Magisterarbeit, 2011
89 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I Zur ontologischen und anthropologischen Grundlage der Blochschen Kunst- und Religionsphilosophie
1. Utopie als Seins- und Bewusstseinsprinzip
1.1. Zu Blochs Ontologie des Noch-Nicht-Seins
1.2. Der Mensch in der unfertigen Welt
2. Zum Tagtraum als „Vorstufe der Kunst“
II Die Ästhetik im Denken Blochs und das mit „Gott“ Gemeinte
1. Blochs ästhetische Kriterien und ihre theologische Relevanz
1.1. Die erkenntniskritische Funktion der Phantasie
1.2. Der Vor-Schein
1.3. Das Novum und das Beispiel der Musik
1.4. Das „Realsymbol“
2. Das Ergebnis ist die Entdeckung: Der Experimental- und Prozesscharakter von Kunst, Utopie und Erkenntnis
3. Der ästhetische Humor und die Unmöglichkeit einer endgültigen „Korrektur“ am Lektürebeispiel Thomas Bernhards
4. Zum „Dunkel des gelebten Augenblicks“ als Ursprungsort von Kunst und Religion
5. Die Bedeutung der Metapher in der Philosophie Blochs
6. Die Bedeutung der Metapher für die Theologie
III Das „Erbsubstrat“ der Religion
1. „Eh‘ je ascher eh‘ je“: Blochs futurischer Gottesbegriff
2. Der „Geist des Exodus“ in Moses, Hiob und Jesus
3. Zum revolutionären Charakter von Religion
4. Zum Problem einer endgültigen Subjekt-Objekt-Vermittlung
4.1. Die Kategorie „Sprung“ und das Wunder
4.2. Blochs Theorie des Todes
4.3. Zur Grenze als Chance
5. Vernunft und Glaube
Schlussbemerkung
Diese Arbeit widmet sich der Rekonstruktion des engen Zusammenhangs zwischen der Religionsphilosophie und der Ästhetik von Ernst Bloch. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie Blochs expressive Denkweise dazu beitragen kann, eine angemessene, nicht-statische theologische Redeweise von „Gott“ zu entwickeln, die auf ein noch unabgeschlossenes, utopisches Ziel ausgerichtet ist.
1.2. Der Mensch in der unfertigen Welt
Auch der Mensch findet sich eingebunden in das Spannungsverhältnis von objektiver Wirklichkeit auf der einen und verborgener Innenwelt auf der anderen Seite, wobei sein eigentliches Wesen noch aussteht, „nicht als Ge-wesenheit am Anfang, sondern als Anwesenheit herausmanifestiert, einzig am Ende.“ Das welthafte Sein in seiner möglichen Wandelbarkeit und das im Subjekt angelegte Vermögen zur Veränderung wie Entfaltung neuer Möglichkeiten sind bei Bloch aufs engste miteinander verbunden. Vom Bewusstsein des Menschen hängt der Verlauf des materiellen Entwicklungsprozesses ab. Er nimmt als das „stärkste Subjekt“ eine „Schlüsselstellung“ in der Weltgeschichte ein.
Mit den eröffnenden Worten seiner Spuren beschreibt Ernst Bloch die prinzipielle Offenheit des Menschen auf seine noch nicht gefundene Identität hin: „Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.“ Die Sehnsucht des Menschen nach Vollendung zeigt sich in seinem fortwährenden Streben nach Verwirklichung neuer Möglichkeiten. So umfasst sein jeweiliger Zustand immer nur einen Ausschnitt dessen, was möglich zu sein scheint - eine als schmerzlich empfundene Erfahrung, die den Menschen zugleich auf das hinweist, was er seinem Wesen nach noch sein könnte. Ernst Bloch begreift dieses wahre Wesen, von welchem der Mensch sich in seinem als mangelhaft empfundenen Dasein abgespalten fühlt, wiederum im Unterschied zur traditionellen Metaphysik, als ein selbst noch Unbestimmtes, Noch-Nicht-Bewusstes, das es allererst herauszubringen gilt. „Letztlich sind alle kulturellen Schöpfungen durchtränkt von Noch-Nicht-Bewußtem, woraus die Begründung sich ableitet, dieses darin aufzusuchen und freizulegen. Allerdings ist es nicht so, als ob vom Noch-Nicht Bewußten aus immer eine Einstrahlung ins Bewußtsein stattfände. Es muß vielmehr aktiviert werden, indem das Bewußtsein sich nach vorn richtet.“ Der Mensch ist so in seinem Wesen „nach vorwärts noch offen“.
