Diplomarbeit, 2009
133 Seiten, Note: 1
1. Einleitung
2. Suizidalität
2.1. Definition der Suizidalität
2.2. Terminologie
3. Epidemiologie
3.1. Probleme der epidemiologischen Erfassung
3.2. Prävalenz von Suizid und Suizidversuch
3.2.1. Prävalenz der Suizide Deutschland
3.2.2. Epidemiologische Daten von Jugendsuizid
3.2.2.1. Prävalenz der Suizide bei Jugendlichen
3.2.2.2. Prävalenz der Suizidversuche bei Jugendlichen
3.3. Geschlechtsunterschiede
3.4. Ursachen für Geschlechtsunterschiede
3.5. Suizidmethoden
3.6. Motive
4. Überblick der Ansätze & Erklärungsmodelle
4.1. Soziologische Erklärungsmodelle
4.2. Psychologische Erklärungsmodelle
4.2.1. Psychoanalytische Ansätze
4.2.2. Psychodynamische Ansätze
4.2.3. Suizidsignale & Suizidankündigungen Jugendlicher
4.3. Lerntheoretische Erklärungsmodelle
4.4. Der Werther- Effekt
4.5. Stresstheoretische Erklärungsmodelle
4.6. Interaktionale Multikonditionale Modelle
5. Jugendsuizid: Zusammenhänge Jugendalter und Suizid
5.1. Jugendliche als Sondergruppe:
5.2. Adoleszenz
5.2.1. Begriffliche Abgrenzung
5.2.2. Definition der Adoleszenz
5.2.2.1. Eingrenzung der Adoleszenz durch das Alter
5.2.2.2. Eingrenzung der Adoleszenz durch die Schule
5.2.2.3. Körperliche Veränderungen als Definitionskriterium
5.3. Gesellschaftliche Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die heutige Jugend und Jugendsuizid
5.3.1. Gesellschaftliche Veränderungen im Zuge der Modernisierung
5.3.2. Risiken und Chancen für junge Menschen durch die gesellschaftliche Veränderungen
5.3.3. Gewinner und Verlierer der gesellschaftlichen Veränderungen
5.4. Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz heute
5.5. Resiliente Jugendliche vs. Vulnerable Jugendliche
5.6. Entwicklungspsychologische Erklärungsansätze des Jugendsuizids
5.6.1. Suizid als gesteigerte Form des Risikoverhaltens
5.6.2. Jugendsuizid und verschiedene Formen des Risikoverhaltens
6. Risikofaktoren
6.1. Jugendspezifische Risikofaktoren der Suizidalität
6.1.1. Früh oder Spätentwicklung als Risikofaktor
6.1.2. Sexualität: frühe Sexualkontakte als Risikofaktor
6.1.3. Scheitern beim Umbau sozialer Beziehungen als Risikofaktor: Bedeutung der Peers
6.1.4. Gestörte Identitätsarbeit als Risikofaktor
6.1.5. Misserfolg & Versagen im Umgang mit Schule, Bildung und Beruf als Risikofaktor
6.2. Allgemeine Risikofaktoren der Suizidalität
6.2.1. Familiäre Risikofaktoren
6.2.2. psychische Störungen als Risikofaktor
6.2.3. Depression bei Kindern und Jugendlichen
6.2.4. Komorbidität als Risikofaktor
6.2.5. Persönlichkeitsmerkmale als Risikofaktor
6.2.6. Disposition/ Genetik als Risikofaktor
6.2.7. biologisch-medizinische Risikofaktor
6.2.8. Soziodemografische Risikofaktoren
6.2.9. körperliche Erkrankungen resp. Behinderungen als Risikofaktor
6.2.10. Medien als Risikofaktor
7. Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Theorie und Perspektiven für die präventive Arbeit
8. Prävention
8.1. Definition von Prävention
8.2. Verschiedene Formen der Prävention
8.2.1. Primärprävention
8.2.2. Sekundärprävention
8.2.3. Tertiärprävention
8.3. Suizidprävention
8.3.1. Suizidprävention in der Schule
8.3.2. Probleme, Barrieren und Widerstände der Suizidprävention In der Schule
8.3.3. Ziele von Suizidprävention in der Schule
8.3.4. Primärprävention in der Schule
8.3.5. Sekundärprävention in der Schule
8.3.6. Tertiärprävention in der Schule
9. Präventionsprogramm: Mindmatters
9.1. Aus der Theorie abgeleitete Kriterien zur Bewertung des Programmes zum Einsatz zur Suizidprimärprävention
9.2. „MindMatters- Mit psychischer Gesundheit gute Schule machen“
9.3. Fazit der Bewertung
9.4. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Ursachen suizidalen Verhaltens im Jugendalter unter Berücksichtigung soziologischer, psychologischer und entwicklungspsychologischer Faktoren, um daraus präventive Maßnahmen und pädagogische Handlungsmöglichkeiten insbesondere für den schulischen Bereich abzuleiten.
