Doktorarbeit / Dissertation, 2012
245 Seiten
1. Einleitung
1.1. Fragestellung der Arbeit
1.2. Ein Überblick über die Untersuchung
1.3. Hypothesen
2. Begriffsbestimmung
2.1. Rechtsextremismus
2.1.1. Rechtsextremismus, Rechtsradikalismus, Nationalsozialismus und Faschismus als amtlich-rechtlicher Begriff
2.1.2. Rechtsextremismus als politikwissenschaftlicher Begriff
2.2. Demokratie
2.2.1. Der Begriff Demokratie
2.2.2. Der herkömmliche Demokratiebegriff im Konflikt mit der Definition der Rechtsextremen: Diskussion der Kompatibilität beider Definitionen
3. Hennigsdorf – ein Stadtportrait
3.1. Ein Stadtportrait
3.1.1. Die politische Struktur
3.1.2. Gesamtgeschichtliche Betrachtung
3.1.3. Zwangsarbeit und die Außenlager des Konzentrationszentrums Sachsenhausen/Oranienburg
3.1.4. Stadtbild: Industrie- und Touristenstadt
3.2. Die Situation der Migranten und das Asylbewerberheim
3.3. Jugendszene – ein Überblick
4. Methodik
4.1. Interviewmethode
4.2. Zugang zu den Interviewpartnern
4.3. Interviewdurchführung
4.4. Datenauswertung
4.5. Interviewpartner
4.5.1. Ein Überblick
4.5.2. Eine Portraitreihe
4.5.2.1. Portrait Rick R.
4.5.2.2. Portrait Vivien V.
4.5.2.3. Portrait Mandy M.
4.5.2.4. Portrait Matthias S.
4.5.2.5. Portrait Michael M.
4.5.2.6. Portrait Andy A.
5. Rechtsextreme Szene und Strukturen in Hennigsdorf
5.1. Überblick
5.1.1. Geschichtliche Entwicklung des Rechtsextremismus in Hennigsdorf
5.1.2. Die aktuelle Situation in Hennigsdorf: Überblick und Akzeptanz in der Gesellschaft
5.1.3. Struktur der rechten Szene
5.1.4. Kommunalwahl 2008
5.1.5. Rechtsextreme Straftaten
5.1.6. Die Situation für Ausländer in Hennigsdorf
5.2. Rechtsextreme Jugendkultur in Hennigsdorf
5.2.1. Rechtsextreme Gewalt, Protestverhalten und Demonstrationen in Hennigsdorf
5.2.2. Männer und Frauen in der Szene
5.2.3. Treffpunkte und Szeneläden in Hennigsdorf
5.2.4. Musik in der rechten Szene und in Hennigsdorf
5.3. Fazit
5.4. Strategien gegen Rechts
5.4.1. Das Aktionsbündnis gegen Rechts und die Hennigsdorfer Antifaschistische Initiative HAI
5.4.2. H.A.L.T. - Das Aktionsbündis für lebendige Teilhabe
5.4.3. Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage
5.4.4. Die Nachhilfeeinrichtung Faq'n' Fun
5.5. Ursachen des Rechtsextremismus in Hennigsdorf – eine Analyse
5.5.1. Fehlende kommunale Gegensteuerung
5.5.2. Akzeptanz durch staatliche Organe
5.5.3. Fehlende Anlaufstellen
5.5.4. Falsche Ansatzpunkte
6. Analyse - Entwicklung von Rechtsextremismus auf der Makroebene und Mikroebene sowie deren Zusammenspiel
6.1. Entwicklung von Rechtsextremismus auf der Makroebene
6.1.1. Nährboden Ostdeutschland: Gründe für die Entwicklung des Rechtsextremismus in Ostdeutschland nach 1990
6.1.2. Die Ausweitung des Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern als Folge der autoritären Sozialisation der DDR-Bürger und des daraus resultierenden fehlenden Demokratieverständnisses
6.1.3. Die Ausweitung des Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern als Folge des Transformationsprozesses zweier politischer Systeme und der damit verbundene schnelle Gesellschafts- und Systemwandel sowie politische Unzufriedenheit
