Doktorarbeit / Dissertation, 2011
230 Seiten, Note: cum laude
Didaktik für das Fach Deutsch - Deutsch als Fremdsprache, DaF
0. Einleitung
1. L2-Lesen im Hinblick auf die Lehrperspektive
1.1 Kognitive und metakognitive Aspekte des L2-Lesens
1.1.1 Kognitive Aspekte des L2-Lesens
1.1.1.1 Prozesse beim Aufbau eines mentalen Modells
1.1.1.2 Prozesse bei der Konstruktion einer propositionalen Textbasis
1.1.2 Metakognitive Aspekte des L2-Lesens
1.2 Lesestile
1.3 Neue Textformen- neues Leseverhalten?
1.4 Charakteristika des Lesens in der Fremdsprache
1.5 Lernziele und die allgemeinen curricularen Prinzipien im Fremdsprachenunterricht in Bezug auf das Leseverstehen
1.6 Der Gemeinsame europäische Referenzrahmen
1.7 Zusammenfassung
2. Lernstrategien und Lesestrategien
2.1 Definition und Klassifizierung von Lernstrategien
2.1.1 Zur Definition von Strategien und Lernstrategien
2.1.2 Zur Klassifizierung von Lernstrategien
2.1.2.1 Kognitive Sprachlernstrategien
2.1.2.2 Metakognitive Strategien
2.1.2.3 Affektive Sprachlernstrategien
2.1.2.4 Soziale Sprachlernstrategien
2.2 Funktionen von Lernstrategien
2.3 Definition und Klassifizierung von Lesestrategien
2.3.1 Zeitpunkt des Strategieeinsatzes
2.3.2 Kognitive, metakognitive und sozial-affektive Lesestrategien
2.3.3 Nach den verschiedenen Funktionen
2.4 Zusammenfassung
3. Didaktische Modelle zur Strategienvermittlung
3.1 Was sind die Ziele eines Strategientrainings?
3.2 Modelle für Strategienvermittlung
3.3 Konsequenzen für die Lesedidaktik
3.3.1 Vermittlungsrelevante strategische Lesehandlungen
3.3.2 Orientierung
3.3.3 Bewusstmachung
3.3.4 Lehrer-Feedback
3.4 Kurzer Überblick über die Effektstudien
3.5 Zusammenfassung
4. Zu den Rahmenbedingungen des Deutschstudiums an chinesischen Universitäten
4.1 Curriculare Vorgaben für Deutschstudium an chinesischen Universitäten
4.1.1 C2-Curriculum
4.1.2 C3-Curriculum
4.2 Zum Lernverhalten und zu den Lerntraditionen chinesischer Deutschlerner
4.3 Die Didaktik und Methodik im chinesischen DaF-Unterricht
4.4 Aktuelle didaktische Prinzipien des Fremdsprachenunterrichts
4.5 Die Ebene der methodischen Konzepte und Szenarien
4.6 Zusammenfassung
5. Empirische Studie
5.1 Erkenntnisinteressen
5.2 Versuchsplan
5.2 Versuchspersonen
5.3 Die ausgewählten Lesestrategien und Texte
5.4 Versuchsmaterial
5.4.1 Datenerhebung der Lesestrategienfragebögen
5.4.2 Prozess der Lesestrategievermittlung im Klassenzimmer
5.4.3 Darstellung einer Unterrichtssequenz
5.5 Datenanalyse und Ergebnisse
6. Schlusswort und Ausblick
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Förderung des Leseverstehens bei chinesischen Deutschlernern durch die systematische Vermittlung von Lesestrategien. Angesichts der beobachteten Schwierigkeiten bei der Erfassung von Textstrukturen und dem Fokus auf passiven Dekodierungsprozessen wird eine methodische Neuausrichtung angestrebt, die theoretische Grundlagen des Lesens mit praxisorientierten Trainingsmodellen verbindet.
1.1.1.1 Prozesse beim Aufbau eines mentalen Modells
Die Aktivierung von topic-spezifischem Vorwissen spielt eine sehr wichtige Rolle bei der Konstruktion eines mentalen Modells (vgl. Schramm 2006, S.26, Ehlers 1999, S.126). Die Grundthese lautet (s. auch Taylor 1979; Stevens 1982; Karcher 1988): Je mehr Hintergrundwissen ein Leser in Bezug auf den Inhaltsbereich eines Textes hat, desto mehr und besser versteht er (vgl. Ehlers 1999, S.126). Der positive Einfluss des Vorwissens wird in der L2-Leseforschung vor allem mit drei top-down-Prozessen in Verbindung gebracht: dem intendierten Inferieren, dem Elaborieren und dem Hypothesenbilden. Rickheit & Strohner (1990:533) definieren eine Inferenz als ,,die Bildung neuer semantischer Information in einem gegebenen Kontext“. Man unterscheidet intendierte Inferenzen, die zur Bildung der Textbasis dienen, und elaborative Inferenzen, die darüber hinausreichen. Intendierte Inferenzen können auf Wort-, Satz- und Diskursebene gebildet werden.
