Masterarbeit, 2011
161 Seiten, Note: gut
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung
2. Fragestellungen und Überblick über das Thema
3. Zum historischen Hintergrund der Traumaforschung
4. Diagnostik der traumareaktiven Störungsbilder in DSM IV und ICD 10
5. Einige neurobiologische Aspekte zum Verständnis des Verhaltens in überfordernden Situationen
5.1 Grundlegende Prinzipien der Stressbewältigung: Dissoziation, Mobilisation und soziale Kommunikation
5.2 Die polyvagale Theorie von Stephen W. Porges
5.2.1 Das Modell des dreistufigen autonomen Nervensystems nach Stephen W. Porges
5.2.1.1 Dissoziations-Immobilisations-Reaktion
5.2.1.2 Mobilisation (Kampf- oder Fluchtreaktion)
5.2.1.3 Soziale Kommunikation oder soziales Engagement
5.2.1.4 Hierarchie der verschiedenen Modi der Reizregulation
5.3 Reiz-Regulations-Zyklus
5.4 Neuroplastizität
6. Integrative Traumatherapie IBP
6.1 Bausteine der Integrativen Traumatherapie IBP
6.1.1 Metatheorie von IBP: Wissenschaftsverständnis und Erkenntnistheorie
6.1.1.1 Menschenbild und Therapieverständnis
6.1.2 Therapietheorie von IBP
6.1.2.1 Ursprünge der Therapietheorie
6.1.2.2 Persönlichkeitsmodell, Therapieverständnis und Praxistheorie von IBP
6.1.2.3 Entwicklungstheorie
6.1.2.4 Weiterentwicklungen der Therapietheorie: Das Modell der unvollständigen Stressreaktion, des Pendelns und des Titrierens
6.2 Diagnostik und Symptomatik von Traumata
6.3 Therapieziele und allgemeine Vorgehensweisen in der ITT IBP. Die fünf Phasen der Integrativen Traumatherapie IBP
6.3.1 Orientierung und Stabilisierung
6.3.2 Ressourcenaufbau
6.3.3 Traumaintegration, Teil 1: Traumaüberbrückung: Korrigierende Varianten
6.3.3.1 Traumaüberbrückung mit der Fluchtvariante
6.3.3.2 Traumaüberbrückung mit der Kampfvariante
6.3.4 Traumaintegration, Teil 2: Traumakonfrontation: Komplettierende Variante:
6.3.5 Traumatransformation und Neuorientierung
6.3.6 Anwenden der ITT IBP am Beispiel des Aufarbeiten von inkompletten Abschieden und Verlusten
7. Weitere traumatherapeutische Verfahren im Überblick
7.1 Weitere ausgewählte traumatherapeutische Verfahren im Detail
7.2 Körperbezogene ganzheitliche therapeutische Verfahren
7.2.1 „Somatic Experiencing“ nach Peter A. Levine
7.2.2 Imaginatives Verfahren von Luise Reddemann: Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie (PITT)
7.3 Traumafokussierte Verfahren
7.3.1 Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei PTBS
7.3.2 Expositionsfokussierte Therapien
7.3.2.1 „Prolonged Exposure“
7.3.2.2 Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) von Francine Shapiro
8. Diskussion
8.1 Forschungsergebnisse
8.2 Gewichtung von Ressourcenaufbau und Traumakonfrontation
9. Fazit und Ausblick
Ziel dieser Masterthese ist es, die Integrative Traumatherapie IBP (ITT IBP) theoretisch darzustellen und ihre therapeutische Relevanz im Vergleich zu anderen trauma-therapeutischen Konzepten zu evaluieren. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage nach der Bedeutung von Ressourcenaufbau und Traumakonfrontation sowie der korrigierenden Varianten für die psychotherapeutische Behandlung von Betroffenen.
6.3.3 Traumaintegration, Teil 1: Traumaüberbrückung: Korrigierende Varianten
„Aus der praktischen Arbeit hat sich für mich die Möglichkeit der von mir sogenannten ‚korrigierenden Varianten’ ergeben. Damit gemeint sind hypothetische Varianten des ursprünglichen, traumatisierenden Ablaufes des Ereignisses, die zu einem guten Ende führen. Quasi ein neuer Film, einer mit happy end. Dabei geht es darum, diese korrigierende Variante entweder imaginativ oder dann mit Hilfe von Personen, die Rollen übernehmen, szenisch durchzuspielen und für den Patienten konkret physisch und emotional erlebbar zu machen (felt sense Erfahrung). Wenn diese korrigierende Variante auf diese Weise subjektiv erfahren wird, hat das enorme transformierende Wirkung und erlaubt insbesondere, der ursprünglichen, traumatisierend wirkenden Variante des Ereignisses gelassener begegnen zu können. Die korrigierende Variante ist die vielleicht beste Ressource, die man aufbauen kann, um anschliessend dem ursprünglichen Traumaablauf produktiv, d.h. heilsam zu begegnen, diesen aufzuarbeiten.“
Durch die korrigierende Variante wird wieder Hoffnung installiert ebenso wie die Erfahrung der Selbstwirksamkeit, das heisst die Erfahrung, sehr schwere Situationen bewältigen zu können.
