Bachelorarbeit, 2012
38 Seiten, Note: 1,0
Didaktik für das Fach Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
0 Einleitung
1 Historische Entwicklung von Spracherwerbstheorien und die Veränderung von Fehlerauffassungen
1.1 Sprache als System: die Grammatikübersetzungsmethode
1.2 Reformbewegung und die direkte Methode
1.3 Der Behaviorismus: Sprachlernen als möglichst perfekte Imitation
1.4 Nurture vs. Nature: Sprache als angeborene Eigenschaft
1.5 Natural-Approach-Hypothese: Spracherwerb durch implizites Wissen
1.6 Die kommunikative Wende: die Dominanz der gesprochenen Sprache
1.6.1 Das Konzept der Interimssprache: verschiedene Stufen im Spracherwerbsprozess
1.6.2 Die Kognitivistisch-konstruktivistische Lerntheorie: aktive mentale Wissenskonstruktion durch die Lernenden
1.6.3 Die Theorie des negativen Wissens: Fehler können auch hilfreich sein
1.7 Aktueller Forschungsstand: Kompetenzen und kommunikativer Erfolg
1.8 Zwischenbilanz
2 Anwendung und Diskussion der theoretischen Erkenntnisse
2.1 Analyse einer Klassenarbeit
2.1.1 Aufgabe 1c: Kurzantworten auf Textverständnisfragen
2.1.2 Aufgabe 3: Deduktive Grammatiküberprüfung
2.1.3 Aufgabe 4: Textproduktion
2.1.4 Der Stellenwert von Fehlern in dieser Arbeit
2.2 Diskussion des Fehlerquotienten und der Bewertung von Sprachrichtigkeit
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht den diachronen Wandel der Fehlerauffassungen im Fremdsprachenunterricht und analysiert deren theoretische Begründungen im Kontext verschiedener Spracherwerbstheorien. Das zentrale Ziel ist es, die Entwicklung vom Fehler als bloßem Defizit hin zum produktiven Lernimpuls aufzuzeigen und die praktische Anwendbarkeit dieser Erkenntnisse mittels einer beispielhaften Fehleranalyse einer realen Klassenarbeit kritisch zu reflektieren.
1.3 Der Behaviorismus: Sprachlernen als möglichst perfekte Imitation
Insbesondere in den 1950er Jahren herrschte in Amerika der Behaviorismus vor, der auf den Tierexperimenten des Physiologen Iwan Pawlow (der klassischen Konditionierung) basierte und dann von dem amerikanischen Psychologen John B. Watson weiterentwickelt wurde, der ihre psychologische Bedeutung herausarbeitete. Dabei wurde menschliches Verhalten auf sichtbare Verhaltensweisen reduziert, die Black-Box-Annahme, und als „eine Antwort (Reaktion) auf einen äußeren Reiz (Stimulus)“ definiert (Funsch/Jungkunz 2007: 66). Zudem setzte sich Burrhus Frederic Skinner intensiv mit dem Erwerb der Erstsprache (L1) auseinander, während sich Robert Lado mit dem der Zweitsprache (L2) beschäftigte.
Laut diesen Theorien lernen Menschen Sprache, genau wie Verhalten, durch Imitation. Dabei erhielten sie sprachlichen Input von ihrer Umgebung und positive Verstärkung, wenn sie diesen korrekt wiederholen oder imitieren. Dies resultiere im Entstehen von sogenannten habits. L2-Lerner seien zunächst nur mit den habits, die mit ihrer Erstsprache verknüpft sind, vertraut. Da jedoch diese L1-habits zu Interferenzen beim Erwerb der Zweitsprache führen, müssten neue (L2-)habits gelernt werden. Dabei könne der Lerner Analogien zwischen der L1 und L2 leicht erkennen und anwenden, jedoch würden ihm Unterschiede zwischen den beiden Sprachen Schwierigkeiten bereiten, die in negativem Transfer (contrastive analysis hypothesis) resultierten.
Dieses Phänomen sei auch gleichzeitig der zentrale Ausgangspunkt für das Entstehen von Fehlern, wenn L1-habits den Erwerb von L2-habits störend beeinflussen (vgl. Lightbown/Spada 1993: 23). Diese Fehler haben folglich keine positive Wirkung auf den Lernerfolg, sondern sind „a sign of failure“ (VanPatten/Benati 2010: 68). Beim Behaviorismus stehe im Unterricht die Lehrkraft im Mittelpunkt, weil der Lernprozess durch positives und negatives Feedback angetrieben werde. Infolgedessen nehme der Lerner eine passive Rolle ein (vgl. Weingardt 2004: 63).
0 Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz der Untersuchung des Wandels von Fehlerauffassungen für den schulischen Berufsalltag und definiert die Zielsetzung der Arbeit.
1 Historische Entwicklung von Spracherwerbstheorien und die Veränderung von Fehlerauffassungen: Dieses Kapitel zeichnet nach, wie sich der theoretische Blick auf Fehler von der bloßen „Fehlleistung“ zur konstruktiven „Lernchance“ über verschiedene Spracherwerbstheorien hinweg gewandelt hat.
2 Anwendung und Diskussion der theoretischen Erkenntnisse: Hier werden die erarbeiteten theoretischen Ansätze genutzt, um eine tatsächliche Klassenarbeit zu analysieren und die Methoden der Fehlerbewertung kritisch zu hinterfragen.
Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und betont, dass Fehler als natürlicher Bestandteil des Spracherwerbsprozesses verstanden werden sollten, während der starre Fehlerquotient zur individuellen Kompetenzmessung ungeeignet ist.
Spracherwerbstheorien, Fehleranalyse, Fremdsprachenunterricht, Interlanguage, Fehlerkultur, Kognitivismus, Konstruktivismus, Kommunikative Wende, Fehlerquotient, Sprachrichtigkeit, Kompetenzorientierung, Sprachperformanz, Lernerfolg, Lerndefizit, Bildungsstandards.
Die Arbeit untersucht den historischen und theoretischen Wandel, wie Lehrer und Didaktiker mit Fehlern im Fremdsprachenunterricht umgehen.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Spracherwerbstheorien, das Konzept der Interimssprache sowie die Kritik an klassischen Bewertungsmethoden wie dem Fehlerquotienten.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie moderne Theorien Fehler von einem zu bestrafenden „Defizit“ in eine hilfreiche „Lernchance“ transformiert haben.
Die Arbeit führt eine diachrone Analyse der Theorien durch und kombiniert diese mit einer beispielhaften praktischen Anwendung an einer Klassenarbeit.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Überblick (behavioristische bis konstruktivistische Ansätze) und eine praktische Analyse, in der Korrekturstile einer Klassenarbeit auf ihre Eignung geprüft werden.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fehleranalyse, Spracherwerbstheorien, Fehlerkultur, Interimssprache und Kompetenzorientierung.
Das Santa-Maria-Prinzip sieht Fehler als notwendigen Teil des Entdeckens und Lernens an, während das Titanic-Prinzip Fehler ignoriert, was den Aufbau von notwendigem Fehlerwissen verhindert.
Er führt zwar zu objektiven Noten, misst aber nur Fehleranzahlen und vernachlässigt die kommunikative Kompetenz sowie das individuelle Lernpotenzial des Schülers.
Er fordert eine Kompetenzorientierung, bei der individueller Förderbedarf hervorgehoben wird und Fehler als notwendige Bestandteile von Lernprozessen betrachtet werden sollen, anstatt sie negativ zu sanktionieren.
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