Magisterarbeit, 2002
183 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1 Begriffsklärungen: „formal“, „formell“, „informal“, „informell“
1.2 Forschungsstand und Materialbasis
1.3 Methodik
2. Normative Voraussetzungen für die hervorgehobene Stellung des Bundeskanzlers in der Bundesregierung
2.1 Organisationsgewalt, Vertrauensfrage und Konstruktives Mißtrauensvotum als Verstärker der Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers
2.2 Die Richtlinienkompetenz des Bundeskanzlers als Katalysator der Errichtung und Funktion des Bundeskanzleramtes
3. Vorüberlegungen vor der Errichtung des Amtes
4. Das Bundeskanzleramt als formal organisierte Verwaltungsbehörde
5. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Ära Adenauer
5.1 Der organisatorische und personelle Aufbau des Amtes 1949/50
5.2 Die organisatorische und personelle Entwicklungen im Kanzleramt ab 1950
5.3 Personalpolitik als Voraussetzung informeller Prozesse
5.3.1 Die Wichtigkeit von Personalentscheidungen in der Aufbauzeit der Bundesregierung und der Bundesverwaltung
5.3.2 Personalpolitische Entscheidungen von 1951 bis 1963 – Sicherung der Begleitung des formalen Kommunikationsweges durch informelle Kontakte
5.4 Die Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes in der Ära Adenauer
5.4.1 Der Weg zur Geschäftsordnung – angewandte Arbeitsweise vor ihrer eigentlichen Formalisierung
5.4.2 Die Wahrnehmung der Sekretariatsfunktion
5.4.3 Beratung, Information und Unterstützung Adenauers
5.4.4 Koordinierung im Sinne der Richtlinien der Politik und Entscheidungsvorbereitung
5.5 Fazit: Vereinigung von Formalität und Informalität – Nutzung informeller Prozesse zur funktionalen Unterstützung der formalen Ordnung / Prozesse
6. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Ludwig Erhards
6.1 Die organisatorische und personelle Entwicklung des Amtes von 1963 bis 1966
6.2 Personalpolitik Erhards
6.3 Die Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes in der Regierungszeit Erhards
6.3.1 Beratung, Information und Unterstützung Erhards
6.3.2 Koordinierung im Sinne der Richtlinien der Politik und Entscheidungsvorbereitung
6.4 Fazit: Die mangelhafte Nutzung des Bundeskanzleramtes als ein Grund für das frühe Scheitern Erhards
7. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Kiesingers
7.1 Die organisatorische und personelle Entwicklung des Bundeskanzleramtes von 1966 bis 1969
7.2 Personalpolitik Kiesingers
7.3 Die Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes in der Regierungszeit Kiesingers
7.3.1 Beratung, Information und Unterstützung Kiesingers
7.3.2 Koordinierung im Sinne der Richtlinien der Politik und Entscheidungsvorbereitung
7.4 Fazit: Informelles Vorabklären als Voraussetzung formalen Erfolgs
8. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Brandts
8.1 Die organisatorische und personelle Entwicklung des Bundeskanzleramtes von 1969 bis 1974
8.2 Personalpolitik in der Regierungszeit Brandts
8.3 Das Rotationsprinzip - Formalisierung der informellen Kontakte
8.4 Die Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes in der Regierungszeit Willy Brandts
8.4.1 Beratung, Information und Unterstützung Brandts
8.4.2 Planung
8.4.3 Koordinierung im Sinne der Richtlinien der Politik und Entscheidungsvorbereitung
8.5 Fazit: Das Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Willy Brandts: Personalprozesse als Hindernis effizienter Arbeit
9. Formale und informelle Prozesse in der Regierungszeit Helmut Schmidts
9.1 Die organisatorische und personelle Entwicklung im Bundeskanzleramt von 1974 bis 1982
9.2 Die „Wiedernutzbarmachung“ des personalen Moments – eine nähere Betrachtung der Personalpolitik Schmidts und Schülers
9.3 Die Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes in der Regierungszeit Schmidts
9.3.1 Beratung, Information und Unterstützung Schmidts
9.3.2 Koordinierung im Sinne der Richtlinien der Politik und Entscheidungsvorbereitung
9.3.3 Das Ende der Koalition als Beispiel für die eingeschränkte Rolle der Geschäftsordnung
9.4 Fazit: Das Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Schmidts: Rückkehr zu den Wurzeln
10. Formale und informelle Prozesse in der Regierungszeit Helmut Kohls
