Diplomarbeit, 2002
99 Seiten, Note: Sehr gut
1: Einleitung
1.1: Konvergenz – Divergenztheorie
1.2: Darstellung der Forschungsfrage
1.3: Aufbau der Arbeit
1.4: Ganzheitlicher Ansatz
2: Globalisierung
2.1: Einleitung und Definition von Globalisierung
2.2: Dimensionen der Globalisierung
2.2.1: Ökonomische Dimension
2.2.1.1: Neoliberalismus
2.2.1.2: Globalismus
2.2.2: Soziale Dimension
2.2.3: Technologische Dimension
2.2.4: Politische Dimension
2.2.5: Kulturelle Dimension
2.2.6: Ökologische Dimension
2.3: Resümee
3: Kultur und Nationalkultur
3.1: Einleitung
3.2: Kulturkonzept nach Keller und Definition von Kultur
3.3: Nationalkultur und Kritik am Nationalkulturkonzept
3.4: Sozialisation der Kultur
3.4.1: Definition der Sozialisation und Formen der Sozialisationen
3.4.2: Enkulturisation und Sozialisation von Kultur nach Keller
3.4.3: Kultur als mentale Programmierung
3.4.4: Kultur als Orientierungssystem
3.5: Konzept der universalen Kultur
3.6: Konzept der Davos-Kultur
3.7: Endogen gewachsene Wirtschaftsstrukturen als Ausprägung von Kultur
3.8: Resümee
4:Verwestlichung
4.1: Einleitung
4.2: Merkmale des Westens
4.3: Definition der Verwestlichung
4.4: Begriffsbestimmung der Modernisierung
4.5: Abgrenzungsmodell nach Huntington
4.6: Resümee aus dem Abgrenzungsmodell
5: Nichtverwestlichung von Nationalkulturen durch die Globalisierung
5.1: Einleitung
5.2: Statische und dynamische Aspekte von Kultur
5.2.1: Sozialisationsbedingte Beharrungsvermögen von Kultur
5.2.2: Dynamische Komponenten von Kultur
5.2.3: Kulturell bedingte Trägheit von endogenen geprägten Wirtschaftsstrukturen
5.3: Universale Kultur als Oberflächenerscheinung
5.3.1: Gegenargumente zur Theorie des Entstehens einer universalen Kultur
5.3.2: Davos-Kultur als weltweite Subkultur der Eliten
5.3.3: Das Entstehen von Universalkultur als ethnozentristische Sichtweise
5.4: Durch die Globalisierung bedingtes Entstehen von kultureller Diversität
5.5: Kreolisierung
5.5.1: Einleitung und Begriffsbestimmung
5.5.2: Nichtmachbarkeit von Kultur
5.5.3: Reziprozität von Kultur
5.5.4: Herausbildung von transkulturellen Gruppen
5.5.5: Herausbildung eines übergeordneten, globalen Referenzsystems
5.6: Resümee
6: Schlusswort und Darstellung der zentralen Aussagen
Die Arbeit untersucht die Annahme, dass eine durch Globalisierung getriebene Vereinheitlichung von Märkten und Lebensgewohnheiten zwangsläufig zu einer Verwestlichung von Nationalkulturen führt, und hinterfragt kritisch die Konvergenztheorie sowie das Konzept einer universalen Kultur.
3.4.4: Kultur als Orientierungssystem
„Kultur ist ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation und Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft tradiert. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzung zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung.“ (Thomas A.: Kulturvergleichende Psychologie, S. 380, Göttingen 1993)
Wenn Menschen aufeinandertreffen, die in unterschiedlichen Kulturen sozialisiert wurden, orientieren sich die Menschen an den eigenen sozialisierten Werten, Normen und Bewertungsmaßstäben. Im interkulturellen Kontakt werden die internalisierten Werte und Erfahrungen aktiviert und zur Orientierung genutzt. Dies ist zwar innerhalb der eigenen Kultur zielführend, im Umgang mit anderen Kulturen kann dies aber Grund für Fehlinterpretationen und Missverständnisse sein.
