Diplomarbeit, 2003
83 Seiten, Note: 1,8
EINLEITUNG
1. Verständnis des Begriffes „geistige Behinderung“
1.1 Der medizinische Aspekt
1.2 Die psychologische Perspektive
1.3 Die soziologische Perspektive
1.4 Die pädagogische Sichtweise
2. Der Umgang mit Behinderung im Geschichtsverlauf
2.1 Behinderung in der Antike bis zur Industrialisierung
2.2 Behinderung zu Zeiten des Sozialdarwinismus und des Nationalsozialismus in Deutschland
2.3 Entwicklungen nach 1945
2.4 Die heutige Geistigbehindertenpädagogik
2.4.1 Systemisches und konstruktivistisches Denken als Leitlinien
2.4.2 Der phänomenologische Ansatz
3. Selbstbestimmung
3.1 Die Selbstbestimmungs-Bewegung
3.1 Die Bedeutung von Selbstbestimmung
3.1.1 Selbstbestimmung contra Fremdbestimmung
3.1.2 Verantwortbarkeit der Selbstbestimmung auch bei Menschen mit geistigen Behinderungen
3.4 Konsequenzen für die Geistigbehindertenpädagogik
3.4.1 Normalisierung
3.4.2 Das Empowerment-Konzept
3.5 Veränderte Anforderungen an die Pädagogen
3.6 Die dialogische Assistenz
3.7 Die Umsetzung in der Praxis
3.7.1 Umsetzung auf gesellschaftlicher Ebene
3.7.2 Die Umsetzung auf sozial-politischer Ebene
4. Selbstbestimmung in der Herkunftsfamilie
4.1 Exemplarische Interviews mit Müttern und ihren Töchtern mit geistiger Behinderung
4.2 Ergebnisse: Die „behinderte Familie“
4.3 Reaktionen auf eine Behinderung
4.4 Bewältigung und Umgang mit der Behinderung
4.5 Zusammenhänge von Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung und elterlichen Verhaltensweisen
4.6 Pädagogische Hilfen für die Eltern und die Familie
SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung unter besonderer Berücksichtigung der familiären Herkunft und der Rolle der Eltern. Dabei wird analysiert, wie pädagogische Konzepte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen Autonomie fördern oder einschränken können.
3.2.1 Selbstbestimmung contra Fremdbestimmung
Jeder Mensch, davon wird ausgegangen, strebt im Laufe seiner Entwicklung nach größtmöglicher Autonomie und Freiheit. Das Wesen des Menschen ist darauf angelegt, es ist ein Grundbedürfnis. Bei jedem Menschen, auch bei solchen mit schwerer geistiger Behinderung, können an seinen Entscheidungen und Handlungen Bedürfnisse abgelesen werden. Wenn aber keine Handlungsräume bereit stehen, werden diese nicht erkannt. Seine Freiheit wird ihm genommen und die Befriedigung seiner Bedürfnisse vorenthalten. Durch Fremdbestimmung kommt es also zur Gefährdung des Wohlbefindens. (vgl. Hahn 1998, S. 5f )
Eltern erziehen ihre Kinder beispielsweise zu wachsender Selbständigkeit dazu, Entscheidungen selbst treffen zu können. Dies funktioniert, indem sie mit voranschreitender Entwicklung zunehmend größere Freiräume zugebilligt bekommen. In diesen können sie selbstbestimmtes Handeln einüben und so Erfahrungen sammeln. Voraussetzung zur Selbstbestimmung ist also Handlungsspielraum, der vielen Menschen mit geistiger Behinderung, wie bereits erwähnt, häufig vorenthalten wird. Möglichkeiten in denen sie eigene Entscheidungen treffen könnten, werden von Bezugspersonen oft übersehen, da sie ihnen selbst klein und unbedeutend erscheinen. Doch auch schon Entscheidungen über Kleidung, die man tragen will oder nicht, oder ob man lieber Tee oder Saft trinkt sind Bereiche über die, selbst Schwerbehinderte bestimmen könnten. Voraussetzung hierfür ist aber, dass man mehrere Alternativen kennt, z. B. hier noch andere Getränke. Man kann nichts wollen, von dessen Existenz man nichts weiß. Demnach müssen Menschen immer wieder neue Anregungen bekommen um ihr Handlungsrepertoire erweitern zu können.
