Examensarbeit, 2003
110 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
Einleitung
Teil I: Beschneidung von Frauen – Theorie
1. Beschneidung
1.1 Was versteht man unter Beschneidung?
1.1.1 Beschneidung allgemein
1.1.2 Weibliche Beschneidung
1.2 Unterschiedliche Formen der
Genitalverstümmelung bei Frauen
1.2.1 Sunna
1.2.2 Klitoridektomie
1.2.3 Pharaonische Beschneidung / Infibulation
1.2.4 Erneute Beschneidung / Refibulation
1.3 Wie läuft eine Beschneidung ab?
1.3.1 Die Ausführenden
1.3.2 Wer wird beschnitten
1.3.3 Wie läuft die Beschneidung ab?
1.4 Begründungen die für FGM angeführt werden
2. Verbreitung von FGM
2.1 Ursprünge
2.2 Geschichte der Klitorisbeschneidung und der
Infibulationspraktiken in der westlichen Welt
2.3 Geographische Verbreitung
3. Religion und Beschneidung: ein Zusammenhang?
4. Initiationsritus Beschneidung?!
5. Gesundheitliche Folgen
5.1 Gesundheitliche Folgeerscheinungen
5.2 Vergleich: Medizinische Lage und Versorgung –
Erste und Dritte Welt
5.3 Aids
6. Gesetzeslage
7. Männliche Beschneidung
8. Ausblick – Hoffnung auf Veränderung
Teil II: Didaktische Umsetzung in der Schule
9. „Wüstenblume“ – Das Buch
9.1 Die Autorin: Waris Dirie
9.2 Textanalyse
9.3 Die im Buch angesprochenen Probleme
10. Was ist Problemliteratur?
10.1 In welcher Klasse und in welchem Fach? Warum?
10.2 Mit welchen Problemen muss gerechnet werden?
11. Planung einer Unterrichtseinheit
11.1 Voraussetzungen
11.1.1 Vorwissen
11.1.2 Räumliche und zeitliche Bedingungen
11.2 Möglicher Unterrichtsverlauf
11.2.1 Hinführung: Phantasiereise
11.2.2 Erarbeitung
11.2.2.1 Partnerpuzzle
11.2.2.2 Lerntheke
11.2.2.3 Strukturierte Kontroverse
11.2.3 Zwischenbilanz, Übergang zur Projektarbeit
12. Projektlernen
12.1 Kurzdefinition
12.2 Einzelne Phasen und ihre Durchführung
12.2.1 Initiativphase
12.2.2 Informationsphase
12.2.3 Planungsphase
12.2.4 Ausführungsphase
12.2.5 Verifikationsphase
12.2.6 Präsentationsphase: Informationsabend
13. Abschließende Gedanken
Die Arbeit beleuchtet die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) aus theoretischer Sicht und entwickelt auf dieser Basis ein didaktisches Konzept für den Einsatz des Romans „Wüstenblume“ von Waris Dirie im Unterricht der neunten Klasse.
1.3.3 Wie läuft eine Beschneidung ab?
Bei Nomaden läuft die Beschneidung oft wie im Fall von Waris Dirie, die mit fünf Jahren beschnitten wurde, ab:
Das Mädchen wird am Abend vor seiner Beschneidung angewiesen, nicht zu viel Wasser zu trinken. Früh am nächsten Morgen, solange alle anderen noch schlafen, wird sie vom Lager weggeführt, damit ihre Schreie die anderen nicht wecken. Das Mädchen sitzt auf einem flachen Stein und bekommt die Augen verbunden. Jemand, der sie festhält setzt sich hinter sie, zieht ihren Kopf an seine Brust und umschlingt ihren Körper mit den Beinen. Eine Wurzel zum Draufbeißen ist alles, was das Mädchen bekommt, um die Schmerzen durchzustehen. Dann beginnt die Beschneidung.
