Examensarbeit, 2001
104 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I Quellen für die Maria-Magdalena-Rezeption des 20. Jahrhunderts
I.1 Maria Magdalena im Neuen Testament
I.1.1 Bibelstellen zu Maria Magdalena
I.1.2 Eine Jüngerin aus Galiläa (Lk 8,1-3)
I.1.3 Eine Zeugin der Kreuzigung (Mk 15,40f; Mt 27,55f; Lk 23,49)
I.1.4 Maria Magdalena bei der Grablegung (Mk 15,42-47; Mt 27, 57-66; Lk 23,50-56)
I.1.5 Eine Zeugin der Auferstehung (Mk 16,1-8; Mt 28,1-15; Lk 24,1-12)
I.1.6 Die Johannes-Version
I.1.7 Der längere unechte Markus-Schluss (Mk 16,9-14)
I.1.8 Fazit und Ausblick auf die frühste Wirkungsgeschichte
I.2 Maria Magdalena in den gnostischen Schriften
I.2.1 Ein Beispiel: das Evangelium der Maria (EvMar)
I.2.2 Kritik an Maria Magdalena durch die Jünger
I.2.2 Maria Magdalena als hervorragende Jüngerin
I.2.3 Maria Magdalenas Beziehung zu Jesus
I.3 Von der biblischen zur kirchlichen Maria Magdalena
I.3.1 Die theologischen Deutungen
I.3.2 Das Magdalenenbild seit den Homilien von Papst Gregor dem Großen
I.3.4 Weitere Gleichsetzungen
I.3.5 Eine Biografie entsteht
I.3.6 Maria Magdalena als Patronin für bekehrte Prostituierte
Exkurs: Die Salbungserzählungen in den Evangelien (Mt 26,6-13; Mk 14,3-9; Lk 7,36-50; Joh 12,1-8)
II Maria Magdalena in der Literatur des 20. Jahrhunderts
II.1 Maria-Magdalena-Literatur um die Jahrhundertwende
II.1.1 Paul Heyse: Maria von Magdala. Drama in fünf Akten
II.1.2 Johannes Schlaf: Jesus und Mirjam
II.1.3 Anna Freiin von Krane: Magna Peccatrix
II.2 Die neuere Maria-Magdalena-Literatur
II.2.1 Luise Rinser: Mirjam
II.2.2 Regina Berlinghof: Mirjam. Maria Magdalena und Jesus
II.3 Die Transfigurationen
II.3.1 Ludwig Thoma: Magdalena
II.3.2 Franz Xaver Kroetz: Maria Magdalena
II.3.3 Lilian Faschinger: Magdalena Sünderin
II.4 Schreiben Männer anders über Maria Magdalena als Frauen?
Ein geschlechtsspezifischer Vergleich der Maria-Magdalena-Bilder
III. Maria Magdalena auf der Bühne und im Film
III.1 Die Rockoper „Jesus Christ Superstar“
III.1.1 Die Entstehung und Vermarktung
III.1.2 Konzeption der Rockoper
III.1.3 Inhalt der Rockoper und die Darstellung Maria Magdalenas
III.1.3.1 „Heaven On Their Minds”
III.1.3.2 „What’s The Buzz?”
III.1.3.3 „Strange Thing Mystifying”
III.1.3.4 „I Don’t Know How To Love Him”
III.1.3.5 Vom Verrat bis zur Verhaftung
III.1.3.6 „Peter’s Denial“
III.1.3.7 „Could We Start Again Please”
III.1.3.8 „Judas’ Death“
III.1.3.9 Der weitere Verlauf
III.1.4 Das Maria-Magdalena-Bild in Jesus Christ Superstar
III.2 Der Kinofilm „Die letzte Versuchung Christi“
III.2.1 Entstehung und Kontroverse des Films
III.2.2 Inhalt des Films und die Darstellung Maria Magdalenas
III.2.3 Das Maria-Magdalena-Bild in „Die letzte Versuchung Christi“
III.3 Vergleich des Maria-Magdalena-Bildes in Film und Musical mit dem der Autoren
IV Fazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie die biblische Gestalt Maria Magdalena im 20. Jahrhundert in deutschsprachiger Literatur sowie in Film und Musical interpretiert wurde und ob sich dabei Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Sichtweisen identifizieren lassen.
II.1.1 Paul Heyse: Maria von Magdala. Drama in fünf Akten
Heyse führt Maria von Magdala „als vornehme Kurtisane mit moralischen und nationalen Grundsätzen“ ein. Aus rückblickenden Berichten erfahren wir Entscheidendes aus ihrem Leben. Mit fünfzehn Jahren verheirateten sie ihre Eltern gegen ihren Willen mit einem reichen aber grausamen Mann aus Magdala. Zusammen mit jemandem, der vorgab, sie aus der unerträglichen Ehe retten zu wollen, floh sie drei Jahre später nach Jerusalem. Aber ihr vermeintlicher Retter hatte es in Wirklichkeit nur auf ihr Geld abgesehen, und verließ sie, nachdem ihr Geld aufgebraucht war. Aus Enttäuschung hadert sie Gott (vgl. 607) und führt fortan ein Leben nach ihrem Gefallen.
