Diplomarbeit, 2003
57 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Währungskrisenmodelle
2.1 Zahlungsbilanzkrisen und spekulative Attacken – Modelle der ersten Generation
2.2 Die Rolle selbsterfüllender Erwartungen – Modelle zweiter Generation
2.3 Modelle erster und zweiter Generation im Licht jüngster Währungskrisen
3. Währungskrisen bei unvollständigen Finanzmärkten
3.1 Die Rolle hoher Fremdwährungsverbindlichkeiten und der Kreditbeschränkung des Unternehmenssektors – Das Währungskrisenmodell von Aghion, Bacchetta und Banerjee
3.1.1 Annahmen des Modells
3.1.2 Geld- und Kreditmarkt
3.1.3 Die Währungskrise – Mögliche Entwicklung von Wechselkurs und Einkommen
3.1.4 Diskussion des Modells
3.2 Können Krisen durch die Geldpolitik verhindert werden? – Implikationen des Modells von AGHION et al. 2000a
3.2.1 Die Rolle der Geldpolitik, wenn die Kreditbeschränkung vom Realzins abhängt – warum eine restriktive Geldpolitik erforderlich ist
3.2.2 Modifikation: Implikationen, falls die Kreditbeschränkung vom Nominalzins abhängig ist
4. Empirische Ergebnisse zur Frage nach der angemessenen Geldpolitik in Währungskrisen
4.1 Der Zusammenhang von Zins und Wechselkurs
4.1.1 KRAAY 2000 – Wechselkursstabilisierung während spekulativer Attacken
4.1.2 GOLDFAJN/GUPTA 2003 – Reale Aufwertung durch Aufwertung des nominalen Wechselkurses oder durch höhere Inflation?
4.1.3 FURMAN/STIGLITZ 1998 – Der Zusammenhang von Zins und Wechselkurs in ausgewählten Entwicklungsländern
4.2 Geldpolitik während der Asienkrise
4.2.1 DEKLE/HSIAO/WANG 1998 – Nominale Aufwertung und hohe Nominalzinsen
4.2.2 GOULD/KAMIN 1999 – Einfluß der Geldpolitik auf den realen Wechselkurs
4.3.1 GOLDFAJN/BAIG 1998 – Umkehrung der Unterbewertung durch nominale Aufwertung?
4.4 Zusammenfassung
5. Schlußfolgerungen
Die Arbeit untersucht die angemessene geldpolitische Reaktion auf Währungskrisen, indem sie theoretische Ansätze der dritten Modellgeneration mit empirischen Erkenntnissen verknüpft, um zu prüfen, ob eine restriktive Geldpolitik zur Stabilisierung beitragen kann.
3.1.3 Die Währungskrise – Mögliche Entwicklung von Wechselkurs und Einkommen
Zur Veranschaulichung des Gleichgewichtes bzw. der Möglichkeit einer Währungskrise sind die ZPLM-Kurve, als Repräsentant des Geldmarktes und Devisenmarktes, und die W-Kurve, als Repräsentant des unvollständigen Kreditmarktes von zentraler Bedeutung. Die ZPLM-Kurve beschreibt einen negativen Zusammenhang zwischen dem (erwarteten) Einkommen der Folgeperiode und dem Wechselkurs der aktuellen Periode, wohingegen die W-Kurve aussagt, daß das Einkommen der Folgeperiode negativ auf Änderungen des aktuellen Wechselkurses reagiert. Dieser Zusammenhang läßt sich graphisch in einem Diagramm darstellen, in dem das zukünftige Einkommen Yt+1 auf der Abzisse und der aktuelle Wechselkurs Et auf der Ordinate abgetragen wird. Das Gleichgewicht dieses Modells wird dann beschrieben durch den Schnittpunkt beider Kurven.
