Magisterarbeit, 2009
78 Seiten, Note: 2,6
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Antisemitismus im Kaiserreich – ein Überblick
1.1 Der Antisemitismus-Begriff
1.2 Entwicklungen des Antisemitismus im Kaiserreich
2. Sozialdemokratie im Kaiserreich
3. Sozialdemokratie und Antisemitismus
3.1 Theoretische Auseinandersetzungen
3.2 Strategisches Herangehen der Sozialdemokratie
3.3 Sozialdemokraten in der praktischen Auseinandersetzung
3.4 Parlamentarische Auseinandersetzungen
4. Zusammenfassende Betrachtung
III. Schluss
IV. Literaturnachweis
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Sozialdemokratie und dem Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich zwischen 1890 und 1914, wobei der Fokus auf den theoretischen Positionen der Partei sowie ihrem praktischen und parlamentarischen Handeln liegt.
1.1 Der Antisemitismus-Begriff
Es kann und soll an dieser Stelle weder eine erschöpfende Diskussion des Begriffes Antisemitismus in all seinen Facetten geleistet noch in der gesamten Breite die Entwicklung des Antisemitismus dargestellt werden. Aber für eine Analyse des Verhältnisses von Sozialdemokratie und Antisemitismus ist es nötig, die Begrifflichkeit zu erläutern und klar zu machen, was unter Antisemitismus im Rahmen dieser Arbeit verstanden wird. Auch lässt es sich nicht vermeiden, sowohl für eine Begriffsklärung als auch für eine überblickende Darstellung des Antisemitismus im Kaiserreich über den für den Kernteil der Arbeit gewählten Zeitraum hinauszugehen.
Das Wort „Antisemitismus“ ist eine Neuschöpfung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (siehe Einleitung). Während es Judenfeindschaft seit der Antike gab und zunächst religiös, seit dem Mittelalter in Verbindung mit einer ständisch-ökonomischen Komponente auftrat, bezeichnet jetzt der Antisemitismus eine grundsätzlich neue Form der Judenfeindschaft. Wie sehr man diese beiden Begriffe trennen muss, betont Hannah Arendt: „Antisemitismus und Judenhaß sind nicht dasselbe. Judenhaß hat es immer gegeben, Antisemitismus ist in seiner politischen wie ideologischen Bedeutung eine Erscheinung des letzten Jahrhunderts.“ Damit charakterisiert Arendt bereits zwei neue Elemente. Doch auch der Begriff selbst steht für eine Neuerung: aufbauend auf den in der Sprachwissenschaft und Völkerkunde seit längerem gebräuchlichen Begriff „Semiten“ sollte durch den Begriff „Antisemitismus“ eine Wissenschaftlichkeit verdeutlicht werden.
Im Gegensatz zu den eher emotionalen Bezeichnungen „Judenhass“ oder „Judenfeindschaft“ sollte hiermit – zumal in dieser wissenschaftseuphorischen Epoche – der Eindruck einer reflektierten und theoretisch begründeten „Wissenschaft“ entstehen. Dennoch mangelt es dem Antisemitismus nicht an Emotionalität, er ist – wie Sartre sagt – „[...] gleichzeitig eine Leidenschaft und eine Weltanschauung [...]“.
Antisemitismus im Kaiserreich – ein Überblick: Das Kapitel definiert den Antisemitismus als moderne, rassistisch und politisch geprägte Form der Judenfeindschaft und zeichnet dessen Entwicklung als gesellschaftliche Strömung nach.
Sozialdemokratie im Kaiserreich: Es wird die historische Genese der Arbeiterbewegung und die Organisationsstruktur der Sozialdemokratie unter besonderer Berücksichtigung des Sozialistengesetzes und der Entwicklung bis 1914 erläutert.
Sozialdemokratie und Antisemitismus: Dieser Hauptteil analysiert die theoretischen Debatten, die strategische Haltung der Parteiführung, die praktische Arbeit an der Basis sowie die parlamentarische Auseinandersetzung der SPD mit antisemitischen Akteuren.
Zusammenfassende Betrachtung: Das Kapitel reflektiert kritisch die Diskrepanz zwischen der theoretischen Analyse und der praktischen Passivität der Parteiführung sowie die Fehlannahme einer revolutionären Vorstufenfunktion des Antisemitismus.
Sozialdemokratie, Antisemitismus, Deutsches Kaiserreich, SPD, Judenfrage, Antisemitische Parteien, Reichstag, Arbeiterbewegung, Rassegedanke, Klassenanalyse, Theorie und Praxis, Antisemitismus-Debatte, Agitation, Bildungsarbeit, Politische Strategie.
Die Arbeit untersucht das Verhältnis und die Auseinandersetzung der deutschen Sozialdemokratie mit dem Antisemitismus im Kaiserreich im Zeitraum von 1890 bis 1914.
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Analyse des Antisemitismus durch sozialdemokratische Vordenker, der praktischen Gegen-Agitation sowie dem parlamentarischen Agieren der SPD im Reichstag.
Es wird erforscht, wie die Partei das Phänomen Antisemitismus bewertete, welche Strategien daraus abgeleitet wurden und ob die theoretische Ablehnung mit dem praktischen Handeln der Partei korrespondierte.
Der Autor führt eine historische Diskursanalyse durch, basierend auf Parteiprogrammen, Protokollen von Parteitagen, Reichstagsprotokollen sowie zeitgenössischen sozialdemokratischen Publikationen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zum Antisemitismus im Kaiserreich, die Entwicklung der Sozialdemokratie selbst und eine detaillierte Untersuchung der Wechselwirkungen zwischen beiden Bewegungen auf verschiedenen Ebenen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sozialdemokratie, Antisemitismus, Kaiserreich, politische Strategie, theoretische Auseinandersetzung und praktische Agitation definieren.
Der Autor ordnet diese als strategische Fehlkalkulation ein, da die Parteispitze fälschlicherweise annahm, der Antisemitismus würde die Bevölkerung für die sozialistische Sache "erziehen", was zu einer abwartenden Passivität führte.
Der Autor zeigt auf, dass die Reichstagsfraktion überraschend aktiv, scharf und detailliert gegen antisemitische Anträge vorging, was in einem gewissen Widerspruch zur Passivität der Gesamtpartei stand.
Ja, der Autor belegt kritisch, dass führende Köpfe der SPD, darunter August Bebel, unbewusst antisemitische Klischees in ihren Reden und Schriften verwendeten, was eine weitere Verbreitung dieser Denkmuster in der Partei begünstigte.
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