Diplomarbeit, 2002
232 Seiten, Note: 2
1. Einleitung
2. Zur Menschenbildkonzeption
3. Zu den medizinischen Hintergründen einer Aphasie
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Ätiologie
3.3 Klassifikation der aphasischen Syndrome
3.3.1 Globale Aphasie
3.3.2 Broca-Aphasie
3.3.3 Wernicke-Aphasie
3.3.4 Amnestische Aphasie
3.3.5 Nicht-Standard-Syndrome
3.3.6 Anmerkungen zu den Klassifikationen
3.4 Begleiterscheinungen der Aphasie
4. Sprach- und kommunikationstheoretische Aspekte im Zusammenhang mit Aphasie
4.1 Begriffsbestimmungen
4.2 Theoretische Grundlagen zur Kommunikation
4.3 Störungen der Kommunikation
4.4 Kommunikation mit Menschen, die von Aphasie betroffen sind
5. Leben mit Aphasie
5.1 Zur Theorie von Belastungs- und Bewältigungsprozessen
5.1.1 Begriffsbestimmungen
5.1.2 Zu Phasenmodellen
5.1.3 Transaktionales Bewältigungsmodell
5.1.4 Ein allgemeines Modell zur Analyse kritischer Lebensereignisse
5.2 Belastung und Bewältigung im Zusammenhang mit Aphasie
5.2.1 Emotionale und soziale Belastungen
5.2.2 Beeinflussende Faktoren im Bewältigungsprozess
6. Zu Aphasiker-Selbsthilfegruppen und professioneller Unterstützung
6.1 Begriffsbestimmungen
6.2 Zur Bedeutung von Aphasiker-Selbsthilfegruppen
6.2.1 Zu Entstehungsgründen von Selbsthilfegruppen
6.2.2 Zur Bedeutung von Sprache in Selbsthilfegruppen
6.2.3 Zu Aufgaben und Zielen der Selbsthilfegruppenarbeit
6.3 Zu Professioneller Unterstützung von Aphasiker-Selbsthilfegruppen
6.3.1 Selbsthilfe und Professionalität – unvereinbare Gegensätze?
6.3.2 Zum Rollenverständnis von Selbsthilfegruppen-Unterstützern
6.3.3 Zu professioneller Unterstützung von Aphasiker-Selbsthilfegruppen
7. Methodologische Überlegungen zur Untersuchung der Bedeutung von Selbsthilfegruppen unter besonderer Berücksichtigung von Belastungen und Bewältigungen im Zusammenhang mit Aphasie
7.1 Zur Forschungsmethode
7.1.1 Begründung für ein qualitatives Vorgehen
7.1.2 Zum Forschungsdesign
7.1.3 Die Methode des qualitativen Interviews und eigenes methodologisches Vorgehen
7.1.4 Zur Transkription als Methode der Aufbereitung
7.2 Zur Methode der Auswertung und eigenes Vorgehen
7.2.1 Erster Schritt der Auswertung: Paraphrasierung
7.2.2 Zweiter Schritt der Auswertung: Kodierung
7.2.3 Dritter Schritt der Auswertung: Kategorisierung
7.2.4 Fünfter Schritt der Auswertung: Generalisierende Analyse
8. Auswertung der Interviews
8.1 Selbsthilfegruppe Kiel
8.1.1 Rahmenbedingungen und Gruppenzusammensetzung
8.1.2 Zugang zur Gruppe
8.2 Reflexion des eigenen kommunikativen Handelns
8.3 Dritter Schritt der Auswertung: Kategorisierung
8.3.1 Interview A
8.3.2 Interview B
8.3.3 Interview C
8.3.4 Interview D
8.4 Vierter Schritt der Auswertung: Generalisierende Analyse
8.5 Konsequenzen für die professionelle Unterstützung von Aphasiker-Selbsthilfegruppen
9. Schlussbetrachtung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Aphasiker-Selbsthilfegruppen im Bewältigungsprozess von Menschen mit Aphasie und analysiert, wie Fachleute die Gruppenarbeit sinnvoll unterstützen können. Die Forschungsfrage leitet sich aus dem Bedarf an Handlungsgrundlagen für eine professionelle Unterstützung ab, die das Prinzip der Selbsthilfe respektiert.
1. Einleitung
Jeder individuelle Lebenslauf ist gekennzeichnet durch eine Vielfalt unvorhergesehener, dramatischer Ereignisse, die die Lebenssituation und damit die Lebensgestaltung eines Menschen verändernd beeinflussen. Aus einem kritischen Lebensereignis wie einer Aphasie ergeben sich eine Vielzahl von Belastungen in fast allen Bereichen des gewohnten täglichen Lebens. Neben den unmittelbaren durch die Aphasie bedingten Störungen der Sprache ergeben sich durch Lähmungen der rechten Körperhälfte oft zusätzlich Einschränkungen der Mobilität. Von besonderer Bedeutung sind jedoch die Veränderungen im sozialen Leben des Betroffenen, die meist weitaus schwerwiegender sind, als die Sprachstörung selbst. Das gesamte Leben ist eingebettet in Beziehungen zu den Mitmenschen; auch die Selbstverwirklichung jedes Individuums geschieht über Begegnungen, Beziehungen und Kommunikation mit anderen Menschen. Wenn die Sprache als elementarer Bestandteil des Menschseins und der menschlichen Kommunikation plötzlich nicht mehr zur Verfügung steht, führt dies im Leben der Betroffenen oft zu großen Belastungen.