Es ist besonders hervorzuheben, daß sich, je nach Lage der beiden Kurven, verschiedene Gleichgewichtszustände ergeben können:
Erstens, der Optimal-Fall, ein eindeutiges Gleichgewicht bei hohem Einkommen und niedrigem Wechselkurs (Abb. 3, Anhang A.1). Zweitens, eine Gleichgewichtssituation, in der die Abwertung so hoch ist, daß sich ein Einkommen von null herausbildet (Abb. 4, Anhang A.1). Schließlich, der Fall multipler Gleichgewichte: bei diesem Fall sind zwei Schnittpunkte der Kurven möglich, so daß sich entweder ein Gleichgewicht mit hohem Einkommen und niedrigem Wechselkurs ergeben kann, oder aber ein „Krisen-Gleichgewicht“ mit niedrigem Einkommen und abgewerteter Währung (Abb. 5, Anhang A.1). Dieser Fall der multiplen Gleichgewichte ermöglicht es, die Rolle von selbsterfüllenden Erwartungen der Individuen in das Modell zu integrieren: wird eine Abwertung erwartet, und damit auch ein Einkommensrückgang, so werden die Individuen ihre Geldhaltung reduzieren, was dann tatsächlich zu einer Abwertung und damit in eine Währungskrise führt. Somit können Erwartungsänderungen bezüglich des Zustandes der Ökonomie von einem anfänglich „guten“ Gleichgewicht zu einer Währungskrise führen.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse um die angemessene geldpolitische Reaktion in Währungskrisen ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie den Aufbau der Diplomarbeit.
2. Währungskrisenmodelle: Das Kapitel stellt die Standardmodelle der ersten und zweiten Generation vor und erläutert deren Fokus auf inkonsistente Fiskalpolitik oder selbsterfüllende Erwartungen.
3. Währungskrisen bei unvollständigen Finanzmärkten: Hier wird das Modell von Aghion et al. (2000a) detailliert analysiert, wobei die Auswirkungen von Kreditbeschränkungen und Fremdwährungsverbindlichkeiten auf die Stabilität der Wirtschaft untersucht werden.
4. Empirische Ergebnisse zur Frage nach der angemessenen Geldpolitik in Währungskrisen: Das Kapitel evaluiert anhand von sechs empirischen Studien, ob die theoretischen Forderungen nach restriktiver Geldpolitik in der Praxis durch Daten untermauert werden können.
5. Schlußfolgerungen: Die Abschlussbetrachtung fasst die theoretischen und empirischen Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, die Verschuldungsstruktur eines Landes bei der geldpolitischen Entscheidungsfindung zu berücksichtigen.
Währungskrise, Geldpolitik, Fremdwährungsverbindlichkeiten, Kreditbeschränkung, Zinspolitik, Wechselkursstabilisierung, Asienkrise, Kapitalmarkt, Finanzmarktfriktionen, restriktive Geldpolitik, Modell dritter Generation, Zinsparität, empirische Analyse, Bilanz-Effekt
Die Diplomarbeit analysiert die Rolle der Geldpolitik in Währungskrisen und untersucht auf Basis theoretischer Modelle und empirischer Studien, ob eine restriktive Zinspolitik zur Stabilisierung der Wirtschaft geeignet ist.
Im Zentrum stehen die Modelle der dritten Generation zur Erklärung von Währungskrisen unter Berücksichtigung unvollständiger Kapitalmärkte, die Auswirkungen von Fremdwährungsverschuldung sowie die empirische Evaluierung geldpolitischer Maßnahmen.
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Frage nach der angemessenen Geldpolitik in Währungskrisen zu beantworten und zu prüfen, ob die theoretisch abgeleitete Notwendigkeit restriktiver Maßnahmen durch empirische Befunde gestützt wird.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Analyse makroökonomischer Modelle (insbesondere das Modell von Aghion, Bacchetta und Banerjee) mit einer Literaturübersicht und Diskussion zahlreicher empirischer Regressionsstudien.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Modellierung von Krisen bei unvollkommenen Finanzmärkten und die anschließende empirische Diskussion zur Wirksamkeit von Zinserhöhungen in verschiedenen Ländergruppen und Krisenszenarien.
Zu den Kernbegriffen zählen Währungskrise, Kreditbeschränkung, Fremdwährungsverbindlichkeiten, Zinspolitik, Wechselkursstabilisierung und finanzielle Fragilität.
Im Gegensatz zu früheren Ansätzen, die den Fokus auf staatliche Budgetdefizite oder rein psychologische Erwartungseffekte legten, betont dieses Modell Friktionen auf Finanzmärkten und den Bilanz-Effekt durch Fremdwährungsverbindlichkeiten.
Eine restriktive Geldpolitik, also Zinserhöhungen, wird in der Theorie oft als Mittel zur Wechselkursstabilisierung empfohlen, um Kapitalflucht zu verhindern, auch wenn die empirische Evidenz für diesen stabilisierenden Effekt je nach Fall und Verschuldungssituation umstritten ist.
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