Magisterarbeit, 1999
125 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Vorstellungen über das Sterben und den Tod
2.1. Definitionen von Sterben und Tod und deren inhaltliche Bedeutung
2.2. Das Ritual als Manifestation einer Vorstellung
2.2.1. Das Strukturmodell der Riten nach Van Gennep
2.3. Vergleich der Vorstellungen in verschiedenen Gesellschaften
2.4. Kollektive und individuelle Sterbe- und Todesvorstellungen
2.5. Das Verhältnis zwischen der Vorstellung von Zeit, Sterben und Tod
2.6. Vorstellungen über Sterben und Tod in der modernen Gesellschaft
3. Der Umgang mit Sterben und Tod
3.1. Geschichtliche Entwicklung des Umgangs mit Sterben und Tod
3.2. Der Umgang mit Sterben und Tod in der Vergangenheit
3.3. Der Umgang mit Sterben und Tod in der Gegenwart
3.3.1. Todesanzeigen
3.3.2. Bestattung
3.3.3. Trauer
3.4. Faktoren, die den Umgang mit Sterben und Tod determinieren
4. Survey
4.1. Demoskopische Daten
4.2. Hospizbewegung
4.2.1. Deutsche Hospiz Stiftung
4.2.2. Der Hospizverein Würzburg
5. Feldstudie
5.1. Methode der Inhaltsanalyse
5.2. Inhaltsanalyse
6. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit erforscht die sozialen, kulturellen und ökonomischen Faktoren, die den Umgang mit Sterben und Tod in der gegenwärtigen deutschen Gesellschaft prägen. Ziel ist es, durch die Kombination ethnologischer Theoriearbeit und einer qualitativen Feldstudie beim Hospizverein Würzburg aufzuzeigen, wie Unsicherheit, Distanz und der Verlust einer gemeinsamen Sterbe- und Trauerkultur das Verhalten Einzelner und der Gesellschaft beeinflussen.
2.2. Das Ritual als Manifestation einer Vorstellung
Ebenso zahlreich und verschiedenartig wie die Definitionen, Begriffe, Metaphern und Bedeutungen im vorangegangenen Kapitel sind die Rituale, die im Zusammenhang mit dem Sterben und dem Tod existieren. Sie sind Ausdruck dieser Vorstellungen und gleichzeitig ein bedeutender Aspekt des Umgangs mit Sterben und Tod.
Das religiöse wie das säkulare Ritual stellt eine mögliche Form der Kommunikation zwischen der göttlichen und der menschlichen Ebene beziehungsweise zwischen dem Staat und dem Individuum dar, wobei die Übergänge zwischen religiösem, säkularem oder politischem Inhalt fließend sind. In jedem Fall zeichnet sich ein Ritual durch seine standardisierte, repetitive, formalisierte, stereotype und traditionelle Form aus und findet nur bei außergewöhnlich wichtigen Anlässen statt.
Bloch und Parry sehen im Ritual “a form of social control”, ein Mittel, mit dem die Gesellschaft die Gefühle ihrer Mitglieder ordnet. Ähnlich argumentiert Hocart, der darin eine Technik zur “acquisition and control of life” erkennt. Als zentrale Funktion des Rituals sieht Durkheim in der Tradition der Anneé Sociologique: “the renewal of common values, a reaffirmation of communal conceptions, and a strengthening of social bonds”. Todesrituale betrachtet er aber nicht als Ursprung von Religion oder gar Gesellschaft. Keesing sieht in den Ritualen um das Sterben und den Tod eine “Sequenz der Desakralisierung”, mit deren Hilfe man zur Normalität zurückkehren und die Trauer kanalisieren kann. Radcliffe-Brown und Rosaldo interessierten sich unter anderem für den Zusammenhang zwischen dem Ritual und Emotionen. In den meisten Fällen dient es der Angstreduktion.