Belastende und stressreiche Ereignisse, wie das plötzliche Auftreten von Aphasie und deren Folgen machen Prozesse der Auseinandersetzung erforderlich, um sich an die neu entstandene Situation anpassen zu können. Innerhalb der Bewältigungsforschung werden verschiedene Konzepte der Bewältigung stressreicher bzw. kritischer Lebensereignisse vorgestellt (z.B. FILIPP 1995, LAZARUS 1995, SCHUCHHARDT 1982). Eine mögliche Form der Bewältigung bzw. eine Hilfe im Prozess der Auseinandersetzung mit einem belastenden Ereignis wie einer Aphasie kann die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe sein.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gravierenden Auswirkungen der Aphasie auf das Leben der Betroffenen und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit nach der Rolle und Unterstützung von Selbsthilfegruppen vor.
2. Zur Menschenbildkonzeption: Dieses Kapitel erläutert das humanistische Menschenbild als theoretische Basis für den Umgang mit Aphasie-Betroffenen.
3. Zu den medizinischen Hintergründen einer Aphasie: Es erfolgt eine medizinische Definition, Ätiologie und Klassifikation der verschiedenen Aphasie-Syndrome.
4. Sprach- und kommunikationstheoretische Aspekte im Zusammenhang mit Aphasie: Die theoretischen Grundlagen der Kommunikation werden auf die spezifischen Herausforderungen von Aphasie-Betroffenen angewendet.
5. Leben mit Aphasie: Das Kapitel befasst sich intensiv mit der Theorie von Belastungs- und Bewältigungsprozessen im Kontext der Sprachstörung.
6. Zu Aphasiker-Selbsthilfegruppen und professioneller Unterstützung: Die Bedeutung, Ziele und der professionelle Unterstützungsbedarf von Selbsthilfegruppen werden hier theoretisch fundiert.
7. Methodologische Überlegungen zur Untersuchung der Bedeutung von Selbsthilfegruppen unter besonderer Berücksichtigung von Belastungen und Bewältigungen im Zusammenhang mit Aphasie: Das Kapitel beschreibt den qualitativen Forschungsansatz, die Interviewmethode und die Auswertungsstrategie.
8. Auswertung der Interviews: Hier werden die Ergebnisse der qualitativen Interviews dargestellt, in Kategorien unterteilt und theoriegeleitet analysiert.
9. Schlussbetrachtung und Ausblick: Eine Zusammenfassung der Erkenntnisse reflektiert den Forschungsprozess und bietet einen Ausblick auf künftige Unterstützungsmöglichkeiten.
Aphasie, Selbsthilfegruppe, Bewältigungsprozess, professionelle Unterstützung, Kommunikation, Sprachstörung, psychosoziale Belastungen, qualitative Forschung, Problemzentriertes Interview, Inhaltsanalyse, Empowerment, Angehörigenberatung, soziale Integration, Handlungsforschung, Aphasiker.
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Aphasiker-Selbsthilfegruppen im Bewältigungsprozess von Menschen, die durch eine Aphasie einschneidende Veränderungen in ihrem sozialen und alltäglichen Leben erfahren haben.
Die zentralen Themen sind der Umgang mit Aphasie, die Theorie von Belastung und Bewältigung sowie die Rolle und Gestaltung professioneller Unterstützung für Selbsthilfegruppen.
Das Ziel ist es, herauszufinden, welchen Stellenwert Aphasiker-Selbsthilfegruppen für die Betroffenen haben und wie Fachleute diese Arbeit unterstützen können, ohne die Selbstverantwortung der Mitglieder zu schwächen.
Die Autorin verwendet eine qualitative Forschungsstrategie, konkret das problemzentrierte Interview, um subjektive Erfahrungen und Perspektiven von Betroffenen zu erfassen.
Der Hauptteil umfasst medizinische Grundlagen, kommunikationstheoretische Aspekte, Theorien zu Belastung und Bewältigung sowie die methodologische Fundierung der Untersuchung und deren praktische Auswertung.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Aphasie, Selbsthilfegruppe, Bewältigung, professionelle Unterstützung, Kommunikation und psychosoziale Belastung charakterisiert.
Die Autorin lehnt diesen Begriff ab, da er defizitorientiert ist und das Störungsbild anstelle des Menschen in den Vordergrund stellt; stattdessen werden Begriffe wie „von Aphasie betroffener Mensch“ bevorzugt.
Die Ergebnisse legen nahe, dass eine professionelle Unterstützung nicht steuernd eingreifen sollte, sondern sensibel auf individuelle Bedürfnisse reagieren muss, beispielsweise durch Gesprächsregeln oder Hilfe bei der Organisation, ohne die Eigenverantwortung zu untergraben.
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