10.1 Die organisatorische und personelle Entwicklung des Bundeskanzleramtes von 1982 bis 1998
10.2 Personalpolitik Kohls – Parteiämter und Persönliche Beziehungen als Sprungbrett ins Kanzleramt
10.3 Die Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes in der Regierungszeit Kohls
10.3.1 Beratung, Information und Unterstützung Kohls
10.3.2 Zwischen Information, Beratung und Koordination – die Tätigkeit Horst Teltschiks als Beispiel für die informelle Durchdringung der formalen Ordnung
10.3.3 Koordinierung im Sinne der Richtlinien des Bundeskanzlers und Entscheidungsvorbereitung
10.4 Fazit: Das Bundeskanzleramt in der Ära Kohl: Informelle Durchdringung der formalen Ordnung
11. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Schröders von 1998 bis 2002
11.1 Die organisatorische und personelle Entwicklung im Kanzleramt von 1998 bis zur Bundestagswahl 2002
11.2 Personalpolitik Schröders
11. 3 Die Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes unter Schröder
11.3.1 Beratung, Information und Unterstützung Schröders
11.3.2 Koordinierung im Sinne der Richtlinien der Politik und Entscheidungsvorbereitung
11.4 Fazit: Die Wichtigkeit der Person des Amtschefs für die Funktionsfähigkeit des Amtes
12. Zusammenfassung: Informelle Unterstützung der formalen Aufgaben des Bundeskanzleramtes: Pro und Contra
Die Arbeit untersucht die Entwicklung des Bundeskanzleramtes von 1949 bis 2002 unter dem besonderen Fokus auf das Zusammenspiel von formalen Strukturen und informellen Prozessen. Zentrales Ziel ist es, zu analysieren, wie informelle Abläufe – insbesondere durch Personalpolitik und persönliche Netzwerke – die formale Koordinierungstätigkeit und das Regierungshandeln beeinflussten und unterstützten.
1. Einleitung
Wilhelm Hennis formulierte in seinem Aufsatz Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik in bezug auf das Bundeskanzleramt folgende prägnanten Worte: „Ohne das Kanzleramt wäre der Bundeskanzler ein bedauernswerter Vollinvalide: Er könnte nicht sehen, hören noch schreiben, geschweige denn Richtlinien bestimmen.“ Kehrt man Hennis’ Worte um, so müßte sich folgendes Bild ergeben: Der Bundeskanzler, der sein Amt in jeder Hinsicht voll ausnutzt, ist ein gesunder Kraftprotz. Er sieht alles und hört alles und er bekommt die nötige Unterstützung in der täglichen Schreibarbeit. Richtlinien zu bestimmen, fällt ihm leicht.
Diese Worte zeigen, daß das Bundeskanzleramt als Instrument des Kanzlers, dessen dieser sich zur Durchführung seiner Aufgaben bedient, im Ablauf der Regierungsgeschäfte eine zentrale Stellung innehat. Es ist sozusagen die Schaltzentrale, in der die Entscheidungen des Bundeskanzlers vorbereitet werden, von wo auf ihre Durchführung geachtet wird und wo zudem die Arbeit der einzelnen Bundesministerien koordiniert wird. Außerdem fungiert das Kanzleramt als Verbindungsstelle zu den Fraktionen des Bundestages, zu den Parteien und den gesellschaftlichen Gruppen und Interessenverbänden. Obwohl die Aufgaben des Kanzleramtes seit 1949 prinzipiell die gleichen geblieben sind, nutzten es die einzelnen Kanzler offensichtlich nicht in gleicher Weise und in gleichem Maße.
Ziel dieser Arbeit ist es, zu beleuchten, wie das Bundeskanzleramt seine Aufgaben seit 1949 wahrgenommen hat. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf formale und informelle Prozesse gelegt und deren Bedeutung für die Arbeitsweise des Amtes untersucht. Geht man davon aus, daß im „Gerüst (verwaltungs-)rechtlicher und formeller Kompetenzen und Befugnisse in einer bürokratischen Organisation … mannigfaltige (i.d.R. unvorhergesehene) informelle Prozesse“ wirken, so stellen sich in bezug auf die Organisation und Arbeitsweise des Kanzleramtes folgende Fragen: Wie war das Amt in den einzelnen Kanzlerschaften formal organisiert bzw. aufgebaut? Wie entwickelt sich seine Organisationsstruktur von 1949 bis heute? Inwiefern wirken sich in dem formalen Aufbau des Amtes informelle Prozesse auf dessen Arbeitsweise aus? Welche Bedeutung haben informelle Prozesse für die Informations- und Koordinierungstätigkeit des Bundeskanzleramtes? Trägt das informelle Moment zu einer Verbesserung der Aufgabenerfüllung des Amtes bei?
