Magisterarbeit, 2012
121 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Die deutsche Kolonialpolitik bis zum Aufstand der Herero
1.2 Einführung in das Thema und Forschungsstand
1.3 Methodischer Aufbau und Fragestellung
1.4 Vorgehensweise
1.5 Quellenlage
2. Deutschland im Krieg gegen wen?
2.1 Die Berichterstattung in den ersten Wochen nach Ausbruch des Krieges
2.2 Die Herero aus pseudowissenschaftlicher Sicht: Grundlagen eines eurozentrischen Rassismus
2.3 Die Wahrnehmung der Herero in der täglichen Berichterstattung
3. Die Ereignisse im April 1904
3.1. Sieg oder Niederlage? Die militärische Situation im Spiegel der öffentlichen Wahrnehmung
3.2. Der politische Diskurs am Beispiel der Entschädigungsfrage
3.3 „Wirft Leutwein die Flinte ins Korn“? Erste Gerüchte über den Rücktritt des Gouverneurs
3.4. Die Herero im Wandel der öffentlichen Wahrnehmung
3.5 Die Selbstwahrnehmung der Deutschen. Täter oder Opfer?
4. Leutweins Ablösung
5. Die Schlacht am Waterberg - Entscheidender Sieg oder militärische Schlappe?
5.1 Das Fell des Bären wird verteilt
6. Trothas Strategie der Vernichtung
7. Zusammenfassung
Diese Magisterarbeit analysiert die Wahrnehmung und Darstellung des Herero-Aufstandes (1904) in der zeitgenössischen deutschen Tagespresse. Ziel ist es, durch eine diskurstheoretische und semantische Analyse aufzuzeigen, wie die Presse zur Legitimierung oder Ablehnung kolonialer Politik und repressiver Gewalt beitrug und welches Bild vom "Eigenen" und "Fremden" in verschiedenen politischen Lagern konstruiert wurde.
2.2 Die Herero aus pseudowissenschaftlicher Sicht: Grundlagen eines eurozentrischen Rassismus
Bereits wenige Tage nach dem in Deutschland Meldungen über den „Aufstand“ eingetroffen sind, wurden in der konservativen Presse erste - nach heutigen Maßstäben - pseudowissenschaftliche Aufsätze über die Herero veröffentlicht. Einleitend sollen zwei dieser Aufsätze besprochen werden, da sie beispielhaft für die Argumentationsweise der Kolonialagitatoren gewesen sind.
Die NPZ veröffentlichte am 16.01.1904 in der Beilage ihrer Morgen-Ausgabe einen mehrere Spalten umfassenden Bericht eines Dr. J. Wiese mit dem Titel: „Die Hereros. - Ihre Sitten und Gebräuche“. Der Artikel begann recht freundlich und nannte die Herero einen „stattlichen Menschenschlag“ von schlanker Figur und gleichmäßigem Körperbau. Die „dunkelbraunen Augen“ blickten zudem „gutmütig und [...] vergnügt in die Welt.“ Dies schien dem Autor aber bereits genug des Lobes gewesen zu sein, ging der Artikel nämlich wie folgt weiter:
„Die Glieder sind grobknochig und baumeln schlotterig am übrigen Körper herum. Wegen ihres massigen Körperbaus besitzen die Hereros tüchtige allgemeine Körperkräfte, doch wegen der geringenentwickelten [sic] und ungepflegten Muskulatur nur geringe Gewandtheit. [...] Sonst ist die Körperform hübsch und gefällig, aber Vorderarm und Füße sind auffallend lang. Die Finger erinnern in ihrer Länge an die Fangarme von Reptilien. [...] Gesicht und Gehör sind unleugbar schwächer als bei der Hottentottenrasse ausgebildet, an Körperstärke und an Ausdauer im Laufen, Tragen u.s.w. sind sie jenen wiederum weit überlegen.“
Alle positiven Eigenschaften, die Wiese den Herero in der Einleitung seines Aufsatzes zugeschrieben hatte, wurden sogleich durch vermeintlich negative Eigenschaften konterkariert, wobei er sich zunächst auf anatomische Besonderheiten stützte, die er zu erkennen glaubte. Insbesondere der Vergleich mit Reptilien, der nebenbei bemerkt die Kenntnisse des Autors bezüglich dieser Gattung in keinem guten Licht erscheinen liess, machte aus den Herero eine unmenschliche, wenn nicht sogar unnatürliche Lebensform, ein hybrides Wesen, weder Mensch noch Tier.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die deutsche Kolonialpolitik bis 1904 ein, erläutert den Forschungsstand zur Kolonialliteratur und definiert die methodische Ausrichtung der Arbeit auf eine semantische Analyse.
