Masterarbeit, 2009
52 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Ziel und Aufbau der Masterarbeit
3. Theoretischer Rahmen: globale Theorien und Theorien mittlerer Reichweite
3.1. Neo-Funktionalistischer Ansatz
3.2. Europäisierungsforschung allgemein
3.3. Europäisierung auf nicht-staatlicher Ebene: Kriterien zur Übertragung des Konzepts auf den europäischen Fußball
4. Die EU-Regulierungspolitik im europäischen Fußball
4.1. Die Entwicklung der EU-Regulierungspolitik und die Rolle der Kommission
4.2. Die Reform des internationalen Transfersystems
4.3. Die Debatte um die Vermarktungsrechte
4.4. Von der G-14 zur European Club Association (ECA) – neue Akteure auf europäischer Fußballbene
4.5. Von Konfrontation zu Kooperation: Das Verhältnis zwischen der UEFA und der Kommission
5. Das Fallbeispiel: Die Debatte um die geplante „6+5-Regel“
5.1. Historischer Bezugspunkt: Das Bosman-Urteil 1995
5.2. Die Auswirkungen des Bosman-Urteils auf den europäischen Fußball
5.3. Inhalt der „6+5-Regel“
5.4. Juristische Rechtfertigungsgründe der „6+5-Regel“
5.5. Form und Charakter der Interessenvermittlung
6. Analyse und Zusammenfassung: Europäisierung im europäischen Fußball?
6.1. Zusammenfassung Teil I: Aspekte der EU-Regulierungspolitik im Fußball
6.2. Zusammenfassung des Fallbeispiels: supplementäre Erkenntnisse zur Beantwortung der Fragestellung
6.3. Fazit
Diese Masterarbeit untersucht vor dem Hintergrund politikwissenschaftlicher Theorien, inwieweit der europäische Profifußball durch EU-Interventionen einen Europäisierungsprozess durchläuft. Anhand des Fallbeispiels der geplanten „6+5-Regel“ der FIFA wird analysiert, wie sich das Verhältnis zwischen supranationalen EU-Institutionen und den internationalen Fußballverbänden in den letzten Jahren gewandelt hat und welche Auswirkungen dies auf die interne Struktur des Fußballs hat.
3.2. Europäisierungsforschung allgemein
Neben dem klassischen Integrationskonzept des Neofunktionalismus soll im Zusammenhang mit dem Thema die umgekehrte Perspektive ins Zentrum der Analyse gestellt werden. Im Gegensatz zum Neo-Funktionalismus, welcher den Blick vornehmlich auf die supranationalen Institutionen richtet, können auch Rückwirkungseffekte des Integrationsprozesses auf einzelstaatlicher und privater Ebene beschrieben werden. Diese Perspektivverschiebung erfordert es, nach anderen Erklärungskonzepten zu suchen. Für das vorliegende Thema bietet sich dabei der Forschungsstrang der „Europäisierungsforschung“ an. Er stellt ein insgesamt sehr flexibles und facettenreiches Konzept dar (Knill 2008: 153). Zwar ist die Europäisierungsforschung keine umfassende Theorie zur Beschreibung des europäischen Integrationsprozesses, sie liefert aber eine Vielzahl sehr interessanter, zum Teil auch konkurrierender Erklärungsansätze, welche sich zur theoretischen Beschreibung des vorliegenden Themas eignen (Olsen 2002: 921). Die Verwendung dieses Forschungsansatzes bedarf einiger Erläuterungen.
Europäisierung meint im Allgemeinen eine Form des „Europa-Werdens“. Es handelt sich in erster Linie um die Analyse von Veränderung verschiedener Strukturen, Prozesse und Anschauungen (Polity, Politics, Policy) auf nationaler Ebene. Der Begriff rückte im Zuge des dynamisierten Integrationsprozesses in Folge der Veränderungen durch die Einheitliche Europäische Akte (EEA) und dem Maastrichter Vertrag zunehmend in den Fokus politikwissenschaftlicher Untersuchungen: „The growth of the EU-policy-compentences, such as trough treaty reforms in the Single European Act (SEA) or the Maastricht Treaty, (...) be seen as a key dimension of Europeanisation“ (Bulmer/Burch 2001: 76).
