Diplomarbeit, 2012
69 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Forschungsinteresse
1.2 Vorwissenschaftliche Fragestellung und Ziele der Untersuchung
1.3 Verortung der Fragestellung in der morphologischen Kulturpsychologie
2. Begrifflicher und theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Das Phänomen Sabbatical
2.1.1 Begriffsherkunft und Hintergrund
2.1.2 Definition und Abgrenzung
2.1.3 Vorläufige Einordnung in den Kontext der Gesellschaftskultur
2.2 Theorie und Methode der morphologischen Psychologie
2.2.1 Wirklichkeitsverständnis der morphologischen Psychologie
2.2.2 Gütekriterien
2.2.3 Beschreibung als Verfahren
3. Vorgehen im Untersuchungsprozess
3.1 Versionengang
3.2 Auswahl der Interviewpartner
3.3 Beschreibung der Stichprobe
4. Die Untersuchung
4.1 Grundqualität: Die Gegenprobe
4.2 Gestalt-Transformation
4.2.1 Rotieren auf festen Bahnen
4.2.2 Losgelöstes Schweben
4.2.3 Neues ausleben – Bis an die eigenen Grenzen
4.2.4 Besinnung auf Bekanntes – Besinnung auf sich selbst
4.2.5 Aufkochen
4.2.6 Kondensieren
4.3 Psychologisierende Fragestellung
4.4 Gestaltverwandlung
4.5 Bezug zur Gegenwartskultur
5. Abschließende Bemerkungen
6. Literatur- und Quellenverzeichnis
Diese Diplomarbeit untersucht das Sabbatical als individuelles seelisches Phänomen im Kontext der heutigen Arbeitswelt und Gegenwartskultur. Das primäre Ziel ist es, die seelischen Prozesse während einer solchen Auszeit detailliert zu beschreiben, deren Nutzen sowie potenzielle Komplikationen zu beleuchten und ein tieferes Verständnis für die dem Konzept inhärenten Chancen und Grenzen zu gewinnen.
4.1 Grundqualität: Die Gegenprobe
Alice blickte gespannt um sich und stellte fest, daß es die Schwarze Königin war. (...) „Ich denke, ich gehe zu ihr hin und begrüße sie“, sagte Alice, denn obwohl sie die Blumen wirklich interessant fand, hielt sie es für weit großartiger, mit einer richtigen Königin zu sprechen. „Das kannst du unmöglich tun“, sprach die Rose: „ich würde dir raten, in die andere Richtung zu gehen.“ Alice hielt das für unsinnig, deshalb sagte sie nichts, sondern trat einfach auf die Schwarze Königin zu. Zu ihrer Überraschung verlor sie sie im Nu aus den Augen und war wieder dabei, durch die Eingangstür ins Haus zu gehen. Ein bisschen gereizt zog sie sich zurück, und nachdem sie überall nach der Königin Ausschau gehalten hatte (die sie auch endlich, ein gutes Stück entfernt, entdeckte), dachte sie, daß sie diesmal ausprobieren wolle, in die entgegengesetzte Richtung zu gehen.
Es gelang aufs schönste. Sie war noch keine Minute gegangen, als sie Aug’ in Aug’ mit der Schwarzen Königin stand, und mit vollem Blick auf den Hügel, zu dem sie so lange hingestrebt hatte.
-Lewis Caroll in „Durch den Spiegel und was Alice dort fand“
Rund um das Sabbatical und die Interviews zum Thema läuft vieles anders als gewöhnlich. Die Gespräche und ihre Organisation sind unabsehbar, sprunghaft, teils widersprüchlich bis bizarr. Nichts, was als fest galt, hat Bestand. Interviews wurden wider Erwarten spontan in Zeit oder Ort verschoben, sodass ich mich plötzlich statt wie verabredet in der ruhigen Wohnung im stark belebten Café an der Ecke wiederfinde. Wer zu spät kommt, insistiert, trotzdem pünktlich weg zu müssen – nur um nach Ende des Interviews doch noch für einen gemütlichen Plausch zu bleiben. Ein Interviewteilnehmer bestand darauf, vor dem Sofa auf dem Boden sitzen zu wollen, und unterbrach den Gesprächsverlauf plötzlich mit der Aufforderung, gemeinsam einen Schnaps zu trinken. Ein anderer beschloss, das Interview als Essens-Pause zu nutzen, und bestellte sich ein Steak.
1. Einleitung: Vorstellung des Forschungsinteresses und der Zielsetzung der Untersuchung im Rahmen der morphologischen Kulturpsychologie.
2. Begrifflicher und theoretischer Bezugsrahmen: Definition des Sabbaticals und Einführung in die methodischen Grundlagen der morphologischen Psychologie.
3. Vorgehen im Untersuchungsprozess: Darstellung der methodischen Vorgehensweise, inklusive der Auswahl und Beschreibung der Interviewteilnehmer.
4. Die Untersuchung: Detaillierte Analyse und qualitative Auswertung der Interviews anhand der verschiedenen Beschreibungsversionen der Morphologie.
5. Abschließende Bemerkungen: Reflexion über den Stellenwert von Auszeiten und Ruhe in der modernen Gesellschaft sowie ein Fazit zur Bedeutung des Sabbaticals.
6. Literatur- und Quellenverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Fachliteratur und Online-Ressourcen.
Sabbatical, Morphologische Psychologie, Arbeitswelt, Auszeit, Lebensgestaltung, Gegenprobe, Gestalt-Transformation, Work-Life-Balance, Leistungsgesellschaft, Selbstverwirklichung, Tiefeninterview, Kulturbegriff, psychologische Repräsentativität, Stressbewältigung, Selbstreflexion.
Die Arbeit untersucht das Erleben von Sabbaticals bei Arbeitnehmern aus der freien Wirtschaft aus einer psychologischen Perspektive.
Zentrale Felder sind die psychologische Dynamik während einer beruflichen Auszeit, der Wechsel zwischen Arbeitsalltag und Sabbatical-Erfahrung sowie die gesellschaftliche Einordnung dieses Phänomens.
Das Ziel ist es, die seelischen Prozesse und Zustände während des Sabbaticals detailliert zu beschreiben und zu verstehen, wie diese Zeit als "Selbstbehandlung" oder Phase der Neuorientierung fungieren kann.
Die Autorin nutzt die Methode der morphologischen Psychologie nach Wilhelm Salber, um das Erleben der Probanden in ihrer Tiefe zu erfassen und zu deuten.
Der Hauptteil analysiert das Sabbatical anhand der morphologischen "Gestalt-Transformation", beschreibt Phänomene wie "Rotation auf festen Bahnen" und "losgelöstes Schweben" und identifiziert verschiedene Lösungstypen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sabbatical, Morphologische Psychologie, Arbeitswelt, Gestalt-Transformation und Leistungsgesellschaft charakterisieren.
Kompensierer nutzen das Sabbatical primär als Ausgleich für den stressigen Alltag, während Modifizierer das Sabbatical als Vehikel für dauerhafte Veränderungen ihrer Lebensführung betrachten.
Der Übergang erweist sich als heikel, da die während der Auszeit gewonnenen Werte und Prioritäten oft mit den Anforderungen des gewohnten beruflichen Umfelds inkompatibel sind.
Sie dienen der persönlichen Weiterentwicklung und der Sensibilisierung für die eigenen Fähigkeiten, indem sich die Teilnehmenden bewusst Herausforderungen stellen, die über den gewohnten Komfortbereich hinausgehen.
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