1. Einleitung: Stellt die Forschungsfrage nach dem Zusammenspiel formaler Strukturen und informeller Prozesse im Bundeskanzleramt zwischen 1949 und 2002.
2. Normative Voraussetzungen für die hervorgehobene Stellung des Bundeskanzlers in der Bundesregierung: Analysiert die verfassungsrechtlichen Grundlagen, die die starke Position des Kanzlers und die Rolle des Amtes stützen.
3. Vorüberlegungen vor der Errichtung des Amtes: Beleuchtet die organisatorischen Empfehlungen und Überlegungen vor der Gründung der Bundesverwaltung.
4. Das Bundeskanzleramt als formal organisierte Verwaltungsbehörde: Beschreibt die hierarchische Struktur und das formale "Gerüst" der Behörde.
5. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Ära Adenauer: Untersucht den Aufbau und die informelle Arbeitsweise unter dem ersten Bundeskanzler.
6. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Ludwig Erhards: Analysiert, warum die fehlende informelle Steuerung zum frühen Scheitern Erhards beitrug.
7. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Kiesingers: Behandelt die Koordination in der Großen Koalition und informelle Vorabklärungsmechanismen.
8. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Brandts: Untersucht die Reformversuche und das Zusammenspiel der Akteure in der sozialliberalen Koalition.
9. Formale und informelle Prozesse in der Regierungszeit Helmut Schmidts: Beschreibt die Rückkehr zu einer effizienten, informellen Arbeitsweise durch den Amtschef Manfred Schüler.
10. Formale und informelle Prozesse in der Regierungszeit Helmut Kohls: Analysiert die "informelle Durchdringung" der formalen Ordnung durch enge Vertraute des Kanzlers.
11. Formale und informelle Prozesse im Bundeskanzleramt in der Regierungszeit Schröders von 1998 bis 2002: Beleuchtet den Übergang zur "geräuschlosen Effizienz" unter Schröder und Steinmeier.
12. Zusammenfassung: Informelle Unterstützung der formalen Aufgaben des Bundeskanzleramtes: Pro und Contra: Zieht ein Fazit über die Notwendigkeit informeller Prozesse als funktionale Ergänzung zur formalen Ordnung.
Bundeskanzleramt, Bundeskanzler, Richtlinienkompetenz, formale Organisation, informelle Prozesse, Personalpolitik, Koordinierung, Regierungshandeln, Staatssekretär, Kanzleramtschef, Koalitionsmanagement, Regierungszentrale, Verwaltungsbehörde, Machtstruktur.
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Arbeitsweise des Bundeskanzleramtes von 1949 bis 2002, wobei der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen formellen Strukturen und informellen Prozessen liegt.
Themen sind unter anderem die Organisationsgeschichte, die Rolle der Amtschefs, die Bedeutung der Personalpolitik und die informellen Kommunikationswege innerhalb der Regierungszentrale.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie informelle Prozesse die offizielle, formale Struktur ergänzen, abändern oder modifizieren, um eine effektive Regierungsarbeit zu ermöglichen.
Die Arbeit verfolgt einen induktiven Ansatz, nutzt deskriptive Analysen sowie hermeneutische und textanalytische Verfahren unter Einbeziehung organisationstheoretischer Grundlagen.
Der Hauptteil analysiert chronologisch jede Kanzlerschaft von Adenauer bis Schröder, wobei jeweils Personalpolitik, Organisationsstruktur und Arbeitsweise detailliert beleuchtet werden.
Schlüsselbegriffe sind Richtlinienkompetenz, formale/informelle Organisation, Kanzleramt, Koalitionsmanagement und "brauchbare Illegalität".
Der Amtschef fungiert als entscheidende Schnittstelle zwischen Kanzler, Ressorts und Parteien; sein persönlicher Arbeitsstil ist prägend für die Effizienz des gesamten Amtes.
Da formale Strukturen (wie die Geschäftsordnung) in komplexen politischen Aushandlungsprozessen oft nicht ausreichten, dienten informelle Kanäle dazu, Konflikte zu glätten und Entscheidungen vorzubereiten, bevor sie offiziell in die formalen Gremien gelangten.
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