2. Deutschland im Krieg gegen wen?: Dieses Kapitel behandelt die anfängliche Überraschung der Presse durch den Aufstand und analysiert die Konstruktion rassistischer Stereotype zur Legitimierung der kolonialen Herrschaft.
3. Die Ereignisse im April 1904: Hier werden die kritischen Berichte über militärische Rückschläge, der politische Streit um Entschädigungszahlungen und die Diskussion um die Ablösung des Gouverneurs Leutwein dargelegt.
4. Leutweins Ablösung: Das Kapitel dokumentiert die Spekulationen um den Rücktritt Leutweins und die Ernennung von Lothar von Trotha sowie die Reaktionen der Presse auf diesen Wechsel.
5. Die Schlacht am Waterberg - Entscheidender Sieg oder militärische Schlappe?: Die Berichterstattung über die Schlacht am Waterberg wird hier untersucht, wobei der Fokus auf dem Scheitern von Trothas Plan einer Kesselschlacht liegt.
6. Trothas Strategie der Vernichtung: Dieses Kapitel analysiert die publizistischen Hinweise auf die Vernichtungsstrategie Trothas und die Versuche der Presse, die wahren Absichten hinter dem "Vernichtungsbefehl" zu deuten.
7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung bündelt die Ergebnisse zur medialen Verarbeitung des Krieges und arbeitet die unterschiedlichen Wahrnehmungsmuster der politischen Zeitungslandschaft noch einmal prägnant heraus.
Herero-Aufstand, Deutsche Kolonialgeschichte, Kolonialpresse, Rassismus, Sozialdarwinismus, Kolonialismus, Wahrnehmungsgeschichte, Entschädigungsfrage, Theodor Leutwein, Lothar von Trotha, Schutztruppe, Diskursanalyse, Fremdbild, Selbstwahrnehmung, Genozid.
Die Arbeit untersucht die zeitgenössische mediale Berichterstattung über den Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika und wie diese die öffentliche Meinung beeinflusste und spiegelte.
Im Zentrum stehen die Kriegsberichterstattung, die rassistischen Argumentationsmodelle der Zeit, die politische Debatte um Siedlerentschädigungen sowie die Frage nach Täterschaft und Opferrollen.
Ziel ist die Analyse sprachlicher Strategien und Bedeutungsmuster, mit denen Kolonialbefürworter und -kritiker den Krieg rechtfertigten oder verurteilten.
Die Arbeit ist diskurstheoretisch orientiert und nutzt eine inhaltliche sowie semantische Analyse von Zeitungsartikeln verschiedener politischer Ausrichtung.
Der Hauptteil analysiert chronologisch die Entwicklung der Berichterstattung von den ersten Meldungen über den Aufstand bis hin zur Strategie der Vernichtung unter Trotha.
Wichtige Begriffe sind rassistische Ideologien, Kolonialapologetik, Diskurs, mediale Wahrnehmung, soziale Konstruktion von Feindbildern und die kritische Analyse kolonialen Handelns.
Die Bewertung war ambivalent: Einerseits wurde er als Vertreter einer moderaten "Eingeborenenpolitik" geschätzt, andererseits galt er Kritikern als schuldig an der Eskalation oder wurde für seine Ineffektivität verantwortlich gemacht.
Der Befehl löste eine komplexe Diskussion aus, in der einerseits die militärische Notwendigkeit betont wurde, während linke Zeitungen wie der "Vorwärts" die entstehende "Schlächterei" früh scharf verurteilten.
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