Examensarbeit, 2012
145 Seiten, Note: 13 Punkte
1. Einleitung
1.1 Begründung der Untersuchungsmethodik und Abgrenzung des Untersuchungsgegenstandes
2. Vergangenheitsbewältigung im geteilten Deutschland
3. Rahmenbedingungen der Schulbuchanalyse
3.1 Forschungsstand: Schulbuchanalysen zur Darstellung des NS
3.2 Das Geschichtsbuch als Quelle
3.3 Phasen der Schulbuchgestaltung nach 1948
3.3.1 In der Bundesrepublik
3.3.2 In der DDR
3.4 Der Nationalsozialismus im Lehrplan
3.4.1 Kurzer Abriss zur Lehrplangestaltung
3.4.2 Der Nationalsozialismus im westdeutschen Lehrplan
3.4.3 Der Nationalsozialismus im ostdeutschen Lehrplan
3.5 Untersuchungsgegenstände
3.5.1 Geschichte 9
3.5.2 Staatensystem und Weltpolitik
3.6 Hypothesen zur Schulbuchanalyse
4. Quantitative und qualitative Schulbuchanalyse
4.1 Kategorieneinteilungen
4.2 Quantitative Analyse
4.2.1 Darstellung der Auszählungsergebnisse
4.2.2 Zwischenfazit
4.3 Qualitative Analyse
4.3.1 Analyse der bestimmten Kategorien
4.3.2 Zwischenfazit
5. Gesamtfazit und Ausblick
Die Arbeit untersucht vergleichend die Darstellung des Nationalsozialismus in zwei exemplarischen Geschichtsschulbüchern der 1960er Jahre aus der Bundesrepublik Deutschland ("Staatensystem und Weltpolitik") und der DDR ("Geschichte 9"). Ziel ist es, die politische Instrumentalisierung der Geschichtsschreibung in den beiden deutschen Teilstaaten aufzuzeigen und zu analysieren, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen und ideologische Vorgaben das Geschichtsbewusstsein der Schüler beeinflussten.
3.2 Das Geschichtsbuch als Quelle
Das Schulgeschichtsbuch stellt die Konkretisierung und Ausführung der Lehrpläne dar. Als zumeist überwiegend genutztes Unterrichtsmedium hat das Geschichtsbuch Öffentlichkeitscharakter und definiert das Fach Geschichte für Lehrer, Schüler und Eltern. Dieser Öffentlichkeitscharakter stellt einen dreifachen Anspruch an die Inhalte des Geschichtsbuchs. Zum einen sollen die Inhalte fachwissenschaftlich korrekt sein und den Forschungsstand des Fachs mit so wenig Zeitverzug wie möglich berücksichtigen. Hierbei soll allerdings eine möglichst schülergerechte Vermittlung stattfinden, was wiederum eine didaktische Reduktion der fachwissenschaftlichen Inhalte voraussetzt.
Außerdem sollen diese Schulbuchinhalte politisch verantwortbar dargestellt werden. Der Geschichtsunterricht ist einer der wichtigsten Instanzen der politischen Bildung und das Geschichtsbuch bildet hierfür das Medium zur Vermittlung jener politischen Botschaften. Folglich muss das Geschichtsbuch sowohl der unterrichtspraktischen Brauchbarkeit standhalten als gleichermaßen historische Wahrnehmung, Deutung und Orientierung veranschaulichen.
Hinzukommt, dass nicht nur die eben genannten Ansprüche an die Schulgeschichtsbücher vom jeweiligen Zeitgeist bestimmt werden, sondern ebenso durch ihre Autoren sowie die aktuellen Zulassungsbestimmungen durch die Kultusbehörden. Die Autoren der meisten Schulbücher sind oder waren zumeist selbst im Schuldienst und berufen sich nicht selten auf ihre eigenen Unterrichtsinhalte oder auf die didaktischen Konzepte der Mentoren und Fachwissenschaftler ihrer Lehrerausbildung. Diese wissenschaftliche und methodische Vorprägung schlägt sich dann in den „neuen“ Schulbüchern nieder. Außerdem bestimmt die Unterrichtsanforderung der jeweiligen Schule, über die Anschaffung zugelassener Schulbücher.
1. Einleitung: Erläutert die Relevanz der Thematisierung des Nationalsozialismus in der politischen Bildung und begründet die Auswahl der beiden untersuchten Schulbücher als Untersuchungsobjekte.
2. Vergangenheitsbewältigung im geteilten Deutschland: Analysiert die unterschiedlichen Ansätze zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der BRD und der DDR im Kontext des Systemkonflikts.
3. Rahmenbedingungen der Schulbuchanalyse: Beschreibt den Forschungsstand, die Rolle des Schulbuchs als Quelle sowie die Entstehungsgeschichte und Lehrpläne der untersuchten Lehrwerke.
4. Quantitative und qualitative Schulbuchanalyse: Führt die empirische Untersuchung der beiden Geschichtsbücher durch, unterteilt in quantitative Auszählungen und qualitative Inhaltsanalysen verschiedener Kategorien.
5. Gesamtfazit und Ausblick: Resümiert die Ergebnisse und stellt die politische Instrumentalisierung in beiden deutschen Staaten fest, während weitere Forschungsansätze aufgezeigt werden.
Nationalsozialismus, Geschichtsschulbuch, Vergangenheitsbewältigung, DDR, Bundesrepublik Deutschland, Schulbuchanalyse, Antifaschismus, Geschichtsunterricht, Kalter Krieg, Ideologie, Widerstand, NS-Terror, Geschichtspolitik, Lehrplan, Systemkonflikt.
Die Arbeit untersucht, wie in der DDR und der BRD der 1960er Jahre der Nationalsozialismus in Geschichtsschulbüchern dargestellt wurde und welche politischen Zwecke dies erfüllte.
Im Fokus stehen die Vergangenheitsbewältigung im geteilten Deutschland, die Rolle des Schulbuchs als Instrument der politischen Bildung und der Vergleich der Darstellung von NS-Ideologie, Widerstand und NS-Terror.
Das Ziel ist es, die politischen Absichten hinter der Geschichtsdarstellung offenzulegen und aufzuzeigen, wie beide deutschen Staaten die NS-Vergangenheit zur Legitimation ihres eigenen Systems nutzten.
Die Autorin wählt eine Kombination aus quantitativer (statistische Erfassung und Wörterzählung) und qualitativer Schulbuchanalyse (deskriptiv-analytische Untersuchung von Inhalten).
Der Hauptteil umfasst eine tiefgehende Analyse der Rahmenbedingungen, die Vorstellung der beiden Lehrwerke "Geschichte 9" (DDR) und "Staatensystem und Weltpolitik" (BRD) sowie die detaillierte Auswertung der Kategorien Aufstieg, Ideologie, Innen- und Außenpolitik, Terror und Widerstand.
Zentrale Begriffe sind die instrumentalisierte Erinnerungskultur, der Antifaschismus als Staatsdoktrin der DDR sowie der Antitotalitarismus und die Suche nach freiheitlich-demokratischer Identität in der BRD.
Als Leiter des Autorenkollektives von "Geschichte 9" und Direktor des Instituts für deutsche Geschichte prägte Paterna maßgeblich das DDR-Geschichtsbild und dessen ideologische Ausrichtung.
Während das DDR-Lehrwerk fast ausschließlich den kommunistischen Widerstand heroisiert, fokussiert das BRD-Lehrwerk stärker auf bürgerlich-konservative Gruppen und den Widerstand im Militär, insbesondere den 20. Juli 1944.
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