3.1. Probleme der epidemiologischen Erfassung
Ein gravierendes Problem bei der statistischen Erfassung und Darstellung der Suizide ist die hohe Dunkelziffer. Die offiziellen Angaben über Suizide unterschätzen die tatsächlichen Zahlen. Die Fälle die in Statistiken erfasst sind, repräsentieren nur Minimalangaben. Oft werden gerade Kinder und Jugendsuiziden von Angehörigen aus Scham, Schande und Schuld als Unfälle getarnt. Unter den Verkehrsunfälle, Drogentoten und den unklaren Todesursachen dürfte sich noch ein erheblicher Anteil unerkannter Suizide verbergen (vgl. Fiedler G. (2005) Suizide, Suizidversuche und Suizidalität in Deutschland Daten und Fakten 2005). „Die Daten des Statistischen Bundesamtes können deshalb als eine sehr konservative Schätzung der tatsächlichen Anzahl der Suizide gewertet werden, die um mindestens 25% höher angenommen wird“ (zit. ebd. (2005) Suizide, Suizidversuche und Suizidalität in Deutschland Daten und Fakten 2005).
Auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie gibt an, dass unter den Drogen- und Verkehrstoten ein erheblicher und nicht genau bekannter Anteil von Suizidenten befindet. Die Schätzungen liegen bei 10-20% (vgl. Leitlinien psychische Störungen der DGKJP (2003) 2te. überarbeitete Auflage, S. 385). Eine weitere Schwierigkeit bei der genauen Darstellung der Suizidproblematik ist die Tatsache, dass Suizidversuche seit 1963 in Deutschland nicht mehr gemeldet und registriert werden müssen. Die aktuellen Angaben beziehen sich also nur auf Suizidversuche mit Todesfolge. Alle Angaben zu Suizidversuchen sind Schätzungen und Vermutungen (vgl. Bründel 1994 S. 27). Auch Wunderlich (1999) macht darauf aufmerksam, dass es keine sicheren Angaben über die Suizid- und Suizidversuchsraten gibt: einerseits auf Grund der hohen Dunkelziffer sowie andererseits durch andere Fehlerquellen. Fehler können durch z.B. eine mangelnde Reliabilität der Bevölkerungszahlen oder Änderungen in der Klassifikation der Todesursachen entstehen. Dies ist der Fall wenn z.B. ein Suizid als Tod durch Verletzung registriert wird. Auch die Weiterentwicklung der Intensivmedizin kann defizitäre epidemiologische Angaben verursachen, da Suizidenten heute häufiger gerettet werden als früher.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz des Themas Jugendsuizid und definiert die Zielsetzung der Arbeit, die sowohl theoretische Erklärungsmodelle als auch präventive pädagogische Ansätze umfasst.
2. Suizidalität: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe der Suizidforschung und ordnet sie terminologisch ein.