Mooren nennt die Rituale “Anti-Todes-Strategien”, die in den verschiedenen Gesellschaften im Fall der Konfrontation mit dem Sterben oder Tod angewandt werden oder sich daran anschließen und immer einen bestimmten Sinn haben, den er nicht im Ausschluß oder der Ignoranz des Todes sieht, sondern als “Integration des Todes in die Leben-Tod-Symbiose”.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Erforschung gesellschaftlicher Faktoren ein, die den Umgang mit Sterben und Tod bestimmen, und erläutert die methodische Herangehensweise der qualitativen Sozialforschung.
2. Vorstellungen über das Sterben und den Tod: Dieses Kapitel analysiert Definitionen, metaphysische Deutungen, rituelle Strukturen nach Van Gennep sowie den Einfluss von Zeitkonzepten auf die Wahrnehmung des Sterbens.
3. Der Umgang mit Sterben und Tod: Hier werden die historische Entwicklung, der Wandel von traditionellen Bräuchen hin zur modernen Distanzierung sowie die faktischen Determinanten des Umgangs mit dem Lebensende untersucht.
4. Survey: Ein Überblick über demoskopische Daten zur deutschen Gesellschaft und eine detaillierte Beschreibung der Entwicklung sowie des Selbstverständnisses der Hospizbewegung.
5. Feldstudie: Dokumentation der empirischen Untersuchung beim Hospizverein Würzburg, inklusive der Methodik der teilnehmenden Beobachtung und der qualitativen Inhaltsanalyse der Seminarprotokolle.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit bestätigt die Ausgangsthese von der zunehmenden Unsicherheit und Distanz im Umgang mit dem Tod in einer säkularisierten, hoch individualisierten Industriegesellschaft.
Sterben, Tod, Hospizbewegung, Sterbebegleitung, Trauer, Rituale, Säkularisierung, Individualisierung, Ethnologie, qualitative Sozialforschung, Todesanzeigen, Bestattungskultur, gesellschaftlicher Wandel, Lebensqualität, Sinnstiftung.
Die Arbeit untersucht die soziologischen und ethnologischen Faktoren, die den Umgang mit Sterben und Tod in der heutigen deutschen Gesellschaft prägen, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle der Hospizbewegung.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung von Sterbevorstellungen, der Bedeutung von Ritualen, dem Einfluss des gesellschaftlichen Wandels auf Trauerprozesse und der Analyse des Hospizwesens als alternative Antwort auf die Sterbebegleitung.
Das Ziel ist die deskriptive Analyse und Verifizierung der Hypothese, dass der gegenwärtige Umgang mit dem Tod durch Unsicherheit, Distanz und den Verlust einer tragfähigen existentiellen Sterbe- und Trauerkultur geprägt ist.
Die Autorin nutzt einen ethnologischen, qualitativ-induktiven Ansatz. Dieser umfasst eine Theorie- und Literaturanalyse sowie eine Feldstudie, bei der Inhaltsanalysen von Seminarprotokollen einer Ausbildung zur Sterbebegleitung durchgeführt wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Todesvorstellungen, eine historische sowie gegenwärtige Bestandsaufnahme der Umgangsweisen mit dem Sterben und eine detaillierte Auswertung der empirischen Feldforschung beim Hospizverein Würzburg.
Wichtige Begriffe sind Sterben, Tod, Hospizbewegung, Trauer, Rituale, Säkularisierung, Individualisierung und ethnologische Forschung.
Die Säkularisierung wird als wesentlicher Faktor beschrieben, der traditionelle religiöse Deutungsmuster und Einbettungen des Sterbens in kosmologische Systeme aufgelöst hat, was zu einer Sinnleere und Unsicherheit im Umgang mit dem Tod führt.
Die Teilnehmer äußern oft das Bedürfnis, den Tod wieder stärker in das Leben zu integrieren, Ängste abzubauen und Unterstützung bei der Begleitung Sterbender sowie bei der eigenen Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit zu finden.
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