Bachelorarbeit, 2012
76 Seiten, Note: 1,0
1. Zwischen Mensch und Tier
2. Franz Marc
2.1. Leben und erste Pferde
2.1.1. Zwei Pferde, Bronze, 1908/09
2.2. Animismus in der Kunst Franz Marcs
2.2.1. Die großen blauen Pferde, 1911
2.2.2. Entwicklung nach 1912
2.3. Das Tier als Identifikationsmittel
2.3.1. Pferd in Landschaft, 1910
2.3.2. Das Tier in Marc?
3. Max Ernst
3.1. Annäherung an das Tierische als Rebellion gegen menschliche Normen?
3.1.1. Oedipe (Kap. 4, 131), Illustration aus „Une Semaine de bonté“, 1934
3.2. Loplop als Über-Ich
3.2.1. Loplop présente une fleur, 1930
3.2.2. Le surréalisme et la peinture, 1942
3.3. Alter Ego und Künstlerego
4. Joseph Beuys
4.1. Der Künstler als Schamane
4.1.1. Grundzüge des Schamanismus
4.1.2. Beuys autobiographische Initiationslegenden
4.2. Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt, 1965
4.3. Coyote: I like America and America likes Me, 1974
4.4. Friedenshase mit Zubehör (Umschmelzaktion) im Rahmen der 7000 Eichen – „Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“, 1982
5. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Motiv des Tieres im 20. Jahrhundert am Beispiel von Franz Marc, Max Ernst und Joseph Beuys. Ziel ist es, nachzuzeichnen, wie diese Künstler das Tier als animistisches Symbol und Identifikationsfigur nutzten, um gesellschaftspolitische Kritik zu üben und eine pantheistische Weltanschauung zum Ausdruck zu bringen.
2.2.1. Die großen blauen Pferde, 1911
1911 entsteht, nach vorbereitenden Skizzen und einer ersten kleinen und noch etwas sanfteren ersten Fassung, eines von Marcs wohl berühmtesten Werken, „Die großen blauen Pferde“. Diesem Schlüsselwerk geht eine Reflektion über seine bisherige Kunst und deren Schaffensprozess voraus, die ihn zu dem Schluss bringt, „die Malerei ganz von vorne“ anzufangen. Ganz im Sinne seines spanischen Kollegen Picasso will er „wie ein Kind anfangen, vor der Natur mit drei Farben und ein paar Linien (seinen) Eindruck zu geben, und dann hinzutun an Formen und Farben, wo es der Ausdruck fordert“. Er wendet sich damit noch weiter von traditioneller Wiedergabe visueller Naturbeobachtung ab, um Gefühl und seelische Impression eines Szenarios festzuhalten. „Drei Farben und ein paar Linien“ werden zum inneren Kern eines Werkes, seiner anima, die dann von malerischen Zugaben umschlossen und ausgeformt wird, als unbewusster Eindruck aber präsent bleibt.
Marc konfrontiert uns in diesem Querformat mit einer bildfüllenden Gruppe von drei Pferden, deren dichte Nähe er intensiviert, indem er sie an den vorderen Bildrand rückt. Die somit vom Knie abwärts nicht sichtbaren vorderen Tiere gewinnen in ihrer nicht klar abzumessenden Größe an zusätzlicher Monumentalität. Das gesamte Bild ist durch parallel verlaufende Wellenformen rhythmisiert. In der zentralen Pferdegruppe lässt sich zudem ein nach unten gerichtetes Dreieck vermuten, dessen außerhalb der Bildfläche gelegene Spitze von zwei schlanken, konvex geschwungenen Baumstämmen angezeigt wird. Der linke Stamm wird zwar von den Pferdeleibern verdeckt, sein weiterer Verlauf lässt sich aber in diesem von Parallelismen belebten Bild als spiegelbildlich zum rechten erahnen. Die Tiergruppe ist in ihren Überschneidungen eng ineinander geschlossen.
1. Zwischen Mensch und Tier: Einführung in die historische Tradition der Metamorphosen zwischen Mensch und Tier in der Kunst sowie Darstellung der theoretischen Basis, wie Animismus und Identifikation mit dem Tier.
2. Franz Marc: Analyse von Marcs Suche nach dem „reinen Tier“ als Ausdruck einer pantheistischen Weltanschauung und seine Entwicklung zur Abstraktion.
3. Max Ernst: Untersuchung der psychologischen Bindung Ernsts an seine tierischen Alter Egos wie Loplop und deren Rolle als „Über-Ich“ in seinen Collagen.
4. Joseph Beuys: Erörterung der Schamanenrolle von Beuys, seiner Verwendung von Materialien wie Honig und Filz sowie der symbolischen Bedeutung seiner Aktionen mit toten Tieren.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der gemeinsamen Suche der drei Künstler nach einer inneren Wirklichkeit und deren Kritik an der Entfremdung des modernen Menschen.
Animismus, Schamanismus, Identitätsfigur, Franz Marc, Max Ernst, Joseph Beuys, pantheistische Weltanschauung, Loplop, Totem, Alter Ego, Natur, Zivilisationskritik, Metamorphose, Psychoanalyse, Symbolik
Die Arbeit analysiert, wie Franz Marc, Max Ernst und Joseph Beuys das Tier als zentrales Motiv nutzen, um über bloße Naturdarstellung hinaus spirituelle, animistische und identitätsstiftende Konzepte zu vermitteln.
Die zentralen Themen sind der Animismus, die psychoanalytische Bedeutung tierischer Alter Egos, die schamanistische Performance-Kunst und die Kritik am technokratischen Fortschrittsglauben.
Das Ziel ist es, die unterschiedlichen Ansätze der drei Künstler bei der Verwendung des Tieres als „Reflexionsfigur“ und Symbolträger für eine innere Wirklichkeit aufzuzeigen.
Die Arbeit nutzt die kunsthistorische Werkanalyse in Verbindung mit biographischen, psychoanalytischen und kulturhistorischen Kontexten, um die Symbolik und Absichten der Künstler zu entschlüsseln.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Abschnitte, die jeweils einen Künstler und seine spezifische Beziehung zum Tier (Pferd bei Marc, Vogel bei Ernst, Hase/Kojote bei Beuys) im Kontext seiner Weltanschauung behandeln.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Animismus, Schamanismus, Identitätsfigur, Alter Ego, Pantheismus und Symbolik charakterisiert.
Loplop fungiert als „Privat-Phantom“ und künstlerisches Über-Ich, das Ernst von der unmittelbaren Verantwortung für sein Werk distanziert und als ausführendes Medium surrealistischer Prozesse definiert.
Der tote Hase dient Beuys als Mittler zwischen der materiellen und der spirituellen Welt. Sein Tod symbolisiert einen metaphysischen Zustand, der den Zugang zu intuitiven Kräften und einer pantheistischen Einheit jenseits rein rationaler Konzepte ermöglicht.
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