtmissbrauch, Doppelbindungstheorie, Emanzipation, Vater-Sohn-Beziehung, Nestwärme, Der Keller, Das Urteil, Schuldfrage, Individuation, Psychologische Analyse, Literaturwissenschaft
Die Arbeit analysiert, wie Franz Kafka und Thomas Bernhard ihre Erfahrungen mit väterlicher Autorität in ihren literarischen Werken verarbeiten und welche Rolle dabei autobiografische Elemente spielen.
Der Fokus liegt auf Thomas Bernhards autobiografischem Werk "Der Keller" und Franz Kafkas Erzählung "Das Urteil".
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob und wie die Autoren ihre individuellen Erlebnisse mit prägenden väterlichen Bezugspersonen in die Literatur einfließen ließen und wie diese Vaterfiguren als Machtinstanzen dargestellt werden.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analysemethoden, insbesondere unter Einbezug der Autobiografie-Theorie (nach Philippe Lejeune) und psychologischer Ansätze wie der Doppelbindungstheorie.
Im Hauptteil werden die väterlichen Autoritäten charakterisiert, der Machtmissbrauch in den Texten analysiert und die Existenz bzw. das Fehlen von "Nestwärme" als Einflussfaktor auf die Entwicklung der Protagonisten diskutiert.
Wichtige Begriffe sind Väterliche Autorität, Machtmissbrauch, Doppelbindung, Autobiografie, Emanzipationsprozess und Schuldfrage.
Während bei Kafka in "Das Urteil" eine konsequente Dämonisierung des Vaters stattfindet, zeigt Bernhard in "Der Keller" eine differenziertere Sicht, in der der Großvater trotz problematischer Erziehungsmethoden auch als positive Bezugsperson wahrgenommen wird.
Die Doppelbindungstheorie dient dazu, die psychologische Dynamik zwischen Vater und Sohn zu erklären, bei der die Söhne durch widersprüchliche Aufforderungen in eine ausweglose, oft zerstörerische Situation geraten.
Bernhard gelingt es durch einen Emanzipationsprozess, sich von der autoritären Prägung zu lösen, während Georg Bendemann in Kafkas Erzählung unter dem väterlichen Druck und der Unfähigkeit zur Emanzipation scheitert.
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