Magisterarbeit, 2003
131 Seiten, Note: 1,0
1 Anstelle einer Einleitung: Der Diskurs über die Pisa-Studie
2 Problemstellung
2.1 Motivation, Gliederung und Ziele der Arbeit
2.2 Aufbau der Arbeit
2.3 Methodik und besondere Probleme
3 Zweisprachigkeit – definition impossible?
3.1 Wer oder was ist bilingual?
3.2 Die Dimensionen der Zweisprachigkeit
3.3 Bilingualismus im Elite- versus Migrationskontext
3.3.1 Prestige der Sprachen
3.3.2 Additiver und subtraktiver Bilingualismus
3.4 Zweisprachigkeit – Fluch oder Segen für die kindliche Entwicklung?
4 Cummins und die Schwellenhypothese
4.1 Werdegang
4.2 Die Bedeutung der soziokulturellen Faktoren
4.3 Die Schwellenhypothese
4.3.1 Ist die Schwellenhypothese eine Hypothese?
4.3.2 Weitere Entwicklungen und die Einordnung der Hypothese
4.3.3 Die Interdependenz-Hypothese und die BICS/CALP-Dichotomie
5 Die Schwellenhypothese – Rezeption, Implikationen, Missverständnisse
5.1 Die Rezeption in Sekundärliteratur und Forschung
5.1.1 Sekundärliteratur
5.1.2 Forschung
5.2 Implikationen und Einflussnahmen
5.2.1 Verhältnis von Theorie und Praxis
5.2.2 Praktische Anwendung der Schwellenhypothese?
5.2.3 Implikationen des theoretischen Bezugsrahmens
5.3 Missinterpretationen und Verwechslungen in der Rezeption
5.3.1 Vermischung der beiden Hypothesen
5.3.2 Sonstige Mängel in der Rezeption
5.3.3 Falsche Interpretation oder missverständliche Aussagen?
5.4 Zwischenfazit
6 Kritik an der Schwellenhypothese
6.1 Allgemeine Verbindung zwischen Kognition und Denken
6.1.1 Cummins‘ Verwendung von Kognition
6.1.2 Kognition und Sprache
6.1.3 Hintergrund der Fragestellung
6.2 Methodologische Kritik
6.2.1 Allgemeine Methodenprobleme der Bilingualismusforschung
6.2.2 Kognitive Vorteile durch Zweisprachigkeit – was beweisen die Studien?
6.3 Die Problematik der language proficiency in der Schwellenhypothese
6.3.1 Edelskys Kritik
6.3.2 Martin-Jones und Romaines Kritik
6.3.3 MacSwans Kritik
6.4 Semilingualismus
6.4.1 Kritik an Cummins‘ Verwendung innerhalb der Schwellenhypothese
6.4.2 Belege für die Aktualität der Diskussion
6.5 Weitere Kritiken
7 Neue interdisziplinäre Lösungsansätze – ein Ausblick
7.1 Connectionism – neue Erkenntnisse über Lernprozesse
7.2 Siebert-Ott – das Konzept der kulturellen Distanz
8 Schlussfolgerungen und die Auswirkungen der Pisa-Studie
Die Arbeit untersucht kritisch die Schwellenhypothese von Jim Cummins im Kontext von Migration und schulischem Erfolg. Ziel ist es, die theoretische Fundierung dieser Hypothese sowie deren Rezeption und methodologische Validität zu hinterfragen, um so ein differenzierteres Verständnis der sprachlichen Entwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund zu ermöglichen.
Die Bedeutung der soziokulturellen Faktoren
An dieser Stelle ist es interessant zu sehen, inwiefern Cummins den im Kapitel 3.3 erläuterten soziokulturellen Faktoren eine Bedeutung zumisst, wenn es um die Suche nach den Ursachen für die unterschiedlichen Resultate der durchgeführten Studien (siehe 3.4) ging. Betrachtet man die Veröffentlichungen, in denen die SH entwickelt und begründet wird, diskutiert er sehr wohl die Rolle des socio-economic status (künftig SES), das Prestige der Sprachen sowie auch die Unterscheidung in élite und folk bilingualism unter dem Aspekt, ob diese Faktoren zur Begründung des schlechten Abschneidens der Migrantenkinder herangezogen werden können (Cummins, 1976 in Baker & Hornberger, 2001:37ff.; Cummins, 1979a:224f.).