6.1.4. Zwischenfazit
6.2. Entwicklung von rechtsextremen Einstellungsmustern auf Mikroebene
6.2.1. Erziehungsstil – der autoritäre Charakter
6.2.2. Die Qualität der familiären Beziehungen und der Bindung zur primären Bezugsperson
6.2.3. Transmission
6.2.4. Einflussfaktor Bildungsgrad
6.3. Entwicklung von Rechtsextremismus – Zusammenspiel zwischen Mikro- und Makroebene
6.3.1. Konzept zur Entwicklung rechtsextremer Einstellungen
6.3.2. Entwicklung rechtsextremer Einstellungsmuster bei den Probanden
6.3.2.1. Rick R.
6.3.2.2. Vivien V.
6.3.2.3. Mandy M.
6.3.2.4. Matthias M.
6.3.2.5. Michael M.
6.3.2.6. Andy A.
6.3.3. Fazit
7. Rechtsextremismus bekämpfen – Gegenstrategien und Möglichkeiten in der Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen
7.1. Grundsätze der akzeptierenden Jugendarbeit
7.1.1. Grundlegende Handlungsmuster der akzeptierenden Jugendarbeit
7.1.2. Gesellschaftlicher Stand der akzeptierenden Jugendarbeit und Kritik am Konzept
7.2. Dasselbe Ziel - ein neuer Weg
7.3. Zwischenfazit
7.4. Handlungsempfehlungen und Lösungsansätze für die Stadt Hennigsdorf
8. Fazit
Die Arbeit untersucht monographisch am Beispiel der Stadt Hennigsdorf, wie sich rechtsextreme Orientierungen in der Bevölkerung etablieren konnten und welche Strategien zu deren Bekämpfung in der Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen effektiv sind. Das primäre Ziel ist es, Ursachen auf Mikro- und Makroebene zu analysieren und einen Leitfaden für die Stadt zu entwickeln.
1.1. Fragestellung der Arbeit
„Wir müssen begreifen, so schmerzlich es auch sein mag: Diese jungen Faschisten sind das Produkt unserer Gesellschaft, es sind unsere Kinder. Wir dürfen sie nicht, nicht einen, verloren geben. Wir haben uns vor Vorurteilen zu hüten, wie oft sind Vorurteile der erste Schritt zur Verurteilung. Selbstverständlich kann es nach allem, was die Nationalsozialisten der Welt und Deutschland angetan haben, keine Toleranz für faschistische Anschauungen und Taten geben. Barmherzigkeit, Wärme und Gesprächsbereitschaft aber sind wir auch den schlimmsten Tätern schuldig.“ (Weiß:1990, S.5)
Rechtsextremismus ist kein Jugendphänomen, sondern in allen Bevölkerungsschichten vertreten. Davor warnte bereits Bernd Wagener. In seiner Rechtsextremismusstudie fand er heraus, dass in vielen ostdeutschen Städten eine „kulturelle Hegemonie rechter Jugendlicher“ besteht. In der restlichen Bevölkerung sowie bei den Gemeindevertretern herrscht Hilflosigkeit, Toleranz und oftmals auch Akzeptanz. Eine demokratische Gegenwehr bleibt in der Regel aus. Die Realität wird oft aus Angst vor negativen Reaktionen der Presse und/oder anderer Gemeinden - aus Imagegründen - geleugnet. (Wagner: 1998a, S.23)
Früher war die rechtsextreme Jugendkultur eine geschlossene Ideologie, heute ist sie offener denn je. Die rechte Jugendkultur ist ein bunter Mix aus Runenkunde, Rassismus, Alkohol und der Ablehnung von Fremden. Und auch die rechten Parteien schwimmen in diesem Wandel mit.
Um das Phänomen Rechtsextremismus in all seinen Dimensionen zu verstehen, ist es notwendig zu klären, wo die Ursprünge rechtsextremer Orientierungen liegen und wie man diesen entgegentreten kann.
