Bachelorarbeit, 2012
46 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Stellung der Migrantenkinder und -jugendlichen im deutschen Bildungswesen
2.1 Wer sind Migranten?
2.2 Ein geschichtlicher Überblick über die Bildungsbeteiligung von Migranten
2.3 Indikatoren zur Beschreibung der Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
2.3.1 Die aktuelle Bildungsbeteiligung
2.3.2 Die Schulleistungen
2.3.3 Der Bildungserfolg
2.4 Eine Zusammenfassung der Ergebnisse
3. Benachteiligung und Chancengleichheit – Zwei widersprüchliche Begriffe
4. Erklärungsansätze für die Bildungsnachteile von Schülern mit Migrationshintergrund im deutsche Schulsystem
4.1 Die kulturell-defizitäre Erklärung
4.1.1 Analyse und Kritik
4.2 Die humankapitaltheoretische Erklärung
4.2.1 Ergänzung: Das kulturelle Kapital von Bourdieu
4.2.2 Analyse und Kritik
4.3 Erklärung durch institutionelle Diskriminierung
4.3.1 Analyse und Kritik
4.4 Vergleich der Theorien
5. Ausblick
Diese Arbeit geht der Forschungsfrage nach, welche Ursachen für die gravierenden Bildungsunterschiede zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem verantwortlich sind, und diskutiert, wie durch bildungspolitische Reformen mehr Chancengleichheit erreicht werden kann.
4.1 Die kulturell-defizitäre Erklärung
Dieser Ansatz geht davon aus, dass der Bildungsmisserfolg von Migrantenkinder mit deren kulturellem Erbe zusammenhängt. Unter dem kulturellen Erbe versteht man, den „Prozess, durch den ein Kind in die Kultur eingeführt wird, während dessen es die konstituierenden Elemente einer Kultur und die spezifische Form, in der sie aufeinander bezogen sind, kennenlernt und verinnerlicht.“30 Die Basispersönlichkeit eines Kindes wird demnach von den Eltern und dem sozialen Umfeld geformt. Man geht davon aus, dass diese dann oftmals nicht vereinbar mit den Methoden der schulischen Bildung hier in Deutschland ist.
Ausländische Schüler und solche aus Migrantenfamilien weisen aufgrund ihres kulturellen Erbes Defizite hinsichtlich dessen auf, was als „‘Normalausstattung‘ an Verhaltensweisen, Kenntnissen und Fähigkeiten [vorausgesetzt wird], die ein Kind oder ein Jugendlicher eines bestimmten Entwicklungslandes in die Institutionen der Bildung und Erziehung mitbringe.“31 Eine genaue Definition dieser Defizite variiert je nach Autor.
Raiser nennt zunächst die traditionellen Erziehungsmethoden der Migranteneltern als problematisch, da diese nicht mit unserem modernen Bildungssystem einhergehen. Kinder türkischer Herkunft beispielsweise seien autoritärer und strenger erzogen, haben ein anderes Verständnis von Lernen und Leistung, was zwangsläufig zu Problemen im deutschen Schulalltag führt.32 „Diese traditionelle Haltung zum Wissen ist autoritativ-sachgebunden, die moderne Haltung [aber ist] instrumentell und individualistisch.“33 Migranteneltern würden daher „Skepsis und Misstrauen“34 der deutschen Schule gegenüber ausdrücken. Diese ablehnende Haltung der Eltern zur Schule wird von den Kindern reproduziert. Man geht also von der Vorannahme aus, dass Migranteneltern sich nicht für die schulischen Belange ihrer Kinder interessieren und engagieren. Ihre Erziehungsvorstellung ist unvereinbar mit den deutschen Erziehungszielen und -normen, sie sind nicht gewillt und in der Lage sich den schulischen Integrationsanforderungen zu stellen.35
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Bildung als zentrale Ressource dar und führt in das Problem der mangelnden Chancengleichheit für Migrantenkinder im deutschen Bildungssystem ein.
2. Die Stellung der Migrantenkinder und -jugendlichen im deutschen Bildungswesen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Migranten, gibt einen historischen Überblick und analysiert Bildungsindikatoren sowie die aktuelle Benachteiligungslage.
3. Benachteiligung und Chancengleichheit – Zwei widersprüchliche Begriffe: Das Kapitel reflektiert die theoretischen Konzepte von Benachteiligung und Chancengleichheit im Kontext des meritokratischen Prinzips.
4. Erklärungsansätze für die Bildungsnachteile von Schülern mit Migrationshintergrund im deutsche Schulsystem: Hier werden die drei Hauptansätze – kulturell-defizitär, humankapitaltheoretisch und institutionelle Diskriminierung – detailliert vorgestellt, analysiert und miteinander verglichen.
5. Ausblick: Der Ausblick fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert notwendige bildungspolitische Reformen und Investitionen zur Verbesserung der Bildungschancen.
Chancengleichheit, Migrationshintergrund, Bildungssystem, Bildungsbenachteiligung, kulturelles Kapital, Humankapitaltheorie, institutionelle Diskriminierung, Schulerfolg, PISA, Integration, Sozialisation, meritokratisches Prinzip, Bildungsbeteiligung, Schulform, Selektionsmechanismen.
Die Arbeit untersucht die Ursachen für die schlechteren Bildungsabschlüsse von Kindern mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Schülern ohne Migrationshintergrund in Deutschland.
Die zentralen Themen umfassen die Bildungsstatistik, soziologische Erklärungsmodelle (Kultur, Humankapital, institutionelle Diskriminierung) sowie Ansätze zur bildungspolitischen Reform.
Ziel ist es, die Gründe für Bildungsnachteile zu identifizieren, die verschiedenen theoretischen Erklärungen kritisch zu hinterfragen und Ansätze zur Förderung der Chancengleichheit aufzuzeigen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse aktueller Bildungsstudien, empirischer Daten (wie PISA, IGLU) sowie soziologischer Fachliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung und kritische Analyse dreier dominierender Erklärungsansätze: den kulturell-defizitären Ansatz, die Humankapitaltheorie sowie die Theorie der institutionellen Diskriminierung.
Wichtige Begriffe sind Chancengleichheit, Bildungsbenachteiligung, Migration, kulturelles Kapital und institutionelle Diskriminierung.
Der Ansatz von Bourdieu ermöglicht eine differenziertere Betrachtung, da er erkennt, dass auch Familien aus unteren sozialen Schichten über inkorporiertes kulturelles Kapital verfügen können, das trotz ökonomischer Benachteiligung den Bildungserfolg positiv beeinflussen kann.
Die Arbeit argumentiert, dass das frühe selektive Schulsystem in Deutschland die soziale Herkunft verfestigt und die schulische Laufbahn durch institutionelle Diskriminierung – etwa bei Schulempfehlungen – bereits frühzeitig negativ beeinflussen kann.
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