Bachelorarbeit, 2011
52 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
1.2. Vorgehen bei der Ausarbeitung
1.3. Begriffsdefinitionen
2. Überlegungen zur Verortung des Forschungsinteresses
2.1. Forschungsstand zur Berichterstattung zum Genozid in Ruanda
3. Die Vorgeschichte des Völkermordes
3.1. Hutu, Tutsi und Twa
3.2. Kolonialisierung
3.3. Unabhängigkeit und die Zeit bis 1994
4. Der Völkermord in Ruanda
4.1. Die Rolle der nationalen ruandischen Medien
4.2. Internationale politische Reaktionen
5. Die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung
5.1. Qualitative Inhaltsanalyse
5.1.1. Ergebnisse
5.1.2. Ergebnisinterpretation
6. Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung zum Völkermord in Ruanda im Jahr 1994. Das Ziel ist es, die Qualität und das Ausmaß der Berichterstattung durch den Afrikakorrespondenten Michael Birnbaum zu analysieren und zu bewerten, inwiefern die journalistische Kritik- und Kontrollfunktion in dieser Krisensituation erfüllt wurde.
1. Einleitung
Von April bis Juli 1994 wurden in einem ostafrikanischen Land von der Größe Brandenburgs circa 800.000 Menschen, zumeist mit Macheten, abgeschlachtet. Die tägliche Todesrate der geplanten und systematisch ausgeführten Massaker, die der Völkermord in Ruanda einforderte, war fünfmal höher als die der Todescamps der Nationalsozialisten (vgl. Prunier 1998: 261). Die Bedingungen von Krisen auf dem afrikanischen Kontinent sind für den europäischen Durchschnittsbürger nicht nachvollziehbar. Besonders die ostafrikanischen Staaten, die kulturell sowie räumlich noch weiter vom europäischen Festland entfernt sind als beispielsweise Nordafrika, in das den ein oder anderen Touristen ein Pauschalurlaub gelockt haben könnte, scheinen fremd. Es heißt, in den Medien komme dieser Teil Afrikas vor allem wieder einmal vor, wenn eine Hungersnot oder ein blutiger Krieg ihre Opfer fordern, sodass ein einseitiges und verzerrtes Bild der in diesen Ländern vorherrschenden Zustände entsteht (vgl. Hörburger 1996: 109). Die Gründe für diese an Afrika als Kontinent des ewigen Elends gewöhnte Sichtweise werden in der oft nur mangelhaften journalistischen Erforschung der einzelnen Länder gesehen (vgl. Beham 1996: 127). Dabei ist die westliche Gesellschaft durch den gegebenen Abstand und fehlende persönliche Erfahrungen umso mehr auf die eingeschriebene Informationsfunktion des Teilsystems Journalismus angewiesen. Der Maxime, dass die Abbildung der Wirklichkeit eine „notwendige Fiktion“ (Hörburger 1996: 236) sei, kommt zudem in der Krisenberichterstattung aufgrund deren Involvierung in teilweise existenziell bedrohliche Situationen (vgl. Löffelholz 1993: 11) eine besondere Relevanz zu. Zudem sind besonders in Fällen von Genozid an die politischen Funktionen des Teilsystems Journalismus – Kritik, Kontrolle und Öffentlichkeitsbildung – durch den Glauben an starke Medienwirkungen normative Ansprüche geknüpft. Werden diese Leistungen nicht erbracht, kann von einer Dysfunktion des Teilsystems Journalismus gesprochen werden.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Völkermordes in Ruanda, die Relevanz der journalistischen Informationsfunktion und die Zielsetzung der wissenschaftlichen Arbeit.
2. Überlegungen zur Verortung des Forschungsinteresses: Theoretische Einordnung der Arbeit in die Krisenkommunikation und Medienwirkungsforschung sowie Diskussion des Forschungsstandes.
3. Die Vorgeschichte des Völkermordes: Detaillierte Darstellung der soziopolitischen Entwicklungen in Ruanda, der Rolle der Kolonialmächte und der Entstehung des Konflikts bis 1994.
4. Der Völkermord in Ruanda: Analyse des Ablaufs der Massaker, der Rolle der ruandischen Medien sowie der politischen Reaktionen der internationalen Gemeinschaft.
5. Die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung: Empirischer Teil mit qualitativer Inhaltsanalyse der Artikel von Michael Birnbaum, inklusive Ergebnisse und deren Interpretation.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Synthese der Forschungsergebnisse und Fazit über die Rolle der Presse sowie Vorschläge für weiterführende Forschung.
Ruanda, Völkermord, Genozid, Journalismus, Krisenkommunikation, Süddeutsche Zeitung, Michael Birnbaum, Berichterstattung, Medieninhaltsforschung, Hutu, Tutsi, Vereinte Nationen, Auslandsberichterstattung, Dritte Welt, Internationale Politik.
Die Arbeit untersucht, wie die Süddeutsche Zeitung über den Völkermord in Ruanda 1994 berichtet hat und ob diese Berichterstattung den journalistischen Anforderungen in einer extremen Krisensituation gerecht wurde.
Zentrale Themen sind die historische Vorgeschichte des Konflikts, die Rolle der ruandischen Medien als Brandstifter, die zögerliche Reaktion der internationalen Politik und eine qualitative Analyse des journalistischen Outputs eines Korrespondenten vor Ort.
Das primäre Ziel ist es, durch eine qualitative Inhaltsanalyse der Artikel von Michael Birnbaum festzustellen, wie das Ereignis "Völkermord" in der deutschen Tagespresse konstruiert und bewertet wurde.
Es wird eine zusammenfassende qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2003) angewandt, um die Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung systematisch auszuwerten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine literaturbasierte Aufarbeitung der Geschichte Ruandas und des Völkermordes sowie einen empirischen Teil, der die Arbeit des Korrespondenten Michael Birnbaum anhand eines Kategoriensystems untersucht.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ruanda-Genozid, Medienkritik, journalistische Sorgfaltspflicht, Krisenberichterstattung und internationale Verantwortung definieren.
Die Arbeit kritisiert, dass viele Medien den Konflikt als archaischen "Stammeskrieg" missverstanden oder ignoriert haben, und stellt fest, dass eine differenzierte Berichterstattung oft erst sehr spät einsetzte.
Birnbaum lieferte die wesentliche eigenständige Berichterstattung für die Süddeutsche Zeitung. Die Arbeit attestiert ihm zwar eine hohe Quantität, kritisiert aber die späte Verwendung des Begriffs "Völkermord" und eine teilweise Entpolitisierung des Geschehens.
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