Dabei stellt er fest, dass diejenigen Studien, welche einen positiven Effekt der Zweisprachigkeit auf die kognitiven Fähigkeiten berichteten, zumeist Kinder mit einem hohen SES als Probanden untersuchten. In die Studien, die einen negativen Einfluss der Zweisprachigkeit feststellten, waren hingegen überwiegend Kinder mit einem niedrigen SES involviert (Cummins, 1976 in Baker & Hornberger, 2001:37f.). Laut Cummins reicht jedoch der SES als Beschreibung der sozialen Bedingungen in bilingualen Situationen nicht aus: Als eine generellere soziologische Beschreibung des Kontexts wird zusätzlich der Unterschied zwischen folk und élite bilingualism diskutiert (ebd.).
1 Anstelle einer Einleitung: Der Diskurs über die Pisa-Studie: Dieses Kapitel erläutert den öffentlichen Diskurs in Deutschland nach Veröffentlichung der PISA-Studie und stellt die Problematik der schulischen Situation von Migrantenkindern in den Fokus.
2 Problemstellung: Hier werden die Motivation, die Ziele sowie die methodische Vorgehensweise der Arbeit dargelegt, wobei der Fokus auf dem wissenschaftlichen Diskurs um Jim Cummins‘ Hypothesen liegt.
3 Zweisprachigkeit – definition impossible?: Das Kapitel führt in die komplexe Begrifflichkeit des Bilingualismus ein und beleuchtet verschiedene Dimensionen und Typologien, die für das Verständnis von Mehrsprachigkeit im Migrationskontext essenziell sind.
4 Cummins und die Schwellenhypothese: Eine detaillierte Betrachtung der von Cummins entwickelten Schwellenhypothese und deren theoretische Einbettung sowie der Kontext, in dem Cummins seine Theorien formulierte.
5 Die Schwellenhypothese – Rezeption, Implikationen, Missverständnisse: Dieses Kapitel analysiert, wie die Schwellenhypothese in der Sekundärliteratur und Forschung aufgenommen wurde und welche Missverständnisse und Fehlinterpretationen dabei entstanden sind.
6 Kritik an der Schwellenhypothese: Eine tiefgreifende methodologische und inhaltliche Kritik an den Annahmen der Schwellenhypothese, insbesondere im Hinblick auf Definitionen von Kognition, Sprache und Sprachkompetenz.
7 Neue interdisziplinäre Lösungsansätze – ein Ausblick: Hier werden modernere Ansätze wie der Connectionism und das Konzept der kulturellen Distanz vorgestellt, die neue Wege für die Forschung zum Spracherwerb und zur Sprachförderung aufzeigen.
8 Schlussfolgerungen und die Auswirkungen der Pisa-Studie: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen, bewertet die Validität der Schwellenhypothese und reflektiert über aktuelle bildungspolitische Maßnahmen in Deutschland.
Bilingualismus, Schwellenhypothese, Cummins, Migrationskontext, Sprachfähigkeit, Sprache und Kognition, Semilingualismus, Zweitspracherwerb, Sprachförderung, Interdependenz-Hypothese, BICS/CALP, bildungspolitische Implikationen, sprachliche Minderheiten.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Schwellenhypothese von Jim Cummins im Kontext von Migration und Bildung. Sie analysiert die theoretischen Überlegungen des Autors sowie die Rezeption und die Kritik an seinen Thesen.
Die zentralen Felder sind Bilingualismusforschung, kognitive Entwicklung von zweisprachigen Kindern, die Rolle von soziokulturellen Faktoren sowie die Problematik schulischer Erfolge von Migrantenkindern.
Das Ziel ist eine kritische Untersuchung der Schwellenhypothese, um zu prüfen, ob sie als Erklärungsmodell für schulische Schwierigkeiten bei Migrantenkindern taugt und wie sie in der Fachliteratur diskutiert wurde.
Die Arbeit ist primär theoretischer Natur. Sie stützt sich auf eine umfassende Aufarbeitung und kritische Analyse der einschlägigen Fachliteratur und Forschungsbeiträge von Cummins und weiteren Linguisten.
Im Hauptteil werden die Schwellenhypothese, ihre theoretische Begründung, ihre Rezeption in der Sekundärliteratur, eine methodologische Kritik an den zugrunde liegenden Studien sowie interdisziplinäre Lösungsansätze diskutiert.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Bilingualismus, Schwellenhypothese, Semilingualismus, Interdependenz-Hypothese, language proficiency, BICS/CALP sowie Sprachförderung.
Das Konzept wird äußerst kritisch hinterfragt. Die Arbeit verdeutlicht, dass es oft als "Defizit-Theorie" missbraucht wird und linguistisch wie theoretisch stark in der Kritik steht.
Die PISA-Studie dient als aktueller bildungspolitischer Rahmen, um die Relevanz der Untersuchung des schulischen Erfolgs von Migrantenkindern zu verdeutlichen und die Auswirkungen dieses "Pisa-Schocks" auf die Bildungspraxis in Deutschland zu reflektieren.
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