Elaborative Inferenzen unterscheiden sich nach Mandl (1981:8) von intendierten Inferenzen dadurch, dass sie über den Text hinausgehen und diesen in Verbindung mit verschiedenen Wissensbeständen des Lesers bringen. Sie seien für das einfache Verstehen nicht unbedingt erforderlich, führten aber zu einem tieferen Verstehen. Wolff (1990:615) beschreibt in ähnlicher Weise Elaborationen als eine besondere Art von Inferenzen, ,,die den durch die Sprachstimuli vorgegebenen Verarbeitungsrahmen sprengen und deklaratives Sprach- und vor allem Weltwissen freisetzen, das weit über den Inhalt des Textes hinausgeht.”
Die inhaltliche Hypothesenbildung ist für die L2-Forschung von besonders großem Interesse, weil dabei unsicheres Wissen über die weiteren im Text enthaltenen Informationen generiert wird, das die Entnahme der propositionalen Gehalte erleichtert und die Aufmerksamkeit steuert. Sie geht von dem jeweils aufgebauten Textverständnis bzw. mentalen Modell aus und ist in der oben abgebildeten schematischen Darstellung des Lesens von Schnotz darum der Informationserwartung zuzuordnen, während Inferieren und Elaborieren direkte Prozesse zum Aufbau des mentalen Modells sind.
0. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Germanistik in China sowie die steigende Bedeutung des Deutschlernens und des Leseverstehens als zentrale Fertigkeit für den akademischen und beruflichen Erfolg.
1. L2-Lesen im Hinblick auf die Lehrperspektive: Kapitel 1 analysiert das Lesen in der Zweitsprache als aktiven, kognitiven und metakognitiven Prozess und erörtert verschiedene Lesestile sowie den Einfluss neuer Medien.
2. Lernstrategien und Lesestrategien: Hier werden Definitionen und Klassifizierungen von Lern- und Lesestrategien dargelegt, um das theoretische Fundament für die anschließenden Trainingsmodelle zu schaffen.
3. Didaktische Modelle zur Strategienvermittlung: Dieses Kapitel widmet sich den Zielen eines Strategientrainings und stellt verschiedene Vermittlungsmodelle vor, die für die Lesedidaktik relevant sind.
4. Zu den Rahmenbedingungen des Deutschstudiums an chinesischen Universitäten: Kapitel 4 untersucht die curricularen Vorgaben, das Lernverhalten und die Lerntraditionen in China, um den spezifischen Kontext der Studie zu verdeutlichen.
5. Empirische Studie: Dieses zentrale Kapitel beschreibt die empirische Gruppenuntersuchung zur Wirksamkeit der Lesestrategievermittlung an der Fremdsprachenuniversität Tianjin mittels eines Pretest-Posttest-Vergleichsgruppenplans.
6. Schlusswort und Ausblick: Das Schlusswort resümiert die Ergebnisse der Arbeit und gibt einen Ausblick auf die Notwendigkeit weiterer Forschung zur kognitiven Verarbeitung beim L2-Lesen.
Leseverstehen, L2-Lesen, Lesestrategien, Lernstrategien, Strategievermittlung, CALLA-Modell, chinesische Deutschlerner, Metakognition, Kognitive Aspekte, Fremdsprachendidaktik, Lernerautonomie, Handlungsorientierung, Empirische Untersuchung.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung eines Konzepts zur Verbesserung des Leseverstehens von chinesischen Deutschlernern unter besonderer Berücksichtigung der Vermittlung von Lern- und Lesestrategien.
Die zentralen Themen umfassen die kognitiven und metakognitiven Grundlagen des L2-Lesens, didaktische Modelle zur Strategienvermittlung, spezifische Lernbedingungen in China sowie eine empirische Überprüfung der Wirksamkeit von Strategietrainings.
Ziel ist es, chinesischen Deutschstudenten durch den bewussten Einsatz von Lesestrategien zu einer aktiveren und erfolgreicheren Bedeutungskonstruktion beim Lesen deutscher Texte zu verhelfen.
Es wird eine empirische Gruppenuntersuchung mit einem Pretest-Posttest-Vergleichsgruppenplan an der Fremdsprachenuniversität Tianjin durchgeführt, ergänzt durch qualitative Methoden wie Interviews und Analysen von Unterrichtssequenzen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung von Leseprozessen, Lern- und Lesestrategien, die Analyse der Lernbedingungen in China sowie die Durchführung und Auswertung des Lesetrainings in der Praxis.
Die wichtigsten Schlagworte sind Leseverstehen, L2-Lesen, Lesestrategien, Strategievermittlung, CALLA-Modell, chinesische Deutschlerner, Metakognition und Lernerautonomie.
Das CALLA-Modell dient als theoretischer und praktischer Rahmen für das Strategietraining, da es ein rekursives Vorgehen (Vorbereitung, Präsentation, Übung, Evaluation, Expansion) bietet, das ideal für die didaktische Vermittlung ist.
Die Autorin stellt fest, dass das oft als "passiv" wahrgenommene Verhalten weniger auf mangelndes Interesse, sondern auf traditionelle Lerntraditionen und fehlende methodische Anleitung zurückzuführen ist, die durch gezielte Strategienvermittlung aktiv transformiert werden kann.
Die Arbeit betont, dass unterschiedliche Textsorten auch unterschiedliche Verarbeitungsstrategien erfordern; die Lernenden müssen befähigt werden, flexibel zwischen Lesestilen zu wechseln, anstatt alle Texte "Wort für Wort" zu bearbeiten.
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