„Nur eines fand ich, daß nicht eitel war und mir treu blieb, weil es das Vergänglichste ist, doch immer wieder sich erneuert, wenn es dahinschwand. ... Die Lust, der freie Wille in uns, nur den Hunger unserer Sinne zu stillen, alle Freuden der Jugend zu genießen und nicht zu fragen, ob wir morgen vielleicht hassen werden, was wir heute geliebt haben.“ (608)
Die Nächte verbringt sie „mit guten Freunden bei Wein und Lautenspiel“ (607). Sechs ihrer Gäste entlässt sie um Mitternacht, den siebten erst am dämmernden Morgen. Es ist Judas Ischarioth, ihr derzeitiger Geliebter. Ein Römer namens Flavius, der von Marias Schönheit bezaubert ist, hegt die Absicht, „auch einmal dieser eine zu sein, dieser Siebente“ (607). Doch wird er von Maria aufgrund seiner römischen Herkunft abgewiesen. Von diesem Römer hört Maria zum ersten Mal von dem Prediger und Propheten aus Galiläa und erfährt, dass ihr Liebhaber Judas schon zu seinem Gefolge gehört. Maria will diesen Prediger unbedingt kennen lernen, „den der noch kein Weib berührt hat“ (615).
Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen dem biblischen Befund der Maria Magdalena und ihrer späteren Wahrnehmung als Sünderin und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen vor.
I Quellen für die Maria-Magdalena-Rezeption des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel arbeitet die biblischen Grundlagen, gnostischen Texte sowie die kirchengeschichtliche Entwicklung des Magdalenenbildes von der apostolischen Zeugin zur bußfertigen Sünderin auf.
II Maria Magdalena in der Literatur des 20. Jahrhunderts: Hier erfolgt eine Kategorisierung und Analyse deutschsprachiger Romane und Dramen, wobei die unterschiedlichen Darstellungen zwischen männlichen und weiblichen Autoren im Fokus stehen.
III. Maria Magdalena auf der Bühne und im Film: Dieser Abschnitt überträgt die Fragestellung der Arbeit auf die audiovisuelle Rezeption, exemplarisch anhand der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ und des Kinofilms „Die letzte Versuchung Christi“.
IV Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass das Maria-Magdalena-Bild im 20. Jahrhundert stark von Rollenerwartungen und Geschlechterprojektionen geprägt bleibt.
Maria Magdalena, Wirkungsgeschichte, Exegese, Gnosis, Sünderin, Jüngerin, Literaturanalyse, Feministische Theologie, Jesus Christ Superstar, Die letzte Versuchung Christi, Rollenbild, Biblische Interpretation, Emanzipation, Rezeption
Die Arbeit untersucht die Rezeption und Interpretation der biblischen Figur Maria Magdalena im 20. Jahrhundert, insbesondere in der deutschsprachigen Literatur sowie in ausgewählten Film- und Musicalproduktionen.
Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen der biblischen Darstellung und dem historischen Klischee der "Sünderin", die literarische Verarbeitung dieses Bildes sowie geschlechtsspezifische Unterschiede in der Interpretation durch männliche und weibliche Autoren.
Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu ergründen, welche Aspekte der Interpretation von Maria Magdalena im 20. Jahrhundert dominieren und ob sich hierbei eine tendenzielle Differenz zwischen männlicher und weiblicher Sichtweise herausarbeiten lässt.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literatur- und Medienanalyse, indem sie Originaltexte und filmische Werke unter Berücksichtigung ihrer Entstehungsgeschichte und Wirkungsgeschichte systematisch vergleicht.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-theologische Herleitung der Quellen, eine Analyse deutschsprachiger Literatur (von der Jahrhundertwende bis zur neueren Literatur) und eine Untersuchung audiovisueller Medien wie Musicals und Spielfilme.
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Rezeptionsgeschichte, Maria Magdalena, Exegese, Geschlechterrollen, feministische Theologie und literarische Transformation charakterisiert.
Die Arbeit zeigt, dass Autorinnen Maria Magdalena häufiger als emanzipierte Jüngerin, apostolische Zeugin und Rebellin gegen patriarchale Strukturen darstellen, während männliche Autoren eher den Fokus auf ihre erotische Wirkung und ihre Rolle als "büßende Sünderin" legen.
Die Arbeit legt dar, dass die Verknüpfung von Maria Magdalena mit der "großen Sünderin" eine jahrhundertelange kirchengeschichtliche Tradition hat, die tief in der kulturellen Wahrnehmung verankert ist und oft dazu dient, zeitgenössische moralische oder ideologische Rollenbilder zu legitimieren.
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