„Dann spürte ich, wie mein Fleisch, meine Geschlechtsteile, fortgeschnitten wurden. Ich hörte den Klang der stumpfen Klinge, die durch meine Haut fuhr. (...) Es ist, als ob dir jemand ein Stück Fleisch aus dem Oberschenkel reißt oder dir den Arm abschneidet, nur dass es sich dabei um den empfindsamsten Teil deines Körpers handelt.“
Mit Akaziendornen werden Löcher in die Haut gestochen, durch die die Beschneiderin einen festen Zwirn schiebt, um das Mädchen zu vernähen. Damit sich das Mädchen nicht bewegt, und ihre schweren Wunden ausheilen können, werden der Beschnittenen bis zu 40 Tage lang die Beine von den Fersen bis zur Hüfte zusammengebunden. Es gehört zur Tradition, dass unter einem Baum eine kleine Hütte errichtet wird, in der das Mädchen in den Wochen nach ihrer Beschneidung allein ruhen und sich erholen soll, bis es wieder gesund ist.
1. Beschneidung: Dieses Kapitel definiert und klassifiziert die verschiedenen Formen der weiblichen Genitalverstümmelung.
2. Verbreitung von FGM: Hier werden die historischen Ursprünge und die geografische Ausbreitung der Praxis analysiert.
3. Religion und Beschneidung: ein Zusammenhang?: Das Kapitel untersucht das Verhältnis zwischen islamischen Traditionen und der Beschneidungspraxis.
4. Initiationsritus Beschneidung?!: Diese Sektion betrachtet die Beschneidung als Übergangsritus im Kontext der sozialen Integration.
5. Gesundheitliche Folgen: Hier werden die unmittelbaren und langfristigen physischen sowie psychischen Auswirkungen dargestellt.
6. Gesetzeslage: Das Kapitel behandelt den Umgang mit FGM aus rechtlicher Perspektive und thematisiert Menschenrechte.
7. Männliche Beschneidung: Ein kurzer Vergleich zur männlichen Beschneidung soll Parallelen aufzeigen.
8. Ausblick – Hoffnung auf Veränderung: Das Kapitel erörtert Ansätze für soziale Veränderung und Aufklärungsarbeit.
9. „Wüstenblume“ – Das Buch: Eine Analyse des Werkes von Waris Dirie im Hinblick auf den Inhalt und die didaktische Eignung.
10. Was ist Problemliteratur?: Dieses Kapitel bietet eine Einordnung des Romans in die Gattung der Problemliteratur.
11. Planung einer Unterrichtseinheit: Hier werden didaktische Voraussetzungen und der konkrete Unterrichtsverlauf beschrieben.
12. Projektlernen: Das Kapitel beschreibt methodische Phasen des Projektlernens für den Schulunterricht.
Weibliche Genitalverstümmelung, FGM, Wüstenblume, Waris Dirie, Problemliteratur, Initiation, Menschenrechte, Aufklärung, Projektlernen, Didaktik, Afrika, Infibulation, Klitoridektomie, Tradition.
Die Arbeit untersucht das komplexe Thema der weiblichen Genitalverstümmelung aus theoretischer Sicht und verknüpft diese Ergebnisse mit einer didaktischen Konzeption für die Schule.
Im Zentrum stehen die medizinischen und psychischen Folgen von FGM, kulturelle und religiöse Hintergründe sowie die didaktische Vermittlung dieser sensiblen Thematik mittels Literatur.
Das Ziel ist es, Lehrpersonen fundierte Informationen zu bieten und einen erprobten Weg aufzuzeigen, wie das Thema „weibliche Genitalverstümmelung“ anhand des Romans „Wüstenblume“ altersgerecht und sensibel im Unterricht behandelt werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der didaktischen Aufbereitung von Unterrichtsmethoden (wie Partnerpuzzle, Lerntheke, strukturierte Kontroverse und Projektlernen).
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit FGM sowie eine ausführliche didaktische Planung für eine Unterrichtseinheit zum Roman „Wüstenblume“.
Zentrale Begriffe sind Weibliche Genitalverstümmelung, FGM, Wüstenblume, Aufklärung, didaktisches Konzept und Projektlernen.
Der Roman wird als Problemliteratur eingestuft, da er ein ernstes gesellschaftliches Problem thematisiert und zur Auseinandersetzung mit aktuellen sozialen Forderungen sowie der Realität betroffener Frauen anregt.
Durch einen abwechslungsreichen Methodenmix, der von Phantasiereisen bis zu einer strukturierten Kontroverse reicht, werden die Schüler zur selbstständigen und reflektierten Auseinandersetzung angeregt, während der Lehrer als unterstützender Begleiter agiert.
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