Bachelorarbeit, 2010
55 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Integration und Desintegration in modernen Gesellschaften
2.1 Das Konzept sozialer Integration
2.2 Analysen zur Desintegration
3 Dimensionen der Integrations-Desintegrations-Dynamik
3.1 Anomie
3.2 Konflikt
3.3 Ausgrenzung und Ungleichheiten
3.4 Kontrolle
4 Jugendliche im Migrationskontext
5 Was bedeutet Gewalt?
5.1 Der Begriff der „Gewalt“
5.2 Der Begriff der „Jugendkriminalität“
6 Aktuelle Situation jugendlicher Gewalt
6.1 Gewalt im Hellfeld
6.2 Gewalt im Dunkelfeld
6.3 Wie entsteht Gewalt? - Erklärungsansätze
7 Der Bielefelder Desintegrationsansatz
7.1 Konzept in den 1990er Jahren
7.2 Aktuelles Theoriekonzept
7.3 Der Migrationsbezug
7.4 Kritik am Desintegrationsansatz
8 Fazit
Die Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob Jugendliche mit Migrationshintergrund im Vergleich zu deutschen Jugendlichen ein höheres Gewaltpotenzial aufweisen, und analysiert, welche Desintegrationsfaktoren in der modernen Gesellschaft dieses Verhalten erklären können.
3.1 Anomie
Der Begriff der Anomie wurde vor über 100 Jahren von Emil Durkheim in die Soziologie eingeführt, vor allem in Rahmen seiner Untersuchungen zur Arbeitsteilung, sowie in seinem Buch über den Selbstmord. Durkheim stützt sich bei seinen Ausführungen auf den Begriff der „moralischen Anomie“ des Philosophen Guyan. Dieser hatte den Begriff im positiven Sinne genutzt, um eine moderne Form der Moral auszudrücken, „die sich nicht mehr auf sozial generierte, institutionell fixierte Regeln stützen sollte, sondern individuell zu gestalten sei“ (Helmut Thome 2008, In: Imbusch/Heitmeyer 2008, S. 225). Durkheim meint hingegen mit „Anomie“ bestimmte gesellschaftliche „Pathologien“, insbesondere Defizite normativer Regulierung.
Die zweite Quelle mit der Anomiebegriff in Verbindung gebracht wird, sind die Aufsätze von Robert K. Merton, über „Social Structure and Anomy“.
Die Anomie-Theorie ist eine der am meisten und intensivsten diskutierten Theorien der Soziologie. So hat sich der Begriff im Laufe der Zeit weiterentwickelt und ausgedehnt. Problematisch wird es wenn nicht zwischen „sozialer Anomie“ als Merkmal sozialer Systeme und „psychischer Anomie“ als Merkmal von Personen unterschieden wird. Sowohl Merton als auch Durkheim sehen Anomie als soziales Phänomen, als Zustand der Norm- und Regellosigkeit, die sowohl einzelne Personen betreffen kann, als auch eine komplette Gesellschaft, vor allem im Zuge schnellen sozialen Wandels, insbesondere in Zeiten beschleunigten wirtschaftlichen Wachstums oder Niedergangs.
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Einbettung in den wissenschaftlichen Diskurs.
2 Integration und Desintegration in modernen Gesellschaften: Theoretische Grundlegung der Begriffe Integration und Desintegration im Kontext der Moderne und Globalisierung.
3 Dimensionen der Integrations-Desintegrations-Dynamik: Detaillierte Analyse soziologischer Mechanismen wie Anomie, Konflikttheorien und Formen der sozialen Ausgrenzung und Kontrolle.
4 Jugendliche im Migrationskontext: Definition des Begriffs Migrationshintergrund und Darstellung der demografischen Situation und Heterogenität dieser Gruppe.
5 Was bedeutet Gewalt?: Erläuterung der Begriffe Gewalt und Jugendkriminalität aus soziologischer und kriminologischer Sicht.
6 Aktuelle Situation jugendlicher Gewalt: Analyse von Hellfelddaten (Polizeiliche Kriminalstatistik) und Dunkelfeldstudien zur Kriminalitätsentwicklung bei Jugendlichen.
7 Der Bielefelder Desintegrationsansatz: Vorstellung des theoretischen Modells von Wilhelm Heitmeyer zur Erklärung von Gewalt durch Desintegrationsprozesse.
8 Fazit: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage zur Gewaltbereitschaft und den Ursachen der Desintegration.
Jugendkriminalität, Migration, Integration, Desintegration, Bielefelder Desintegrationsansatz, Anomie, soziale Ausgrenzung, Gewaltprävention, Hellfeldstudien, Dunkelfeldstudien, Identitätsbildung, soziale Ungleichheit, Labeling Approach, Moderne Gesellschaft, Migrationshintergrund.
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen Desintegration, Migration und der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen in der modernen Gesellschaft.
Zentrale Themen sind soziologische Integrationstheorien, die kriminologische Erfassung von Jugendkriminalität sowie der spezifische Einfluss von Desintegrationserfahrungen auf junge Menschen mit Migrationshintergrund.
Ziel ist es zu klären, ob Jugendliche mit Migrationshintergrund tatsächlich gewaltbereiter sind und ob der Bielefelder Desintegrationsansatz diese Gewalt als Folge von Modernisierungsprozessen erklären kann.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse soziologischer Theorien sowie einer sekundärstatistischen Auswertung empirischer Daten, insbesondere der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und diverser Dunkelfeldstudien.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Dimensionen der Integration, eine kriminologische Begriffsbestimmung, die Analyse offizieller Statistiken sowie die intensive Auseinandersetzung mit dem Bielefelder Desintegrationsansatz.
Wichtige Begriffe sind Integration, Desintegration, Jugendkriminalität, Migration, Anomie und der Bielefelder Desintegrationsansatz.
Der Ansatz verdeutlicht, dass Kriminalität auch durch gesellschaftliche Zuschreibungen und Stigmatisierungsprozesse (Etikettierung) beeinflusst wird, was die Interpretation offizieller Kriminalitätsdaten kritisch hinterfragt.
Die Familie fungiert als primärer Sozialisationsraum, in dem kulturelle Werte vermittelt werden; Konflikte zwischen traditionellen Werten und der Mehrheitsgesellschaft können zu Orientierungslosigkeit und damit zu Desintegration führen.
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