Magisterarbeit, 2006
135 Seiten, Note: 1,4
1. Einleitung
2. Mythen
2.1 Der ‚klassische’ Mythos
2.2 Der ‚moderne’ Mythos
2.3 Heldenmythen – Opfermythen
2.4 Folgen von Mythologisierung: Erinnerung und Geschichtsschreibung
3. Das U-Boot in Deutschland
3.1 Von der Utopie zur Wirklichkeit: Das Tauchboot
3.2 Ein Produkt der Moderne
3.3 Die „Waffe des Schwachen“
4. Die Entstehung des Mythos
4.1 Historische Entwicklung
4.1 Flottenpolitik im Deutschen Kaiserreich, Marinepropaganda und gesellschaftliche Ausgangslage 1914
4.2 Erster Weltkrieg: Aus der Not geboren
4.3 U-Boote zwischen den Weltkriegen: Verbot und Apologetik
4.4 Zweiter Weltkrieg: der Tradition verpflichtet
5. Erklärungsversuche für die ‚Faszination U-Boot’
5.1 Materie
5.2 Psychologische Momente
5.2.1 Allgemeine Faktoren
5.2.2 Sexuelle Aufladung der Thematik
5.3 Metaphorik und Propaganda
6. Das U-Boot Bild in der DDR
7. Wirkt der Mythos heute weiter?
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle und gesellschaftliche Faszination für das U-Boot in Deutschland über das 20. Jahrhundert hinweg, mit dem Ziel aufzuzeigen, dass kriegerische Ereignisse zwar notwendige, aber keine hinreichenden Gründe für diese Popularität darstellen.
2.1 Der ‚klassische’ Mythos
Der Mythos ist ein fester Bestandteil der menschlichen Geistes- und Kulturgeschichte.16 „Mythen gehören zum Leben der Menschen, ohne Mythen kann der Mensch ebenso wenig leben, wie eine Pflanze ohne Wurzeln.“17
Ein Mythos im ‚klassischen’ Sinne wurde ursprünglich immer dann bemüht, wenn ein von Unerklärlichkeiten so weit als möglich befreites Weltbild geschaffen werden sollte, denn „menschliches Dasein ist seit je mit Phänomenen konfrontiert, die ungeklärt oder kaum kalkulierbar sind und Unbehagen bereiten.“18 Um dem Menschen in jenen unvermeidlichen und unerklärbaren oder extremen Situationen Rückhalt und Handlungssicherheit zu bieten, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:
Man kann versuchen zu einer rationalen Erklärung für das Vorkommnis zu kommen, oder man ummantelt das Ereignis mit mythischen Erzählungen, deren Bilder allgemein verständlich sind und daher helfen, das Vorkommnis in einen akzeptablen Kontext innerhalb der bekannten Welt einzuordnen. Viele dieser Mythenbilder, beispielsweise der griechischen Sagenwelt, sind uns bis heute nach fast 3000 Jahren noch immer geläufig.19
Mythen wurden von den Griechen meist dann herangezogen, wenn es für sie keine anderen hinreichenden Erklärungen für bestimmte natürliche Phänomene oder Ereignisse gab.20 Somit stellen sie, wie Hans Barth bemerkt, eine Art ‚vorwissenschaftlicher Wissenschaft’ dar.21 In diesem Sinne verstoßen Mythen - vom heutigen Standpunkt aus betrachtet - stets auch gegen die wissenschaftlichen Standards der faktischen Genauigkeit und sinnhaften Wahrheit.
1. Einleitung: Einführung in die Popularität des U-Boot-Krieges und Zielsetzung der Arbeit.
2. Mythen: Theoretische Grundlagen des Mythenbegriffs sowie der Helden- und Opfermythologie.
3. Das U-Boot in Deutschland: Technologische Entwicklung vom Tauchboot hin zur modernen Waffe.
4. Die Entstehung des Mythos: Historische Analyse der Rezeption von 1914 bis zum Zweiten Weltkrieg.
5. Erklärungsversuche für die ‚Faszination U-Boot’: Untersuchung psychologischer und sexueller Aspekte der Faszination.
6. Das U-Boot Bild in der DDR: Analyse der abweichenden Erinnerungskultur in der DDR.
7. Wirkt der Mythos heute weiter?: Einordnung der U-Boot-Rezeption in der Bundesrepublik.
U-Boot-Mythos, U-Boot-Krieg, Nationalsozialismus, Marinepropaganda, Heldengeschichte, technologische Faszination, Kollektives Gedächtnis, Technik-Mythos, Opfermythos, Kriegsmarine, deutsche Marinegeschichte, Psychologie des Krieges, Wilhelm Bauer, Dönitz, Unterwasserkrieg.
Die Arbeit analysiert, warum das U-Boot trotz oder gerade wegen der militärischen Niederlagen in Deutschland eine derart hohe kulturelle Faszination ausübt.
Die Arbeit verbindet Technikgeschichte mit Mythenforschung, Soziologie und tiefenpsychologischen Analysen, um die Wirkungsmacht des U-Boot-Bildes zu erklären.
Es soll gezeigt werden, dass der Verlauf der Weltkriege allein nicht ausreicht, um das nachhaltige Interesse an U-Booten zu erklären; stattdessen spielten politische Rahmenbedingungen und Mythenbildung eine entscheidende Rolle.
Es handelt sich um einen interdisziplinären Ansatz, der kulturwissenschaftliche, psychologische und historische Diskurse kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Entwicklung, die propagandistische Mythenbildung in verschiedenen Ären sowie die tiefenpsychologische Untersuchung des Bootes als „lebendiges“ Projektionsobjekt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie U-Boot-Mythos, Kollektives Gedächtnis, Marinepropaganda und Heldenmythos beschreiben.
Die Arbeit zeigt, dass Autoren und Propaganda das Boot oft als beseeltes Wesen darstellten, um die Identifikation der Besatzung und der Öffentlichkeit mit der Maschine zu stärken.
Propaganda fungierte als „Steigbügelhalter“, indem sie selektive Informationen lieferte und Begriffe wie „Heldentod“ oder „Wunderwaffe“ nutzte, um das U-Boot-Bild positiv zu besetzen.
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