Bachelorarbeit, 2010
27 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Was ist Postmoderne?
2.2. Die Theoretiker
2.2.1. Jean-François Lyotard und „La condition postmoderne“
2.2.2. Michel Foucault und die Macht im Diskurs
2.2.3. Jacques Derrida, Text und Dekonstruktion
2.2.4. Hayden White und das „Enplotment“ der Geschichtsforschung
2.3. „Postmoderne“ als Streitbegriff
2.4. Grundhaltung: „Postmoderne“?
3. Fazit
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Verhältnis zwischen der Postmoderne und der Geschichtswissenschaft. Das zentrale Ziel ist es, die theoretischen Ansätze der Postmoderne auf ihre Anwendbarkeit und erkenntnistheoretische Relevanz für die Geschichtsforschung zu prüfen, ohne dabei die disziplinäre Eigenständigkeit der Geschichtswissenschaft infrage zu stellen.
2.2.1 Jean-François Lyotard und „La condition postmoderne“
Jean-François Lyotard, geboren 1924 in Versailles und gestorben 1998 in Paris, war französischer Philosoph und Professor unter anderem an den Universitäten von Paris und Kalifornien; ein sogenannter öffentlicher Intellektueller. Aber vor allem war er der Autor der 1979 veröffentlichten Studie Das Postmoderne Wissen: Ein Bericht, die er im Auftrag der Regierung von Quebec, Kanada, anfertigte. Er sollte herausfinden, wie sich die neuen Medienmöglichkeiten auf das internationale Wissen auswirkten. Sein Ergebnis wird seine Auftraggeber überrascht haben. So stellte Lyotard fest, dass die Moderne von drei großen Erzählungen, die er „Metaerzählungen“ nennt, beherrscht wurde. Dies sind die Erzählung von der Emanzipation des Menschen, die Metaerzählung der Aufklärung, die Erzählung von der Selbsterkenntnis des Weltgeistes, die Metaerzählung des Idealismus und schlussendlich die Erzählung von der hermeneutischen Suche nach Sinn, der Metaerzählung des Historismus.
Diese Metaerzählungen haben sich durch das Scheitern der Moderne aufgelöst und verlieren unter der Perspektive der Postmoderne ihre Legitimationskraft. Jetzt sind es die vielen kleinen Erzählungen und Realitäten, die vorherrschen und vor allem vorherrschen können, weil sie nicht mehr in eine der Metaerzählungen hineingedrängt werden. Es gibt also kein universelles Wissen oder Wissensverständnis mehr und die Postmoderne wird als „rejection and war on the appeal to universality and its subsequent resolution of difference by the imposition of rule governing phrases“ verstanden. Was bedeutet diese Erkenntnis für die Geschichtswissenschaft? Zum einen natürlich, dass sich die Wissenschaft ihrer eigenen Metaerzählungen bewusst werden muss und deren Auswirkungen, die auch dann noch nachwirken, wenn die Metaerzählung selbst längst Vergangenheit ist. Zum anderen lässt sich die Erkenntnis ableiten - auch wenn sie in den 70er Jahren schon längst nicht mehr als neu bezeichnet werden konnte - dass man große, universale Geschichten nicht mehr erzählen kann. Oder besser gesagt, dass sie nur unter Vorbehalten und größten Verlusten zu erzählen sind. Wenn man aber die Metaerzählungen selbst betrachtet, geben sie der Geschichtswissenschaft ein Erklärungsmuster für die Ereignisse der letzten zwei Jahrhunderte vor – bezogen auf Europa. So partikularistisch Lyotard auch denkt, den Eurozentrismus legt er niemals vollständig ab.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Postmoderne unter Verwendung einer Metapher und Formulierung der Forschungsfrage nach der Bedeutung der Postmoderne für die Geschichtswissenschaft.
2. Hauptteil: Detaillierte Untersuchung des Begriffs Postmoderne sowie Analyse der Theorien von Lyotard, Foucault, Derrida und White und deren Einfluss auf die historische Forschung.
3. Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die bleibende Relevanz postmoderner Impulse für die Geschichtswissenschaft und die Notwendigkeit, trotz theoretischer Herausforderungen die Wissenschaftlichkeit zu bewahren.
Postmoderne, Geschichtswissenschaft, Metaerzählungen, Dekonstruktion, Diskursanalyse, Enplotment, Konstruktivismus, Historismus, Moderne, Quellenkritik, Kulturgeschichte, Narratologie, Wissensproduktion, Identität, Interdisziplinarität.
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftstheoretischen Strömung der Postmoderne und deren kritischer Auseinandersetzung mit der Geschichtswissenschaft.
Im Zentrum stehen die Begriffsgeschichte der Postmoderne, die Dekonstruktion von Metaerzählungen sowie die Frage, ob Geschichtsschreibung als reine Literatur oder als wissenschaftliche Disziplin zu betrachten ist.
Die Arbeit fragt danach, ob sich Konzepte wie die Dekonstruktion oder Diskursanalyse für die Geschichtsforschung fruchtbar machen lassen, ohne deren wissenschaftlichen Anspruch aufzugeben.
Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die theoretische Ansätze (insbesondere poststrukturalistische) auf historiographische Texte und Methoden anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Theoretiker Lyotard, Foucault, Derrida und White sowie eine Diskussion über die Postmoderne als Streitbegriff und deren Einfluss auf benachbarte Disziplinen wie die Ethnologie.
Wesentliche Begriffe sind Postmoderne, Dekonstruktion, Diskursanalyse, Metaerzählung und die Konstruktion von Wirklichkeit im historischen Prozess.
Die Ethnologie dient als Vergleichsbeispiel, da sie sich aufgrund ihrer Nähe zur Geschichtswissenschaft und ihrer Auseinandersetzung mit der „Writing Culture“-Debatte ebenfalls mit der Konstruktion von Realität durch Sprache auseinandersetzen musste.
Die Autorin betont, dass trotz der postmodernen Skepsis gegenüber der Objektivität die historischen Quellen ein „Vetorecht“ besitzen, das die Geschichtswissenschaft von der fiktionalen Literatur unterscheidet.
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