Bachelorarbeit, 2009
41 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Deutschlands - Erster Weltkrieg, Weimarer Republik
1. Einleitung
1.1 Thema und Erkenntnisinteresse
1.2 Politische Gewalt
1.2.1 Begriffsbestimmung
1.2.2 Kriterien für die Unterscheidung verschiedener Typen von Gewalt
1.3 Die Entwicklung des Antisemitismus vom Kaiserreich bis in die Frühphase der Weimarer Republik
1.4 Politische Gewalt in der Weimarer Republik
1.5 Quellen
1.5.1 Auswahl der Quellen
1.5.2 Die jüdische Presse
1.5.2.1 Der C.V. und die C.V.-Zeitung
1.5.2.2 Die Jüdische Rundschau
1.5.2.3 Der Israelit
1.5.2.4 Die Wahrheit
2. Der Mord an Walter Rathenau und das <<Scheunenviertelpogrom>>
2.1 Der Mord an Walther Rathenau
2.1.1 Walther Rathenau
2.1.2 Die Hintergründe der Tat und die Reaktionen der Öffentlichkeit
2.1.3 Kategorisierung der Gewalt
2.1.4 Die Reaktion der jüdischen Presse
2.1.4.1 Die C.V.-Zeitung
2.1.4.2 Die Jüdische Rundschau
2.1.4.3 Die Wahrheit
2.2 Das <<Scheunenviertelpogrom>>
2.2.1 Der Verlauf des Pogroms
2.2.2 Kategorisierung der Gewalt
2.2.3 Die Reaktion der jüdischen Presse
2.2.3.1 Jüdische Rundschau, Der Israelit und C. V. - Zeitung
3. Schluss
3.1 Antisemitismus in der Wahrnehmung der jüdischen Öffentlichkeit
3.2 Antisemitische Gewalt in der Deutung der jüdischen Presse
Die Arbeit untersucht, wie die jüdische Öffentlichkeit in Deutschland während der Frühphase der Weimarer Republik auf zwei zentrale antisemitische Gewaltakte – den Mord an Walther Rathenau und das sogenannte „Scheunenviertelpogrom“ – reagierte und diese in ihrem spezifischen Weltbild deutete.
1.1 Thema und Erkenntnisinteresse
„Kriminelles und gewalttätiges Vorgehen gegen Juden wurde nun zu einer eigenständigen Dimension des Antisemitismus – einer Form von Judenhaß, die es im Kaiserreich noch nicht gegeben hatte.“
Diese Aussage zum Antisemitismus in der Weimarer Republik stammt aus dem Buch Antisemitische Kriminalität und Gewalt von Dirk Walter. Anknüpfend an die Erkenntnis, dass in der Weimarer Republik Gewalt gegen Juden eine „eigenständige Dimension des Antisemitismus“ darstellte, sind in den letzten Jahren einige Arbeiten zu diesem Thema erschienen. Walter liefert einen Überblick über die Häufung antisemitischer Gewalt und die Diskussion dieser Gewalt in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik, während andere, wie Jacob Borut, auf der lokalen Ebene forschen, um zu zeigen, wie sich der Antisemitismus in der Weimarer Republik manifestierte. Gemeinsam ist den Bemühungen, dass nicht nur die Voraussetzungen für antisemitische Gewalt oder die Folgen für das Bestehen der Weimarer Republik untersucht werden, sondern auch und vor allem der Umgang der jüdischen und nicht-jüdischen Öffentlichkeit mit antisemitischer Gewalt. Cornelia Hecht beschäftigt sich in ihrer Studie Deutsche Juden und Antisemitismus in der Weimarer Republik ausführlich mit der Wahrnehmung und Deutung, nicht nur des gewalttätigen Antisemitismus, durch deutsche Juden.
Anknüpfend an diese Ansätze soll in dieser Arbeit die Reaktion der jüdischen Öffentlichkeit auf zwei Fälle antisemitischer Gewalt in der Frühphase der Weimarer Republik, den Mord an Walther Rathenau und das <<Scheunenviertelpogrom>>, untersucht werden. Einerseits interessieren hierbei die unterschiedlichen Sichtweisen auf Antisemitismus, die unter den deutschen Juden der Weimarer Republik existierten, andererseits die Deutungsmuster, welche die deutschen Juden bei der Interpretation von antijüdischer Gewalt anwendeten.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der antijüdischen Gewalt in der Weimarer Republik und Darstellung der zentralen Forschungsfragen sowie der methodischen Herangehensweise.
2. Der Mord an Walter Rathenau und das <<Scheunenviertelpogrom>>: Analyse der beiden gewalttätigen Vorfälle sowie der jeweiligen Reaktionen und Deutungen innerhalb der jüdischen Presse.
3. Schluss: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Wahrnehmung von Antisemitismus und der Deutung gewaltsamer Übergriffe durch die jüdische Öffentlichkeit.
Antisemitismus, Weimarer Republik, jüdische Presse, Walther Rathenau, Scheunenviertelpogrom, Gewalt, C.V.-Zeitung, Jüdische Rundschau, Identität, Diskriminierung, politische Gewalt, Assimilation, Deutungsmuster, Judenhaß, Minderheitenschutz.
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Reaktionen der jüdischen Öffentlichkeit in Deutschland auf antisemitische Gewaltakte in der frühen Weimarer Republik, exemplarisch dargestellt anhand des Rathenau-Mordes und des Scheunenviertelpogroms.
Im Mittelpunkt stehen die Wahrnehmung von Antisemitismus, die publizistischen Reaktionen jüdischer Zeitungen und die Entwicklung spezifischer Deutungsmuster zur Einordnung der Gewalt.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche jüdische Strömungen antijüdische Gewalt interpretierten und welche Rückschlüsse dies auf ihr Selbstverständnis und ihre politische Positionierung zulässt.
Die Arbeit nutzt einen historisch-analytischen Ansatz, primär basierend auf der Auswertung zeitgenössischer jüdischer Zeitungsquellen und der wissenschaftlichen Fachliteratur.
Der Hauptteil widmet sich detailliert dem Mord an Walther Rathenau sowie den Ausschreitungen im Berliner Scheunenviertel und kontrastiert die Reaktionen der unterschiedlichen Presseorgane.
Wichtige Begriffe sind Antisemitismus, Weimarer Republik, jüdische Presse, Gewalt, Identität, politische Auseinandersetzung und jüdische Selbstwahrnehmung.
Der Mord an Rathenau markierte einen Höhepunkt rechter Gewalt gegen die Republik und ihre jüdischen Repräsentanten, was die jüdische Presse zu sehr unterschiedlichen Deutungsversuchen zwang.
Es zeigt sich ein Spannungsfeld zwischen der Identifizierung der Täter als rechtsextreme Agitatoren und der Sorge, dass diese Gewalt Ausdruck eines tieferliegenden, gescheiterten Assimilationsprozesses sein könnte.
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