Masterarbeit, 2012
166 Seiten, Note: 1,0
1. Einführung
1.1 Zielsetzungen dieser Arbeit
1.2 Zur Quellenlage
2. Politik, Propaganda, Kultur und Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts
2.1 Politik, Gesellschaft und Propaganda im ausgehenden Kaiserreich
2.2 Zu Kultur und Musik um 1914 - eine Bestandsaufnahme
3. Das Musikleben in Deutschland zwischen 1914 und 1918
3.1 Opernwesen
3.1.1 Allgemeine Betrachtungen
3.1.1 Engelbert Humperdinck: Die Marketenderin
3.2 Konzerte und Liederabende
3.2.1 Allgemeine Betrachtungen
3.2.2 „Beethoven und kein Ende“ - Komponistenverehrung im Ersten Weltkrieg
3.2.3 Volks-, Vaterlands- und Soldatenlieder
3.2.4 Felix Weingartner: Ouvertüre ,Aus ernster Zeit‘ op. 56
3.2.5 Hugo Kaun: Symphonie Nr. 1 ,An mein Vaterland‘ op. 22
3.3 Kirchenkonzerte, Kantaten und oratorische Aufführungen
4. Das Osnabrücker Musikleben zwischen 1914 und 1918
4.1 Theaterwesen
4.2 Kirchenkonzerte
4.3 Sinfonische, kammermusikalische und andere Konzerte
4.4 Weitere musikalisch relevante Artikel
5. Das Deutschtum und der Umgang mit dem Feind in der musikalischen Fachpresse 1914-1918
5.1 Anfeindungen gegen das Ausland, Gegendarstellungen und Reaktionen auf ausländische Anfeindungen
5.2 ,Sprachreinigung‘ - der Umgang mit den Fremdwörtern
5.3 Die Nationalhymnendebatte
5.4 Die ,richtige‘ Fassung der Wacht am Rhein
5.5 Weitere Meldungen und Diskurse
6. Ergebnisse
Diese Arbeit untersucht die Politisierung und Instrumentalisierung von Musik im Ersten Weltkrieg anhand der musikalischen Fachpresse sowie lokaler Berichterstattung aus Osnabrück. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Musik instrumentalisiert wurde, um den Patriotismus zu stärken, Feindbilder zu festigen und als Trostquelle in der kriegerischen Wirklichkeit zu fungieren.
3.1.2 Engelbert Humperdinck: Die Marketenderin
Engelbert Humperdinck kann in der Musikwissenschaft durchaus als ein besonderer Komponist angesehen werden. Seine heutige Bekanntheit basiert nahezu ausschließlich auf einem einzigen Werk, seiner Oper Hänsel und Gretel. Humperdinck ist eines der seltenen Beispiele eines auf ein einziges Werk reduzierten Komponisten. Auch von der Marketenderin ist wenig bekannt, eine Gesamteinspielung ist nicht erhältlich, bei www.opera-guide.ch wird sie nicht einmal aufgelistet.
Die Oper - oder vielleicht müsste man besser formulieren: die Operette - Die Marketenderin wurde im Mai 1914 uraufgeführt. Entstanden und fertiggestellt wurde sie kurze Zeit vorher, die Uraufführung musste jedoch wegen eines Schlaganfalls Humperdincks verschoben werden.
Zunächst zum Inhalt: Die Handlung des ersten Aufzugs der ,Deutschen Spieloper‘ ist im Hauptquartier des Generalfeldmarschalls Gerhard Leberecht von Blücher in Höchst am Main angesiedelt. Man schreibt das Ende des Jahres 1813 und die Befreiungskriege gegen Frankreich unter Blüchers Mitwirkung sind in vollem Gange. Der Koch Johann bereitet zu Beginn der ersten Szene, ein patriotisches Lied singend, das Essen zu, während die Marketenderin Rose in Männerkleidung auf der Straße ihre Hühner verkaufen will und sich gegen die anstehende Passkontrolle durch den Feldwebels Borsch wehrt. Als dieser gemeinsam mit Johann entdeckt, dass sie in Wirklichkeit eine Frau ist, wird sie der Spionage verdächtigt, bis sie von ihrer Arbeit als Marketenderin, also als Versorgerin des Heeres, berichtet. In früherer Zeit waren sie und Johann ineinander verliebt, woran sie sich gemeinsam zurückerinnern.
1. Einführung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie Erläuterung der herangezogenen Quellen.
2. Politik, Propaganda, Kultur und Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Analyse der geistesgeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen im Kaiserreich und Einordnung der Rolle von Propaganda.
3. Das Musikleben in Deutschland zwischen 1914 und 1918: Untersuchung der Entwicklung des Musiklebens, insbesondere des Opernwesens, der Konzertsituation sowie der Instrumentalisierung geistlicher Musik.
4. Das Osnabrücker Musikleben zwischen 1914 und 1918: Spezifische Analyse des Musiklebens in Osnabrück anhand lokaler Zeitungen und Vergleich mit der nationalen Situation.
5. Das Deutschtum und der Umgang mit dem Feind in der musikalischen Fachpresse 1914-1918: Beleuchtung der Anfeindungen gegen ausländische Musik und Künstler sowie der Diskurse um Sprachreinigung und Nationalhymnen.
6. Ergebnisse: Zusammenfassende Betrachtung der Auswirkungen des Krieges auf das Musikleben und die Instrumentalisierung von Musik als Propagandainstrument.
Erster Weltkrieg, Musikgeschichte, Instrumentalisierung, Propaganda, Patriotismus, Oper, Konzertwesen, Osnabrück, Fachpresse, Beethoven-Kult, Musikbolschewismus, Sprachreinigung, Nationalismus, Militarisierung, Kriegskultur.
Die Master-Arbeit analysiert, wie Musik während des Ersten Weltkriegs politisch instrumentalisiert wurde und welche Rolle sie im Diskurs über Patriotismus und Feindbilder spielte.
Zentrale Themen sind die Propaganda durch Musik, die Klassikerverehrung (insb. Beethoven), die Verbannung ausländischer Musik sowie die Untersuchung des Musiklebens in der Provinzstadt Osnabrück.
Das Ziel ist es, die bisher in der musikwissenschaftlichen Forschung vernachlässigte Rolle der Musik als Mittel medialer Beeinflussung während des Ersten Weltkriegs aufzuarbeiten.
Es erfolgt eine systematische Auswertung zeitgenössischer Musikfachzeitschriften (z.B. NZfM, AMZ) sowie lokaler Osnabrücker Tageszeitungen der Jahre 1914 bis 1918.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des nationalen Musiklebens (Oper, Konzerte, Kirche), eine Fallstudie zum Osnabrücker Musikleben sowie eine Analyse der Fachpresse-Diskurse zu Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erste Weltkrieg, Instrumentalisierung von Musik, Propaganda, Patriotismus und musikalische Fachpresse charakterisieren.
Beethoven wird als ein zentrales Instrument nationaler Identität beschrieben, dessen Person und Werk systematisch zum „Heilsbringer“ und Symbol deutscher Überlegenheit stilisiert wurden.
Osnabrück zeigt ein ähnliches Bild wie Großstädte: Ein Rückgang anspruchsvoller Konzerte bei gleichzeitiger Zunahme patriotischer Wohltätigkeitsveranstaltungen und leichter Unterhaltung zur Zerstreuung.
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