Bachelorarbeit, 2012
67 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Grundlegende Begriffsbestimmungen
2.1 Gastarbeiter, Fremdarbeiter, Grenzarbeiter oder Saisonarbeiter ?
2.2 Assimilation, Akkulturation und Integration
3. Historie der Ausländerbeschäftigung und Ausländerpolitik in Deutschland
4. Theorieangebote der Migrationsforschung
4.1 Das Assimilationsmodell nach Esser
4.2 Das Unterschichtungsmodell nach Hoffmann-Nowotny
4.3 Das Modell ethnischer Kolonien nach Heckmann
4.4 Die Formen internationaler Migration
5. Aspekte der Wanderbewegungen von temporärer Arbeitsmigration
5.1 Wanderungsmotivationen aus Arbeitgebersicht
5.2 Wanderungsmotivationen aus Arbeitnehmersicht
6. Die sozialen Strukturen der Beschäftigten
6.1 Geschlechterverteilung und Familienstand der Saisonarbeitnehmer
6.2 Sprachkenntnisse der Saisonarbeitnehmer
6.3 Loyalität zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
6.4 Berufsgruppen und Altersklassen der Saisonarbeitnehmer
6.5 Rekrutierung der Saisonarbeitnehmer
7. Moralische Bedenken bei der Saisonarbeitnehmerbeschäftigung
7.1 Saisonarbeiterlöhne im Zwiespalt zwischen Wettbewerbsdruck und Moral
7.1.1 Lohnzufriedenheit der Saisonarbeitnehmer
7.1.2 Löhne im Vergleich zum Arbeitspensum der Saisonarbeitnehmer
7.1.3 Auswirkungen der Saisonarbeitnehmerbeschäftigung auf das Inländereinkommen
7.2 Das generelle Problem der Vorurteile innerhalb der Saisonarbeitnehmerbeschäftigung
7.3 Wohnverhältnisse der Saisonarbeitnehmer
7.4 Integration der Saisonarbeitnehmer
8. Gibt es Alternativen zur Saisonarbeitnehmerbeschäftigung?
9. Schluss
Die Arbeit untersucht die moralökonomischen Aspekte der Saisonarbeit in der deutschen Landwirtschaft, insbesondere im Weinbau. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob die Beschäftigung von Saisonarbeitnehmern unter Berücksichtigung von Lohnstrukturen, Wohnverhältnissen und sozialer Integration ethisch vertretbar ist und welche ökonomischen Beweggründe Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer zu dieser temporären Migration führen.
3. Historie der Ausländerbeschäftigung und Ausländerpolitik in Deutschland
Die ersten größeren Wanderbewegungen von ausländischen Arbeitern nach Deutschland konnten schon Ende des 19. Jahrhunderts beobachtet werden. Gerade in der Landwirtschaft der preußischen Ostgebiete fanden die ersten größeren Wanderungen statt. Durch erhöhte Konkurrenz, vor allem aus den USA, wurde deutlich, dass die ostelbische Landwirtschaft wenig leistungsfähig und ineffektiv war. Hinzu kam, dass sich die Reichsbevölkerung sehr rasch vergrößerte, die deutsche Landwirtschaft aber aufgrund ihrer strukturellen Defizite keine weiteren Arbeitsplätze schaffen konnte. Die Agrarkrise und der Bevölkerungszuwachs führten dazu, dass immer größer werdende Teile der ostelbischen Landarbeiterbevölkerung in die industrialisierten Regionen des preußischen Westens oder ins Ausland abwanderten.
In Folge dessen gingen Anfang der 1880er Jahre viele Gutsbesitzer dazu über, vermehrt Arbeitskräfte aus Polen anzuwerben. Die Polen Österreichs und Russlands nahmen vermehrt Arbeitsplätze der deutschen Tagelöhner ein, welche begannen in besser bezahlte westliche Anstellungsverhältnisse abzuwandern. In dieser Zeit begann auch der Konflikt zwischen wirtschaftlichen und politischen Interessen, der sich auch heute in jeder Debatte um die Beschäftigung von ausländischen Arbeitern bestimmend ist. Aufgrund dieses Konfliktes, der sich vor allem in der Angst um die „Polonisierung“ von weitgehenden Landstrichen zeigte, setzte die preußische Regierung 1885 Maßnahmen gegen die Zuwanderung ausländisch-polnischer Arbeiter durch. Schnell wurde allerdings deutlich, dass die Beschäftigung ausländischer Arbeiter von essentieller Bedeutung für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft war. Somit wurde im Herbst 1890 die Beschäftigung von ausländisch-polnischen Arbeitskräften wieder zugelassen. Dies galt allerdings nur für die Landwirtschaft. Die Beschäftigung von auslandspolnischen Arbeitern wurde für die Industriezweige in den preußischen Westprovinzen explizit ausgeschlossen. Die gute konjunkturelle Entwicklung in dieser Zeit führte allerdings dazu, dass immer mehr Industriezweige gegen Karenzzeit und Beschäftigungsverbote verstießen und demnach illegal Ausländer beschäftigten. Obwohl die preußische Regierung wusste, dass viele Werke ohne ausländische Beschäftigte in immense Existenznöte geraten könnten, wurde die ablehnende Haltung gegenüber diesen im Großen beibehalten.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Saisonarbeit in Deutschland und die Relevanz der Untersuchung von Wanderungsmotivationen.