Bei der korrigierenden Variante werden die bei jedem traumatisierenden Ereignis zumindest ansatzweise vorhandenen Flucht- oder Kampfreaktionen wieder aufgegriffen und erfolgreich abgeschlossen. Das heisst, dass inkomplette Orientierungs-, Kampf- oder Fluchtreaktionen mit der korrigierenden Variante komplettiert werden. Die Erfahrung und das Gefühl von Hilflosigkeit, Ohnmacht, Mut und Hoffnungslosigkeit (die negative Erfahrung: „Ich schaffe es nicht!“) transformiert sich auf diese Weise in die Erfahrung, dass man es schafft. In der subjektiven Bewertung des Ereignisses ist dies ein Wendepunkt, der die Traumaspirale (Traumasog) unterbrechen kann und Heilung und Integration des traumatischen Ereignisses in die eigene Lebensgeschichte einleiten kann. Die korrigierenden Erfahrungen können real oder imaginiert („imaginiert real“) durchgearbeitet werden. Beides wird vom Gehirn dank seiner Plastizität aufgenommen und gleichwertig neben die ursprüngliche traumatisierende Erfahrung gestellt. Im Sinne der Selbstreorganisation greift das Gehirn auf die Erfahrung zurück, die dem Organismus und dem Menschen mehr nützen.
1. Einleitung: Die Autorin beschreibt ihre persönliche Motivation und den historischen Kontext des wachsenden Bewusstseins für Traumatisierungen.
2. Fragestellungen und Überblick über das Thema: Es werden die zentralen Forschungsfragen sowie ein Überblick über die behandelten traumatologischen und neurobiologischen Themen dargelegt.
3. Zum historischen Hintergrund der Traumaforschung: Dieser Abschnitt bietet einen Abriss über die Entwicklung des Verständnisses von Traumafolgestörungen von der Industrialisierung bis zur Moderne.
4. Diagnostik der traumareaktiven Störungsbilder in DSM IV und ICD 10: Hier werden die diagnostischen Klassifikationen für Traumafolgestörungen (PTBS, akute Belastungsstörungen) systematisch gegenübergestellt.
5. Einige neurobiologische Aspekte zum Verständnis des Verhaltens in überfordernden Situationen: Darstellung der biologischen Stressbewältigungsmechanismen sowie die Bedeutung der polyvagalen Theorie und Neuroplastizität für das Verständnis von Traumata.
6. Integrative Traumatherapie IBP: Dieser Hauptteil erläutert die Grundlagen, das Menschenbild, die Bausteine und die speziellen Therapiemodelle (Bug-Modell, 5-Ebenen-Modell) des IBP-Ansatzes.
7. Weitere traumatherapeutische Verfahren im Überblick: Eine vergleichende Darstellung weiterer Verfahren wie Somatic Experiencing, PITT, KVT und EMDR sowie deren theoretische Schwerpunkte.
8. Diskussion: Kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit der verschiedenen Ansätze unter Berücksichtigung aktueller Forschungsergebnisse.
9. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die zukünftige notwendige Vernetzung von Forschung und Praxis.
Integrative Körperpsychotherapie IBP, Integrative Traumatherapie IBP, Psychotraumatologie, Polyvagale Theorie, Posttraumatische Belastungsstörung, PTBS, Ressourcenaufbau, Traumakonfrontation, Neuroplastizität, Unfinished Business, Dissoziation, Somatic Experiencing, Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie, PITT.
Die Arbeit befasst sich mit der Integrativen Traumatherapie IBP, ihren theoretischen Grundlagen und ihrer praktischen Anwendung im Vergleich zu anderen modernen traumatherapeutischen Ansätzen.
Die Arbeit spannt einen Bogen von historischen und diagnostischen Grundlagen über neurobiologische Erkenntnisse (u.a. Polyvagal-Theorie, Neuroplastizität) bis hin zu spezifischen therapeutischen Interventionen wie dem Ressourcenaufbau und der Traumakonfrontation.
Das primäre Ziel ist es, die Wirksamkeit und Bedeutung der IBP-Methodik in der Traumatherapie zu verdeutlichen und insbesondere die korrigierenden Varianten der Traumaüberbrückung schulenübergreifend zu diskutieren.
Die Autorin nutzt eine Literatur- und Theorieanalyse, die mit Fallbeispielen aus der eigenen therapeutischen Praxis illustriert und kritisch diskutiert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Fundamente von IBP, die Erläuterung der fünf Phasen der Traumatherapie (von Orientierung bis Neuorientierung) sowie eine ausführliche Gegenüberstellung mit anderen Verfahren wie EMDR und KVT.
Zentrale Begriffe sind die "Integration", das "Bug-Modell", der "Reiz-Regulations-Zyklus", "Ressourcenaufbau" sowie das "Pendeln" zwischen Trauma- und Ressourcenpol.
Die Arbeit beschreibt, dass unerledigte Geschäfte durch Integration von Körpererleben, Emotionen und kognitivem Verstehen abgeschlossen werden, um eine erneute Traumatisierung zu vermeiden.
Der innere Beobachter ermöglicht es Patienten, Distanz zum traumatischen Erleben zu wahren, um sich nicht von Flashbacks überfluten zu lassen, und dient somit der Stabilisierung und Kontrolle während des Therapieprozesses.
Imaginationen dienen als zentrales Werkzeug zum Aufbau von Ressourcen (z.B. "Sicherer Ort") sowie zur korrigierenden Neuinszenierung von Traumaszenarien, was durch die Neuroplastizität des Gehirns physiologisch wirksam wird.
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