Bachelorarbeit, 2010
62 Seiten, Note: 2,1
Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft
I. Einleitung
II. J. F. Reichardt: Vertraute Briefe aus Paris
II.1. Napoleonporträt
II.2. Die Kontrastfigur
II.3. Die Selbstinszenierung
II.4. Zur sozialen Ebene
II.5. Zur kulturellen Ebene
III. F. A. de Chateaubriand: De Buonaparte, Des Bourbons
III.1. Zu den Eigenschaften
III.2. Zur politischen Situation
III.3. Militärisierung
III.4. Gesellschaft und Heilung
IV. Mythologisierung
IV.1. E. T. A. Hoffmann: Die Vision auf dem Schlachtfelde bei Dresden
V. Ch. D. Grabbe: Napoleon oder die 100 Tage
V.1. Idealisierung und „Heiland“
V.2. Versuch der Deformierung
V.3. Zur Napoleonauffassung des Volks
V.4. Kollektivsymbolik und Intensivierung
VI. Alexandre Dumas: Napoleon Bonaparte
VI.1. Zum Weltherrscher und Patriarchen
VI.2. Politik ohne Grenzen
VII. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen literarischen Darstellungsweisen von Napoleon Bonaparte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Dabei wird analysiert, wie sich das Bild des Herrschers von einer zeitgenössischen literarischen Charakterisierung hin zu einer komplexen Mythologisierung nach seinem Tod entwickelte und welche nationalen Stereotype dabei in der deutschen und französischen Literatur eine Rolle spielten.
II.1. Napoleonporträt
„Bonaparte ist klein, kaum fünf Fuß hoch, und äußerst mager: dünnere Lenden, Beine und Arme kann man nicht leicht sehen. Brust und Schultern sind breit, so auch das Gesicht, doch ohne hervorstehende Knochen, ungeachtet die Haut scharf angespannt ist. Diese ist ebensoviel Olivenfarbe als gelb, ohne die mindeste Spur von Blutfarbe und ohne alle merkliche Beweglichkeit.“ (VBP, S. 106f.) Sein Aussehen wirkt ernüchternd: ohne Blutfarbe wie eine unmenschliche und gefühllose Person.
„Die Mittellinie des Mundes würde sehr angenehm sein, wenn sie nicht zu gerade wäre und beim Schweigen so scharf schlösse, daß von Lippen wenig zu sehen bleibt. Beim Reden sind diese aber immer stark auseinandergezogen und bilden ein fortdauerndes Lächeln.“ (VBP, S. 107)
Napoleon wird als unsympathischer und eher unauffälliger Mensch dargestellt. Sein Lächeln wird durch die Form seiner Lippen erklärt; demzufolge findet keine natürliche Regung statt, was das ernüchternde Aussehen unterstreicht, ein Nebeneinander von menschlichen und dämonischen Zügen: „[…] vegetativ-sensible, unbewußte Prozesse“12, die ihn unberechenbar erscheinen lassen.13 Man könnte behaupten, er wirkt beinahe mechanisch:. Seine Augen sind ausdruckslos „[…] ohne bestimmte Farbe und Feuer.“ (VBP, S. 107) Sein Blick ist unruhig und „forschend“. Seine schwarzen Haare passen nicht und liegen nass an. Kontrastiv zum Konsularkostüm Napoleons muss sein Körper darin kaum Eindruck machen.
I. Einleitung: Die Einleitung legt den Grundstein für die Analyse der literarischen Deutungsmuster Napoleons im 19. Jahrhundert und skizziert den methodischen Vergleich der ausgewählten Autoren.
II. J. F. Reichardt: Vertraute Briefe aus Paris: Dieses Kapitel analysiert Reichardts distanziertes und teils kritisches Bild des Konsuls, wobei insbesondere der Gegensatz zur preußischen Herrscherfigur Friedrichs II. hervorgehoben wird.
III. F. A. de Chateaubriand: De Buonaparte, Des Bourbons: Es wird Chateaubriands radikale Ablehnung Napoleons als "fremder" Usurpator untersucht, der Frankreich moralisch und politisch zerstört habe.
IV. Mythologisierung: Dieses Kapitel beschreibt den Übergang von der historisch-kritischen zur überhöhten, mythischen Darstellung des Kaisers in der Literatur nach seinem Tod.
V. Ch. D. Grabbe: Napoleon oder die 100 Tage: Die Analyse zeigt, wie Grabbe Napoleon durch Lichtmetaphorik und das Bild des "Weltgeistes" zum tragischen, aber mythischen Helden erhebt.
VI. Alexandre Dumas: Napoleon Bonaparte: Dieses Kapitel betrachtet Dumas' theatergeschichtliche Darstellung Napoleons als populäre Vaterfigur und "Retter", der die Nation demokratisch anführt.
VII. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert die Entwicklung Napoleons vom realen Machtpolitiker zur mythischen, teils religiös überhöhten literarischen Figur.
Napoleon Bonaparte, Literatur des 19. Jahrhunderts, Mythologisierung, Herrscherdarstellung, Nationalismus, Frankreich, Deutschland, Deformierung, Idealisierung, politische Symbolik, Geschichtsbild, Literaturkritik, Restauration, Held, Tyrann.
Die Arbeit analysiert, wie die historische Figur Napoleon Bonaparte in der deutschen und französischen Literatur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dargestellt wurde und wie sich diese Beschreibungen über die Zeit veränderten.
Zentrale Themen sind die literarische Charakterisierung Napoleons, der Wandel von einer historischen Wahrnehmung zur Mythologisierung, nationale Identitätsfragen sowie das Spannungsfeld zwischen Machtpolitik und künstlerischer Freiheit.
Ziel ist es, die Deutungsmuster zu identifizieren, mit denen Zeitgenossen und nachfolgende Schriftsteller den Aufstieg, die Herrschaft und den Untergang Napoleons literarisch verarbeiteten.
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Literaturanalyse, bei der primäre Texte von Zeitgenossen und Dichtern (Reichardt, Chateaubriand, Grabbe, Dumas) in Bezug auf ihre Darstellungsweise des Kaisers ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Autorenporträts, in denen Reichardt, Chateaubriand, Hoffmann, Grabbe und Dumas analysiert werden, um jeweils spezifische Sichtweisen auf den "Menschen" Napoleon und den "Mythos" Napoleon herauszuarbeiten.
Schlüsselbegriffe sind Mythologisierung, Napoleon-Mythos, literarische Darstellung, historische Kontinuität, politisches Theater und nationale Stereotype.
Reichardt nähert sich Napoleon eher durch eine physische und verhaltensbezogene Beobachtung (Porträt), während Chateaubriand eine ideologisch geprägte, vernichtende Kritik übt, die Napoleon als "fremden Tyrannen" und "Usurpator" brandmarkt.
Grabbe nutzt stark mythologische und kosmische Metaphern, wie etwa den Vergleich mit Prometheus oder der Sonne, um Napoleon als einen übermenschlichen "Weltgeist" darzustellen, der selbst im Scheitern noch Größe besitzt.
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