EINLEITUNG: Die Autorin legt ihre Motivation dar, die auf persönlichen Erfahrungen im Bereich der Behindertenhilfe basiert und die Relevanz der Selbstbestimmung als Leitkonzept hervorhebt.
1. Verständnis des Begriffes „geistige Behinderung“: Es wird erörtert, dass keine einheitliche Definition existiert und Behinderung vielmehr als prozesshafter Zustand unter Berücksichtigung medizinischer, psychologischer, soziologischer und pädagogischer Aspekte zu verstehen ist.
2. Der Umgang mit Behinderung im Geschichtsverlauf: Das Kapitel zeichnet den historischen Wandel vom Ausschluss und der Verfolgung bis hin zu heutigen integrativen Ansätzen der Geistigbehindertenpädagogik nach.
3. Selbstbestimmung: Dieser Abschnitt thematisiert die Independent-Living-Bewegung und zentrale Konzepte wie Normalisierung und Empowerment, die darauf abzielen, Menschen mit Behinderungen als aktive Subjekte ihrer eigenen Entwicklung zu stärken.
4. Selbstbestimmung in der Herkunftsfamilie: Durch qualitative Interviews mit Müttern und Töchtern wird untersucht, wie familiäre Dynamiken und Bewältigungsstrategien die Selbstbestimmung der Töchter beeinflussen.
SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Es wird resümiert, dass trotz positiver Entwicklungen weiterhin gesellschaftliche und individuelle Barrieren abgebaut werden müssen, um eine echte Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung zu ermöglichen.
Selbstbestimmung, Geistige Behinderung, Empowerment, Normalisierung, Herkunftsfamilie, Behindertenpädagogik, Fremdbestimmung, Autonomie, Inklusion, Integrationspädagogik, Lebenshilfe, Elternrolle, Teilhabe, Behindertenhilfe.
Die Arbeit analysiert das Konzept der Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung und untersucht, wie dieses innerhalb des familiären Kontextes gelebt, gefördert oder behindert wird.
Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Behindertenpädagogik, die theoretischen Ansätze der Selbstbestimmung und Empowerment sowie die Auswirkungen elterlicher Erziehung auf die Autonomieentwicklung behinderter Töchter.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, welche Faktoren den Übergang von einer fremdbestimmten Lebensweise zu einer selbstbestimmten Teilhabe bei geistig behinderten Menschen beeinflussen.
Die Arbeit nutzt qualitative Methoden in Form von halbstrukturierten, leitfadengestützten Einzelinterviews mit Müttern und ihren geistig behinderten Töchtern, um Einblicke in ihre Lebenswirklichkeit zu gewinnen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Aufarbeitung der Begriffe Behinderung und Selbstbestimmung sowie eine empirische Untersuchung, die exemplarisch Familienkonstellationen und deren Umgang mit der Behinderung beleuchtet.
Zentrale Begriffe sind Selbstbestimmung, Empowerment, Normalisierung, Autonomie und Familienarbeit im Kontext geistiger Behinderung.
Das Empowerment-Konzept gilt als entscheidender Paradigmenwechsel, da es die Abkehr von der „Fürsorge-Mentalität“ fordert und den behinderten Menschen als Experten in eigener Sache in den Mittelpunkt stellt.
Die Untersuchung zeigt, dass Eltern oft ein Spannungsfeld zwischen Schutzinstinkt (Überbehütung) und dem Wunsch nach Selbstständigkeit des Kindes erleben, wobei der Austausch mit anderen Betroffenen eine wesentliche Stütze bei der Bewältigung darstellt.
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