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die heutige Selbstverständlichkeit der Gottesleugnung und den daraus resultierenden Verlust einer Sinnstiftung, wobei sie Blochs Religions- und Kunstphilosophie als Ansatzpunkte für eine neue, unabgeschlossene Wirklichkeitsdimension einführt.
I Zur ontologischen und anthropologischen Grundlage der Blochschen Kunst- und Religionsphilosophie: Dieses Kapitel etabliert den Menschen als utopisches Wesen und führt zentrale Konzepte wie das Noch-Nicht-Sein und das Noch-Nicht-Bewusste ein, die das Fundament für Blochs gesamtes Denken bilden.
II Die Ästhetik im Denken Blochs und das mit „Gott“ Gemeinte: Hier wird die herausragende Stellung der Ästhetik in Blochs Philosophie dargelegt, insbesondere durch die Analyse von Kategorien wie Vor-Schein, Phantasie und Realsymbol, die als Brücke zur Theologie dienen.
III Das „Erbsubstrat“ der Religion: Der letzte Abschnitt untersucht den Eigenwert der Religion gegenüber der Kunst und thematisiert die Dialektik von Vernunft und Glaube innerhalb der Philosophie Blochs sowie die Problematik einer endgültigen Subjekt-Objekt-Vermittlung.
Ernst Bloch, Noch-Nicht-Sein, Utopie, Religionsphilosophie, Ästhetik, Vor-Schein, Phantasie, Realsymbol, Prozesswirklichkeit, Exodus, Gott, Hoffnung, Subjekt-Objekt-Vermittlung, Erkenntnistheorie
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Religionsphilosophie und der Ästhetik Ernst Blochs, um eine theologisch angemessene Redeweise von „Gott“ zu ergründen.
Die zentralen Themen sind die Ontologie des Noch-Nicht-Seins, die Rolle der Phantasie, die Funktion der Kunst als utopische Antizipation sowie die Interpretation der Religion als Hoffnung auf ein immanentes Ziel.
Das Ziel ist es, Blochs Ästhetik als methodischen Zugang zu nutzen, um „Gott“ nicht als statische Größe, sondern als dynamisches, zukünftiges Element in einem offenen Weltprozess zu verstehen.
Es handelt sich um eine philosophische und theologische Analyse, die primär auf der exegetischen Interpretation der Werke Ernst Blochs sowie auf der Auseinandersetzung mit der Sekundärliteratur zu seinem Denken basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die ontologischen Grundlagen, die spezifisch ästhetischen Kategorien Blochs (Vor-Schein, Realsymbol) und deren Anwendung auf die Religionsphilosophie, inklusive des Exodus-Motivs und des Gottesbegriffs.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Noch-Nicht-Sein, Utopie, Vor-Schein, Prozesswirklichkeit, Exodus und das Dunkel des Augenblicks charakterisiert.
Ein Realsymbol ist ein Objekt, das in der Welt existiert, aber auf ein noch nicht manifestes, vollkommenes Sein hinweist, anstatt diesen Zustand bereits als fertig gegeben vorzutäuschen.
Musik bewahrt nach Bloch am stärksten den Bezug zum „Dunkel des Augenblicks“, da sie als „verdünntestes Objekt“ unmittelbar an das noch nicht Sprachfähige und Gärende im Menschen rührt.
Es fungiert als das metaphysische Zentrum Blochs, als der Ursprungsort menschlicher Hoffnung und als ein Grenzraum, in dem sich die Möglichkeiten für eine neue, bessere Zukunft eröffnen.
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