Bachelorarbeit, 2011
57 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die literarische Décadence um 1900
2.1 Eine Literaturströmung des Fin de Siècle
2.2 Kennzeichen und Motive
2.2.1 Ennui
2.2.2 Lebensferne und Isolierung
2.2.3 Ästhetizismus
2.2.4 Die Figur des Dandys
2.3 Joris-Karl Huysmans: Gegen den Strich
2.3.1 Die Bibel der Décadence
2.3.2 Huysmans und Des Esseintes
3. Popliteratur um 2000
3.1 Entwicklung und Definition
3.2 Kennzeichen und Motive des Pop-Romans
3.3 Popliteratur – ein Phänomen der Spaßgesellschaft?
3.4 Tristesse Royale
3.4.1 Ennui
3.4.2 Ästhetizismus
3.4.3 Der Dandy – mediale Selbstinszenierung oder literarische Figur?
3.5 Christian Kracht: Faserland
3.5.1 Gründungsroman der Popliteratur
3.5.2 Kracht und sein Ich-Erzähler
4. Vergleich von Gegen den Strich und Faserland
4.1 Inhaltliche Parallelen
4.2 Gemeinsame Motive
4.2.1 Ennui und Lebensferne
4.2.3 Das Dandy-Motiv
4.2.2 Ästhetizismus als Weltflucht
4.3. Die Décadence: ein Jahrhundertwendephänomen?
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich die Motive der literarischen Décadence um 1900 in der deutschen Popliteratur der 1990er Jahre widerspiegeln und ob von einer tatsächlichen Wiederkehr dieser Strömung gesprochen werden kann. Dabei steht der Vergleich zwischen Joris-Karl Huysmans' Roman Gegen den Strich und Christian Krachts Faserland im Zentrum, um die ästhetischen Parallelen und die existenzielle Haltung der Protagonisten kritisch zu analysieren.
2.3 Joris-Karl Huysmans: Gegen den Strich
Der französische Roman Gegen den Strich (frz. A rebours) von Joris-Karl Huysmans erschien 1884 und gilt seitdem als die „Bibel der Décadence“ mit einem Protagonisten, der als „dekadenter Dandy par excellence“ bezeichnet werden kann. Tatsächlich lässt sich die Behauptung aufstellen, dass alles was theoretisch über die Décadence gesagt werden kann, sich auch in dem Roman wieder findet. Nicht zuletzt deshalb, weil das Buch zum „Kultbuch einer Dichtergeneration“ wurde und die Décadence-Bewegung maßgeblich beeinflusste.
Der Roman beginnt mit einem Vorbericht, in dem der Protagonist und seine Entwicklung vorgestellt werden. Herzog Jean Floressas Des Esseintes wird beschrieben als „grazil, junger Mann von dreißig Jahren, blutarm und nervös, hohlwangig und mit Augen von einem Stahlblau“. Seine schwächliche Konstitution, durch die er seine Kindheit fast ausschließlich in Krankheit verbracht hat, wird darauf zurückgeführt, dass er der letzte seines Geschlechts ist, welches sich selbst durch Inzest zugrunde gerichtet hat. Waren die Ahnen noch „athletisch gebaute Haudegen und furchterregende Krieger“, kam es mit der Zeit in diesem Haus immer mehr zu einer „Verweiblichung der Männer“. Der Verfall ist damit das erste Motiv, das Huysmans aufgreift. Des Esseintes scheint durch diesen Verfall geschwächt und sensibilisiert zu sein, was sich auch in seiner Entwicklung widerspiegelt. Wie bereits in Kapitel 2.2.4 dargestellt, entwickelt er sich im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Dandy, von der Gesellschaft enttäuscht und angewidert einen exzentrischen Lebensstil pflegt und immer wieder neue und außergewöhnliche Reize sucht, um da Banalität des Alltags zu entkommen. Doch weder luxuriöse Kleider oder Wohnungseinrichtungen, noch außergewöhnliche Frauenliebschaften können ihn befriedigen. Im Gegenteil, je mehr er unternimmt um seine Sinne zu reizen, desto mehr verschlimmert sich der Zustand seiner Nerven. Sein Lebensüberdruss wird schließlich so groß, dass er beschließt sich ganz aus der Gesellschaft zurückzuziehen und sich ein einsames Leben in einem Landhaus außerhalb von Paris einzurichten. An dieser Stelle beginnt die eigentliche Handlung des Romans.
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, die den Zusammenhang zwischen der klassischen Décadence und der Popliteratur der 1990er Jahre beleuchtet.
2. Die literarische Décadence um 1900: Theoretische Herleitung der Epoche sowie Erläuterung zentraler Motive wie Ennui, Ästhetizismus und der Dandy-Figur.
3. Popliteratur um 2000: Analyse des Begriffs Popliteratur, ihrer kulturellen Einbettung und spezifischer Ausprägungen bei Autoren wie Christian Kracht.
4. Vergleich von Gegen den Strich und Faserland: Direkte Gegenüberstellung beider Romane zur Herausarbeitung inhaltlicher Parallelen und gemeinsamer dekadenter Grundmotive.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, ob die Popliteratur tatsächlich eine Wiederkehr der Décadence darstellt oder lediglich ein ironisches Spiel mit bekannten Motiven ist.
Décadence, Popliteratur, Fin de Siècle, Joris-Karl Huysmans, Christian Kracht, Faserland, Gegen den Strich, Dandy, Ennui, Ästhetizismus, Tristesse Royale, Postmoderne, Identitätskrise, Selbstinszenierung, Lebensüberdruss
Die Arbeit untersucht, ob die deutsche Popliteratur der 1990er Jahre – exemplarisch anhand von Werken wie Krachts Faserland – eine Wiederbelebung der historischen Literaturströmung der Décadence (Fin de Siècle) darstellt.
Zentrale Themen sind der dekadente Lebensstil, das Gefühl der Sinnlosigkeit (Ennui), der Ästhetizismus als Lebensentwurf sowie die Rolle des Dandys in einer sich verändernden Gesellschaft.
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in den literarischen Motiven zwischen dem 19. und dem späten 20. Jahrhundert aufzudecken und kritisch zu hinterfragen, ob die Popliteratur tatsächlich dekadent ist oder ironisch mit diesem Image spielt.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der zentrale Begriffe der Décadence-Literatur definiert und auf die Romane der 1990er Jahre angewendet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Décadence, die Analyse der Popliteratur als Zeitphänomen sowie den detaillierten Vergleich der beiden Romane „Gegen den Strich“ und „Faserland“.
Wichtige Begriffe sind Décadence, Ennui, Dandyismus, Ästhetizismus, Popliteratur, Identitätskrise und die ironische Selbstinszenierung.
Der Text gilt als ein manifestartiges Dokument der Popliteraten und spiegelt deren gesellschaftliche Einstellung sowie die bewusste Provokation durch dekadente Posen wider.
Ja, während der klassische Dandy oft ein bewusster Provokateur ist, wirken die modernen Protagonisten bei Kracht oft orientierungslos, geplagt von Existenzängsten und in ihrer ästhetischen Weltflucht eher unsicher.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass es sich eher um ein bewusstes, ironisches Zitieren von Motiven handelt, um die Banalität der Konsumgesellschaft zu kritisieren, als um eine genuin neue dekadente Epoche.
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