3. Epidemiologie: Hier wird die Problematik der statistischen Erfassung und die aktuelle Datenlage zu Suizid und Suizidversuchen analysiert, wobei geschlechtsspezifische Aspekte und Motive Beachtung finden.
4. Überblick der Ansätze & Erklärungsmodelle: Das Kapitel bietet eine wissenschaftliche Einordnung suizidalen Verhaltens durch die Vorstellung verschiedener soziologischer, psychologischer und multimodaler Erklärungsansätze.
5. Jugendsuizid: Zusammenhänge Jugendalter und Suizid: Es wird untersucht, warum Jugendliche eine vulnerable Sondergruppe darstellen, welche Rolle gesellschaftliche Veränderungen spielen und wie Entwicklungsaufgaben bewältigt werden.
6. Risikofaktoren: Dieses Kapitel identifiziert spezifische Risikofaktoren – von familiären Strukturen über psychische Erkrankungen bis hin zu Medien – die suizidales Verhalten im Jugendalter begünstigen.
7. Zusammenfassung der Erkenntnisse aus der Theorie und Perspektiven für die präventive Arbeit: Die Erkenntnisse aus der theoretischen Analyse werden gebündelt und als Basis für notwendige präventive Arbeit formuliert.
8. Prävention: Hier werden verschiedene Präventionsformen differenziert und Strategien für die Suizidprävention, insbesondere innerhalb des schulischen Kontextes, erörtert.
9. Präventionsprogramm: Mindmatters: In diesem Kapitel wird das Programm "MindMatters" als konkretes schulbasiertes Beispiel analysiert, bewertet und in sein Fazit gestellt.
Suizidalität, Jugendsuizid, Adoleszenz, Prävention, Risikofaktoren, Resilienz, Schule, Depression, Entwicklungsaufgaben, psychische Störungen, Sozialisation, Krisenintervention, Suizidprävention, Kindesalter, Copingstrategien
Die Arbeit befasst sich mit dem komplexen Phänomen der Suizidalität im Jugendalter und untersucht, wie dieses vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und entwicklungspsychologischer Anforderungen zu verstehen und präventiv zu bearbeiten ist.
Zentrale Themen sind die Epidemiologie suizidalen Verhaltens, verschiedene theoretische Erklärungsmodelle, spezifische Risikofaktoren (familiär, schulisch, psychisch) sowie konkrete Präventionsmöglichkeiten für Schulen.
Das Ziel ist es, die Entstehungsbedingungen von Jugendsuizid wissenschaftlich fundiert darzustellen und Möglichkeiten der Pädagogik aufzuzeigen, wie suizidale Krisen frühzeitig erkannt und durch Präventionsprogramme verhindert werden können.
Die Autorin nutzt eine fundierte Literaturrecherche, zieht aktuelle empirische Studien und Statistiken (z.B. von WHO, Eurostat, Destatis) heran und bewertet ein bestehendes Präventionsprogramm ("MindMatters") anhand entwickelter Kriterien.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Suizid-Epidemiologie, die Erläuterung der Ursachenforschung, die detaillierte Darstellung von Risikofaktoren im Jugendalter und die Erörterung präventiver Interventionen.
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Suizidalität, Jugendalter, Prävention, Schule, Resilienz, Risikofaktoren, Adoleszenz und psychische Gesundheit.
Die Schule wird als zentraler Lebenskontext für Jugendliche identifiziert, der als wichtiger Schutzfaktor fungieren kann, sofern das Lehrpersonal geschult ist, Warnsignale zu deuten und unterstützende Maßnahmen anzubieten.
Die Autorin bewertet "MindMatters" positiv als ein ganzheitliches, flexibel einsetzbares Programm zur Förderung der psychischen Gesundheit, das durch seine Orientierung am Resilienz-Konzept sehr gut geeignet ist, suizidales Verhalten indirekt zu minimieren.
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