Magisterarbeit, 2001
72 Seiten, Note: 1,3
Vorwort
1. Quellenlage und Forschungsstand
2. Sufismus, Volksislam und Schia
2.1. Die Schia in ihrer Entwicklung bis zum 10. Jahrhundert
2.1.1. Die Übertreiber
3. Sufitum und Volksislam
3.1. Zur Verbindung zwischen Sufitum und Schia
4. Scheich Safi, Ahnherr der Safawiden
4.1. Person, Leben und Wirken
4.2. Die religiöse Einstellung Scheich Safis
5. Die Nachfolger Scheich Safis
5.1. Scheich Gunaid
5.1.2. Gunaids Reisen
5.1.3. Gunaid und Uzun Hassan
6. Scheich Haidar
6.1. Scheich Haidars religiöser Bezug
6.2. Die Haidarkappe und die Qizilbas
6.2.1. Haidars politische Ansprüche
7. Scheich Isma´il
7.1. Gründe der Flucht der Safawidennachkommen
7.2. Isma´ils Kindheit und sein Aufenthalt in Lahigan
7.3. Isma´ils Stammbaum
7.4. Isma´ils Auszug aus Lahigan
7.5. Isma´ils Diwan
8. Religion und Politik bei Isma´il
9. Isma´ils Herrschaftsbeginn und die Einführung der Schia als Staatsreligion
9.1. Zur Frage nach der schiitischen Stabilisierung
9.1.1. Der Sadr
9.1.2. Die Verbreitung der schiitischen Dogmatik
Die Arbeit untersucht die religiöse Entwicklung der Safawiden von ihrem Ahnherrn Scheich Safi bis hin zur Machtergreifung und Etablierung der Schia als Staatsreligion durch Schah Isma'il I. Ziel ist es, die Hintergründe dieses Wandels sowie das Verhältnis zwischen Sufismus, Volksislam und schiitischen Strömungen im Persien dieser Zeit zu analysieren und zu hinterfragen, ob religiöse oder machtpolitische Motive das Handeln der frühen Safawiden-Führer maßgeblich bestimmten.
4. 2. Die religiöse Einstellung Scheich Safis
Die Frage bezüglich der religiösen Einstellung Scheichs Safis ist deswegen von besonderer Bedeutung, da es festzustellen gilt, ob schon zu diesem Zeitpunkt schiitische Einflüsse zu vermerken waren, und ob Scheich Safi vielleicht selbst Schiit war oder nicht. Ist ersteres der Fall, so stünde die religiöse Entwicklung der Safawiden von Anfang an unter schiitischen Vorzeichen und es fände lediglich ein Ausbau dieser Aspekte statt bis hin zur endgültigen Einführung der Schia als Staatsreligion. Ist aber letzteres der Fall, so hätten doch beträchtliche Veränderungen stattfinden müssen, an die sich dann die Frage nach den Gründen dieser Veränderungen anschließen würde.
Die Forschung, welche sich ebenfalls eingehend mit dieser Thematik beschäftigt hat, ist keinesfalls einstimmiger Meinung, wobei jedoch bemerkt werden muß, dass die neuere Forschung davon ausgeht, dass Safi kein Schiit gewesen ist.
Hinz führt die Abstammung Scheich Safis noch auf den 7. Imam zurück, wie es die Safawiden selbst taten, merkt zwar an, das der Stammbaum gewisse Ungereimtheiten aufzeigt, verweist aber gleichzeitig auf einen Quellenhinweis, nach dem ein gewisser Firuzsah als Vertreter dieser Familie 1174 n. Chr. nach Azerbeidschan eingewandert sein soll. Betrachten wir diese Punkte etwas eingehender. Zunächst werde ich den Stammbaum aufzeigen. Als Quelle hiezu diente das Habib as-Siyar, welches den Stammbaum Isma´ils auflistet. Anschließend werde ich das 8. Kapitel des Sawfat as- Safa hinzunehmen, in welchem Aussagen über die Religionszugehörigkeit (mazhab) des Scheich Safi gemacht werden.
1. Quellenlage und Forschungsstand: Gibt einen Überblick über die verwendeten Sekundär- und Primärquellen, wobei kritisch zwischen gesicherten Erkenntnissen und spekulativen Annahmen zur frühen Safawiden-Geschichte differenziert wird.