2. Grundlegende Begriffsbestimmungen: Definition und Abgrenzung der Begriffe Gastarbeiter, Fremdarbeiter, Grenzarbeiter und Saisonarbeiter sowie theoretische Einordnung von Integration, Assimilation und Akkulturation.
3. Historie der Ausländerbeschäftigung und Ausländerpolitik in Deutschland: Historischer Rückblick auf die Entwicklung der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte seit dem 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
4. Theorieangebote der Migrationsforschung: Vorstellung theoretischer Ansätze zur Integration, darunter Essers Assimilationsmodell, Hoffmann-Nowotnys Unterschichtungsmodell und das Modell ethnischer Kolonien nach Heckmann.
5. Aspekte der Wanderbewegungen von temporärer Arbeitsmigration: Detaillierte Analyse der Beweggründe für die temporäre Arbeitsmigration sowohl aus Sicht der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer.
6. Die sozialen Strukturen der Beschäftigten: Statistische Auswertung der befragten Saisonkräfte hinsichtlich soziodemografischer Merkmale, Sprachkenntnisse und Loyalität.
7. Moralische Bedenken bei der Saisonarbeitnehmerbeschäftigung: Kritische Auseinandersetzung mit Lohnfragen, Arbeitsbedingungen, Wohnsituation und bestehenden Vorurteilen in der Branche.
8. Gibt es Alternativen zur Saisonarbeitnehmerbeschäftigung?: Untersuchung, ob die heimische Landwirtschaft ohne ausländische Saisonkräfte wettbewerbsfähig bleiben kann oder ob ein Maschineneinsatz eine Alternative bietet.
9. Schluss: Zusammenfassende Bewertung der moralökonomischen Vertretbarkeit und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.
Saisonarbeit, Landwirtschaft, Migration, Arbeitsmarkt, Lohnpolitik, Integration, Wettbewerbsfähigkeit, moralökonomische Analyse, Arbeitskräfteanwerbung, Wanderungsmotive, soziale Strukturen, Weinbau, Ausländerbeschäftigung, Vorurteile, Arbeitsbedingungen.
Die Arbeit analysiert die moralökonomischen Aspekte der Saisonarbeit in der deutschen Landwirtschaft, mit einem besonderen Fokus auf dem Weinbau, unter Berücksichtigung ökonomischer und sozialer Faktoren.
Zentrale Themen sind die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte, die Lohnstrukturen, die Wohnverhältnisse, die Integration der Saisonkräfte sowie die Frage nach der Wettbewerbsfähigkeit ohne diese Beschäftigten.
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob die Beschäftigung von Saisonarbeitnehmern unter moralischen Gesichtspunkten vertretbar ist und welche ökonomischen Zwänge sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer zu dieser Form der Migration motivieren.
Die Untersuchung basiert auf einer empirischen Datenerhebung mittels anonymer Befragungen bei 25 landwirtschaftlichen Betrieben, ergänzt durch eine fundierte Literaturanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Migration, einen historischen Abriss der Ausländerbeschäftigung in Deutschland, die Analyse der Wanderungsmotive, die sozialen Strukturen der Beschäftigten sowie eine ethische Bewertung der Lohn- und Lebensbedingungen.
Saisonarbeit, Migration, Arbeitsmarkt, moralökonomische Analyse, Landwirtschaft, Integration, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsbedingungen.
Der Autor greift dieses Thema auf, um zu untersuchen, inwiefern negative Stereotype gegenüber Saisonarbeitern (z.B. aus Polen oder Rumänien) in der Praxis des Betriebsalltags existieren oder durch persönlichen Kontakt abgebaut werden können.
Der Autor schließt, dass die deutsche Landwirtschaft weiterhin auf Saisonkräfte angewiesen ist, da alternative Lösungsansätze wie ein vollständiger Maschineneinsatz oder die Beschäftigung heimischer Arbeitskräfte ökonomisch oft nicht realisierbar oder ineffizient sind.
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