Magisterarbeit, 2009
80 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Forschungsstand und Fragestellung
1.2. Begriffserklärung und -definition
2. Besessenheit: Modernes Konzept aus einer psychiatrischen Perspektive
2.1. Unterschiede zwischen moderner und traditioneller Heilung
2.2. Historische Übersicht über den Besessenheitsdiskurs: Besessenheit aus westlicher Perspektive
2.3. Kosmologisch-performative Deutung und Interpretation des Besessenheitszustandes
2.4. Besessenheitszustand aus einer modernen Perspektive
3. Der Balaji-Tempel als ethnographisches Beispiel
3.1. Die Pilgertradition in Indien – „sacred place“. Soziale und kulturelle Hintergründe
3.2. Kosmologische Ebene. Die Rolle der Mythologie für den Heilungsprozess
3.3. Die Tempelrituale – darkhwast, arzi und parhez. Besessenheit als Therapie
3.4. Diagnostizierung und Ursachen der Besessenheit
4. Die Besessenheitstrance und der Heilungsprozess im Balaji-Tempel
4.1. Die Selbsttransformation und die Rolle der Emotionen während des Heilungsprozesses in einem sozio-kulturellen Kontext
4.2. Der Exorzismus aus psychiatrischer Perspektive
5. Die Rolle der Heiler und der Priester für den Heilungsprozess im Balaji-Tempel
5.1. Die Priester
5.2. Die Heiler und ihre Praktiken
6. Die Rolle der Gruppentherapie im Heilungsprozess
Die Arbeit analysiert traditionelle Heilungsmethoden bei psychisch erkrankten Patienten in Indien, mit einem Fokus auf den Balaji-Tempel. Dabei wird untersucht, wie Besessenheitsrituale therapeutisch wirken und wie sie sich in einen modernen psychiatrischen Kontext einordnen lassen.
3.2. Kosmologische Ebene. Die Rolle der Mythologie für den Heilungsprozess
Die Hauptgottheit des Tempels ist der Affengott Hanuman oder Balaji. Der Mythos besagt, dass Balaji ein Sohn von Anjanas, einer himmlischen Nymphe, und Vayu, dem Gott der Winde, ist. Bevor Anjanas Vayu getroffen hat, hatte sie bereits einen Affen geheiratet. Die Götter wurden zornig und haben sie deswegen mit der Gestalt eines Affen bestraft.
Bereits als Kind zeichnete sich Balaji durch seine enormen Körperkräfte und einen außerordentlichen Appetit aus. Eines Tages versuchte Balaji, den der Hunger plagte, gar, die Sonne zu verschlucken. Der König der Götter, Indra, wurde wütend und schleuderte mit seinem Donnerkeil das Kind auf einen Berg. Balaji stürzte und brach sich seinen Kiefer (hanu). Daher kommt auch der Name Hanuman.
Vayu, welcher dies mit ansehen musste, zog sich daraufhin mit seinem Sohn in eine Höhle zurück. Von da an war er nicht mehr bereit, seine Funktion als Gott der Winde zu erfüllen. Infolgedessen kam die gesamte Schöpfung zum Stillstand, sodass die übrigen Götter von Angst erfüllt wurden. Schließen entschieden sie sich dazu, Vayu aufzusuchen, welcher folgende Forderung an sie stellte: Erst wenn jeder einzelne Gott seinem Sohn eine besondere Gabe verliehen hatte, würde er seiner Aufgabe wieder nachkommen. So geschah es und Balaji verkörperte nun in sich alle geistigen und körperlichen Kräfte der Götter. Zu seinen wichtigsten Charaktereigenschaften zählte – neben einer außerordentlichen physischen Kraft – auch die Furchtlosigkeit. Diese zwei Eigenschaften kamen Balaji bei seinen späteren Heldentaten zugute (Kakar 1982: 60-61).
1. Einleitung: Vorstellung der Analyse traditioneller indischer Heilungsmethoden und der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Besessenheit und ihrer therapeutischen Wirkung.
2. Besessenheit: Modernes Konzept aus einer psychiatrischen Perspektive: Theoretische Auseinandersetzung mit psychiatrischen Konzepten, historischem Diskurs und verschiedenen Interpretationsansätzen von Besessenheit.
3. Der Balaji-Tempel als ethnographisches Beispiel: Beschreibung des Tempels als Schauplatz ritueller Heilung, seiner Bedeutung als Pilgerort und der mythischen Grundlage des Heilungsprozesses.
4. Die Besessenheitstrance und der Heilungsprozess im Balaji-Tempel: Untersuchung des exorzistischen Charakters des Heilungsrituals und der Rolle von Selbsttransformation und Emotionen.
5. Die Rolle der Heiler und der Priester für den Heilungsprozess im Balaji-Tempel: Differenzierung der Funktionen und Aufgaben von Priestern und Heilern innerhalb der rituellen Praxis.
6. Die Rolle der Gruppentherapie im Heilungsprozess: Erörterung der Bedeutung der Familie und sozialer Gruppen für den Erfolg der rituellen Heilung im indischen Kontext.
Besessenheit, Balaji-Tempel, rituelle Heilung, Indien, Psychiatrie, Exorzismus, Trance, Gruppentherapie, Mythologie, Hanuman, psychische Erkrankung, Sozialstruktur, Transformationsprozess, Ahnengeister, Hexerei.
Die Arbeit analysiert traditionelle Heilungsmethoden in Indien, insbesondere am Beispiel des Balaji-Tempels, um die therapeutische Wirkung von Besessenheitsritualen auf psychisch kranke Patienten zu erklären.
Zentrale Themen sind die Schnittstelle zwischen westlicher Psychiatrie und traditioneller indischer Medizin, die Bedeutung von Ritualen, Symbolik, Familientherapie und die soziokulturellen Aspekte von Besessenheitszuständen.
Das Ziel ist es, die hohe Erfolgsquote und die Funktionsweise der rituellen Heilung am Balaji-Tempel wissenschaftlich zu deuten und zu erklären, warum diese Rituale einen heilsamen Effekt auf das Individuum und seine soziale Umgebung haben.
Es handelt sich um eine ethnologische Analyse, die auf vorhandener Feldforschung, psychiatrischen Studien und theoretischen Modellen aus der Anthropologie und Psychologie basiert.
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Beschreibung der Tempelrituale (darkhwast, arzi, parhez), der diagnostischen Einordnung der Besessenheit, der Bedeutung der beteiligten Gottheiten sowie der Analyse des Heilungsprozesses aus klinisch-performativer Sicht.
Besessenheit, Balaji-Tempel, rituelle Heilung, Gruppentherapie und Transformation.
In der indischen Gesellschaft wird Krankheit oft nicht als isoliertes individuelles Problem, sondern als familiäres Unglück verstanden. Die Teilnahme der Familie dient der Wiederherstellung sozialer Harmonie und ist eine notwendige Voraussetzung für den Erfolg der Therapie.
Peshi ist ein tranceartiger Zustand, in dem die Patienten ihr Leiden symbolisch ausdrücken und der Geist, der für das Problem verantwortlich gemacht wird, identifiziert, befragt und schließlich transformiert wird.
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