2. Sufismus, Volksislam und Schia: Erläutert die historischen Rahmenbedingungen im Persien nach der arabischen Eroberung und die daraus resultierende religiöse Vielfalt durch das Nebeneinander verschiedener sunnitischer und schiitischer Strömungen.
3. Sufitum und Volksislam: Beschreibt, wie sich vor dem Hintergrund sozioökonomischer Instabilität volksislamische Formen des Sufismus entwickelten, die den Bedürfnissen der einfachen Bevölkerung nach Schutz und Hoffnung entsprachen.
4. Scheich Safi, Ahnherr der Safawiden: Porträtiert die Person und das Wirken des Ordensgründers in Ardabil und setzt sich kritisch mit seinem Bild als wundertätiger Gottesmann versus realpolitisch agierender Scheich auseinander.
5. Die Nachfolger Scheich Safis: Analysiert den Wandel des Ardabiler Ordens unter seinen Nachfolgern, insbesondere den Übergang von einer spirituell geprägten Gemeinschaft hin zu einer militärisch orientierten Organisation unter Gunaid.
6. Scheich Haidar: Untersucht die Rolle Haidars, der die Militarisierung des Ordens vorantrieb, die Qizilbas als Kampftruppe formte und die Haidarkappe als Symbol schiitischer Identität einführte.
7. Scheich Isma´il: Detailliert die Kindheit und Jugend Isma'ils im Exil, seine Prägung durch ein schiitisches Umfeld und seine Rolle als messianische Figur der Qizilbas bis zu seinem Auszug nach Ardabil.
8. Religion und Politik bei Isma´il: Reflektiert über die Verschränkung von religiöser Überzeugung und politischem Machtkalkül bei Isma'il, wobei eine ehrliche schiitische Geisteshaltung postuliert wird.
9. Isma´ils Herrschaftsbeginn und die Einführung der Schia als Staatsreligion: Beschreibt die Konsolidierung der Macht nach dem Sieg bei Sarur und die Maßnahmen zur Etablierung der Schia, einschließlich der Einsetzung des Sadr.
Safawiden, Scheich Safi, Schah Isma'il, Schia, Sufismus, Volksislam, Ardabil, Qizilbas, Mahdi, Sadr, Schiitisierung, Persien, Aq Qoyunlu, Qara Qoyunlu, Religiöse Herrschaftsideologie.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des Safawiden-Ordens vom 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert, insbesondere den Wandel von einer spirituellen Sufi-Gemeinschaft zu einer politisch-militärischen Macht, die schließlich den schiitischen Islam als Staatsreligion in Iran etablierte.
Die zentralen Themen umfassen die religiöse Landschaft des mittelalterlichen Persiens, das Spannungsfeld zwischen Sunnismus und Schia, die historische Rolle der Safawiden-Führer (Safi, Gunaid, Haidar, Isma'il) und die Instrumentalisierung von Religion für machtpolitische Zwecke.
Das Ziel ist es, die Hintergründe der religiösen Transformation der Safawiden zu erhellen und zu bewerten, ob das religiöse Bekenntnis der Anführer eine authentische Überzeugung war oder lediglich als Mittel zum Zweck der Machtausdehnung diente.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse der Sekundärliteratur sowie der Auswertung historischer persischer Quellen, insbesondere Chroniken wie dem 'Safwat as-safa' und den Gedichten des Diwan von Schah Isma'il, um die historischen Ereignisse und die religiöse Einstellung der Akteure zu rekonstruieren.
Der Hauptteil analysiert chronologisch das Leben und Wirken der Scheichs, die Bedeutung turkmenischer Stammesbewegungen für den Orden sowie die Legendenbildung um Isma'il und die strategische Einführung der Schia als Herrschaftsinstrument.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Safawiden, Schia, Sufismus, Volksislam, Qizilbas, politischer Wandel und religiöse Legitimation.
Nach ausführlicher Analyse der ältesten Handschriften des 'Safwat as-safa' gelangt die Autorin zu der Ansicht, dass Scheich Safi ein sunnitischer Sufi war und schiitische Interpretationen seines Lebens erst in späteren, politisch umgearbeiteten Versionen auftauchten.
Die Qizilbas werden als militante turkmenische Anhängerschaft betrachtet, die durch ihre schiitische Grundhaltung und die Uniformierung (Haidarkappe) zu einem stabilisierenden, aber auch radikalisierenden Faktor bei der Durchsetzung der safawidischen Herrschaft beitrugen.
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