Zentrale Merkmale des kulturspezifischen Orientierungssystems lassen sich als Kulturstandards definieren. Darunter werden alle Arten des Wahrnehmens, Denkens, Wertens und Handelns verstanden, die von einer überwiegenden Zahl der Angehörigen einer Kultur für sich persönlich und andere als normal, typisch und verbindlich betrachtet werden. Solche Kulturstandards dienen der Beurteilung und nötigenfalls der Regulierung von eigenem und fremdem Verhalten. Zentrale Kulturstandards sind solche, die in sehr unterschiedlichen Situationen wirksam werden und weite Bereiche der Wahrnehmung, des Denkens, Wertens und Handelns regulieren, und die insbesondere für die Steuerung der Wahrnehmungs-, Beurteilungs- und Handlungsprozesse zwischen Individuen bedeutsam sind. (Vgl. Thomas A.: Kulturvergleichende Psychologie, S. 380, Göttingen 1993)
Solche zentralen Standards einer bestimmten Kultur können in einer anderen vollkommen fehlen oder aber nur eine untergeordnete Rolle spielen. Verschiedenen Kulturen können ähnliche Standards, jedoch mit unterschiedlicher Bedeutung und unterschiedlich weiten Toleranzbereichen aufweisen.
1: Einleitung: Stellt die Konvergenz- und Divergenztheorie gegenüber und führt in die Fragestellung ein, ob Globalisierung zu einer Verwestlichung führt.
2: Globalisierung: Analysiert Globalisierung als vieldimensionalen Prozess, inklusive ökonomischer, sozialer, technologischer, politischer, kultureller und ökologischer Aspekte.
3: Kultur und Nationalkultur: Definiert Kultur basierend auf Eugen Keller und untersucht Mechanismen der Sozialisation sowie das Konzept der "Davos-Kultur".
4:Verwestlichung: Erörtert Merkmale des Westens und trifft eine klare Unterscheidung zwischen Modernisierung und Verwestlichung anhand eines Abgrenzungsmodells.
5: Nichtverwestlichung von Nationalkulturen durch die Globalisierung: Behandelt die statischen und dynamischen Aspekte von Kultur sowie Konzepte wie Kreolisierung und Diversität.
6: Schlusswort und Darstellung der zentralen Aussagen: Fasst die Kernergebnisse zusammen, insbesondere die These, dass Sozialisation ein stabiles Beharrungsvermögen erzeugt.
Globalisierung, Nationalkultur, Verwestlichung, Konvergenztheorie, Divergenztheorie, Davos-Kultur, Kreolisierung, Sozialisation, kulturelle Diversität, Modernisierung, Interdependenz, Wirtschaftswachstum, Kulturstandard, ethnozentristische Sichtweise.
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der globalen Vernetzung auf unterschiedliche Nationalkulturen und analysiert kritisch, ob dieser Prozess zu einer weltweiten kulturellen Homogenisierung, also einer "Verwestlichung", führt.
Die zentralen Felder umfassen die ökonomischen, sozialen, technologischen, politischen, kulturellen und ökologischen Dimensionen der Globalisierung sowie deren Einfluss auf das kulturelle Selbstverständnis verschiedener Nationen.
Die Forschungsfrage lautet: „Warum führt Globalisierung nicht zur Verwestlichung von Nationalkulturen?“
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären, ganzheitlichen Ansatz, der qualitative soziologische Theorien und kulturwissenschaftliche Konzepte (wie das Modell von Eugen Keller oder Huntington) kombiniert, um den monokausalen Erklärungsmodellen der reinen Ökonomie entgegenzuwirken.
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Kultur, der Abgrenzung von Modernisierung und Verwestlichung, der Analyse von systemtheoretischen Aspekten der Kulturstabilität sowie der Darstellung der Kreolisierung als Gegenmodell zur einfachen Verwestlichungsthese.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Globalisierung, Nationalkultur, Verwestlichung, Davos-Kultur, Kreolisierung und kulturelle Diversität kennzeichnen.
Unter der "Davos-Kultur" wird eine globale Subkultur einer kleinen Elite (Wirtschaftsvertreter, Politiker, Intellektuelle) verstanden, die zwar international vernetzt ist und einen ähnlichen "Code" spricht, aber in ihrem Einfluss und ihren Lebensweisen weit von der Mehrheit der Weltbevölkerung entfernt bleibt.
Der Autor argumentiert, dass die Aneignung von Konsumgütern (wie etwa Fast-Food) oberflächlich bleibt. Tieferliegende kulturelle Werte, Normen und Identitäten sind durch langfristige Sozialisationsprozesse geprägt und widerstehen so einer schnellen oder erzwungenen kulturellen Umwandlung.
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