1. Einleitung: Einführung in die Problematik des Rechtsextremismus als gesellschaftliches Phänomen und Darlegung der Untersuchungsziele in Hennigsdorf.
2. Begriffsbestimmung: Definition der zentralen Begriffe wie Rechtsextremismus und Demokratie aus amtlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive.
3. Hennigsdorf – ein Stadtportrait: Analyse der politischen, historischen und soziokulturellen Struktur der Stadt Hennigsdorf als Fallbeispiel.
4. Methodik: Beschreibung des Forschungsansatzes, der qualitativen Interviewführung mit Probanden sowie des Zugangs zur rechtsextremen Szene.
5. Rechtsextreme Szene und Strukturen in Hennigsdorf: Detaillierte Betrachtung der lokalen rechten Szene, ihrer Strukturen, Geschichte und der Gegenstrategien.
6. Analyse - Entwicklung von Rechtsextremismus auf der Makroebene und Mikroebene sowie deren Zusammenspiel: Theoretische Herleitung der Entstehung rechtsextremer Orientierungen und Anwendung auf die untersuchten Probanden.
7. Rechtsextremismus bekämpfen – Gegenstrategien und Möglichkeiten in der Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen: Evaluierung der akzeptierenden Jugendarbeit und Entwicklung konkreter Lösungsansätze.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen für die kommunale Praxis.
Rechtsextremismus, Hennigsdorf, akzeptierende Jugendarbeit, politische Sozialisation, Jugendkultur, Rechtsextremismusforschung, Mikrowebene, Makroebene, Autoritarismus, Demokratie, Migration, Prävention, Biografieanalyse, Brandenburg, Zwangsarbeit.
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Rechtsextremismus monographisch am Beispiel der Stadt Hennigsdorf. Dabei wird erforscht, wie rechtsextreme Orientierungen entstehen, wie sich die rechte Szene in der Stadt strukturiert und welche Möglichkeiten bestehen, ihr entgegenzuwirken.
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Begriffsbestimmung von Rechtsextremismus, eine detaillierte Stadtanalyse, die methodische Aufarbeitung von Experten- und Betroffeneninterviews sowie die Diskussion pädagogischer Ansätze der akzeptierenden Jugendarbeit.
Die Arbeit fragt danach, wie Rechtsextremismus generell entsteht, wie man Dimensionen auf Mikro- und Makroebene analysieren kann und welche Fehler die Stadt Hennigsdorf bei der Bekämpfung macht, um daraus einen Leitfaden für die Stadt zu entwickeln.
Es werden qualitative Methoden verwendet, insbesondere narrativ-biografische Interviews mit insgesamt 20 Personen, darunter junge Erwachsene aus der rechten Szene sowie lokale Entscheidungsträger und Fachkräfte.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Hennigsdorfer Strukturen, eine tiefgehende Untersuchung der Entstehungsursachen von Rechtsextremismus auf Mikro- und Makroebene sowie die Vorstellung und kritische Würdigung von Gegenstrategien.
Die wichtigsten Begriffe sind Rechtsextremismus, Hennigsdorf, akzeptierende Jugendarbeit, politische Sozialisation, Autoritarismus und die Verflechtung von individueller Biografie und gesellschaftlichem Umfeld.
Die akzeptierende Jugendarbeit wird als kontroverses, aber im Ansatz wichtiges Konzept zur Einbindung rechtsextremer Jugendlicher diskutiert, um deren Weltbild durch Dialog und respektvollen Umgang aufzubrechen.
Die Autorin sieht die bisherigen Maßnahmen, wie sporadische Protestaktionen, als wenig zielführend an. Sie fordert stattdessen eine umfassende Gesamtstrategie, eine bessere Koordinierung durch ein zentrales Gremium und eine echte Auseinandersetzung mit der Problematik an der Wurzel.
Basierend auf den Theorien von Heitmeyer und der Hopf-Gruppe zeigt die Analyse, dass ungefestigte Bindungserfahrungen und ein autoritärer Erziehungsstil wesentliche Faktoren für die Ausbildung rechtsextremer Orientierungen bei den untersuchten Probanden sind.
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