Zu Beginn beschränkte sich das Forschungsfeld auf die einseitige Untersuchung nationalstaatlicher Veränderungsprozesse in Folge des Anpassungsdrucks an verschiedene europäische Integrationsstufen (Kohler-Koch 1999). Im Zentrum stand dabei beispielsweise die Frage, wie, wo, warum und in welchem Ausmaß europäisches Regieren Einfluss auf Machtverschiebungen unter nationalstaatlichen Akteuren hervorruft. Diese „Top-down“-Perspektive beschreibt vereinfacht das „Ursache-Wirkung-Prinzip“ im Verhältnis der EU zu ihren Mitgliedstaaten: „[Europeanization is] an incremental process reorienting the direction and shape of politics to the degree that EC political and economic dynamics become part of the organisational logic of national logic of national politics and policy-making“ (Ladrech 1994: 69).
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die FIFA-Studie zur „6+5-Regel“ vor und verortet das Spannungsfeld zwischen EU-Recht und sportlicher Autonomie.
2. Ziel und Aufbau der Masterarbeit: Hier wird der theoretische Forschungsrahmen der Europäisierung definiert und der methodische Aufbau der Untersuchung erläutert.
3. Theoretischer Rahmen: globale Theorien und Theorien mittlerer Reichweite: Dieses Kapitel vergleicht den Neo-Funktionalismus mit der Europäisierungsforschung, um die Auswirkungen der EU auf den Sport theoretisch zu erfassen.
4. Die EU-Regulierungspolitik im europäischen Fußball: Der Abschnitt beleuchtet die historische Entwicklung der Interventionen der Kommission sowie die Reformen bei Transfers und Vermarktungsrechten.
5. Das Fallbeispiel: Die Debatte um die geplante „6+5-Regel“: Hier wird die spezifische Auseinandersetzung um die FIFA-Regel analysiert, inklusive der historischen Bedeutung des Bosman-Urteils.
6. Analyse und Zusammenfassung: Europäisierung im europäischen Fußball?: Das abschließende Kapitel führt die Erkenntnisse zusammen und bewertet anhand dreier Kriterien den Grad der Europäisierung.
Europäisierung, Fußball, EU-Kommission, FIFA, UEFA, Bosman-Urteil, 6+5-Regel, Regulierungspolitik, Interessenvermittlung, European Club Association, Integration, Lobbyismus, Sportrecht, Wettbewerbsrecht, Mitgliedstaaten
Die Arbeit analysiert die zunehmende Einflussnahme der Europäischen Union auf den europäischen Profifußball und untersucht, ob und wie dieser Prozess als „Europäisierung“ bezeichnet werden kann.
Die zentralen Themen umfassen die EU-Regulierungspolitik im Sport, die Transformation der internen Strukturen von Fußballverbänden sowie die Auseinandersetzung um internationale Transfer- und Vermarktungsregeln.
Ziel ist es, das Verhältnis zwischen den EU-Institutionen und internationalen Verbänden (insbesondere FIFA und UEFA) anhand der geplanten „6+5-Regel“ zu analysieren und zu klären, ob sich europäische Vorgaben in nationalen oder verbandsinternen Strukturen widerspiegeln.
Die Arbeit nutzt die Europäisierungsforschung als „Theorie mittlerer Reichweite“, kombiniert mit einer Fallstudienanalyse zur Bewertung von Top-Down- und Bottom-Up-Prozessen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Europäisierung, eine Darstellung der EU-Regulierungspraxis seit den 90er Jahren und eine detaillierte Fallstudie zur FIFA-Debatte sowie die Rolle von Akteuren wie der ECA.
Zu den zentralen Begriffen gehören Europäisierung, Regulierungspolitik, Bosman-Urteil, Lobbyismus, supranationale Integration und der Konflikt um die „6+5-Regel“.
Das Bosman-Urteil von 1995 gilt als Wendepunkt, da es erstmals die horizontale Anwendbarkeit des europäischen Gemeinschaftsrechts auf den Sport und die Arbeitnehmerfreizügigkeit von Profifußballern bestätigte.
Die FIFA versucht mit der Regel, den Negativtrends der Kommerzialisierung entgegenzuwirken, stößt dabei jedoch auf den Widerstand der EU-Kommission, die in der Regel eine Diskriminierung aufgrund der Nationalität sieht.
Während die Verbände in den 90er Jahren eher konfrontativ agierten, hat sich die UEFA heute zu einem strategischen Partner entwickelt, der aktiv nach „europäisierten“ Lösungen für sportpolitische Probleme sucht.
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